Orgie im Kurpark

Wenn Essen der Sex des Alters ist, dann hat am zweiten Sonntag im August in Bad Neuenahr-Ahrweiler eine ziemlich große Orgie stattgefunden – am hellichten Tag,
und das auch noch im Freien!

Mächtig Betrieb im Kurpark
Mächtig Betrieb im Kurpark

Sieben Nobelrestaurants hatten im Kurpark von Bad Neuenahr ihre mobilen Küchen aufgebaut, die Restaurants boten im Schnitt sieben verschiedene Gerichte an, die Teilnehmer der Orgie hatten also die Auswahl zwischen rund 50 verschiedenen Leckereien. Was es damit auf sich hat, habe ich vor zwei Jahren mal beschrieben.

Kleine Vorspeise
Kleine Vorspeise

Am Stand der Rungis express GmbH, des Lieferanten für die Spitzengastronomie, konnte man drei verschiedene Sorten Austern erstehen, dazu passte ein Riesling vom Weingut H.J. Kreuzberg.

Das sind Scampi und Jakobsmuscheln mit Kokos-Limonensauce auf Bandnudeln aus Metzlers Restaurant.

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Variationen von der Ente mit Feigen und Linsensalat, Steinheuers Restaurant.

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Frische Tagliatelle mit Sommertrüffel und Wildkräutern aus dem Haus Vieux Sinzig.

Das sind Scheiben aus der Rinderschulter, 48 Stunden gegart, mit Spätburgunder-Schalotten-Jus. Dazu passte ein Spätburgunder aus dem Weingut Nelles.

Tartar vom Taschenkrebs mit Avocado und Limone aus Steinheuers Sternerestaurant in Heppingen.

Das ist ein Filet vom Rothirsch aus dem Jagdhaus Rech.

Eine kleine Käseauswahl von Bauern aus der Region.

Die mobile Küche des Restaurants Vieux Sinzig
Die mobile Küche des Restaurants Vieux Sinzig
Hochbetrieb im Jagdhaus Rech
Hochbetrieb im Jagdhaus Rech
Auch in Metzlers Küche sitzt jeder Handgriff
Auch in Metzlers Küche sitzt jeder Handgriff
Gut gelaunt: Das Personal der Golfclub Gastronomie am Köhlerhof
Gut gelaunt: Das Personal der Golfclub Gastronomie am Köhlerhof
Auch in Steinheuers Küche arbeiten die Profis Hand in Hand
Auch in Steinheuers Küche arbeiten die Profis Hand in Hand

MP3 – Das Ende einer Ära

Foto: Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de
Foto: Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de

Der weltweite de-facto-Standard für komprimierte Musikdateien, von Forschern des Fraunhofer Instituts erfunden, hat ausgedient. Damit geht eine Ära der Musikgeschichte zu Ende.

In einer Mitteilung des Fraunhofer-Instituts heißt es nüchtern: „Am 23. April 2017, mit dem Ablauf einiger mp3-Patente, wurde das Lizenzprogramm von Technicolor und dem Fraunhofer IIS beendet. Wir danken allen Lizenznehmern für die gute Zusammenarbeit in den vergangen zwei Jahrzehnten. Sie haben dazu beigetragen, mp3 zum weltweiten de-facto-Standard für Audiocodierung zu machen.“ Was Fraunhofer damit sagen will: mp3 ist tot, der Audiostandard hat ausgedient. Und damit geht eine deutsche Erfolgsstory zu Ende.

Die Entwicklung von mp3 begann in den späten 80er Jahren am Fraunhofer Institut für Integrierte Schaltungen (IIS), basierend auf Forschungsergebnissen der Universität Erlangen-Nürnberg. Auch wenn es heute effizientere Audio-Kompressionsverfahren gibt, der Fachmann spricht von Audiocodecs, ist mp3 nach wie vor sehr beliebt bei den Usern. Heutige Medien wie Streaming, Fernsehen oder Radio nutzen jedoch modernere Techniken. Diese bieten erweiterte Einstellungsmöglichkeiten und eine bessere Audioqualität bei viel geringeren Bitraten im Vergleich zum mp3-Format.

„Ein kulturelles Phänomen“

„mp3 ist mehr als eine Technologie, mp3 ist ein kulturelles Phänomen. Und mp3 ist ein Beispiel für erfolgreiche Forschung, Entwicklung und Vermarktung in Deutschland“, sagt der Elektroingenieur Heinz Gerhäuser, der als der Erfinder des mp3-Formates gilt. „mp3 hat die Art, wie wir Musik kaufen und hören, verändert. Heute tragen wir unsere gesamte Musiksammlung auf Musikspielern, die nicht größer sind als eine Streichholzschachtel mit uns spazieren. Lieder im mp3-Format spielen immer und überall, kein Gerät, das mp3 nicht unterstützt. Wir kaufen Musik online über das Internet und nicht mehr im Kaufhaus.“ Sehr zum Ärger der etablierten Musikindustrie, muss man hier ergänzen.

mp3 komprimiert und speichert Musik. Im Vergleich zum Original benötigt eine mp3-Datei nur rund zehn Prozent des Speicherplatzes. So kann Musik schnell über das Internet übertragen und auf mp3-Playern gespeichert werden. Ein moderner mp3-Player speichert je nach Speichergröße zwischen 2000 und 200.000 Minuten Musik, das sind über 130 Tage ununterbrochene Musikwiedergabe. Man könnte also mit dem Auto gut vier Monate lang gemütlich von Alaska bis Feuerland gondeln, ohne ein einziges Musikstück zweimal hören zu müssen.

Die Vögel im Garten sind weg

Wie das Kompressionsverfahren funktioniert, hat Gerhäuser Mitte der 90er Jahre in einem Interview der Deutschen Welle so erklärt: „Stellen Sie sich vor, Sie liegen im Liegestuhl im Garten und hören die Vögel zwitschern. Plötzlich stellt der Nachbar den Rasenmäher an. Die Vögel zwitschern immer noch – aber Sie hören sie nicht mehr. Und was das menschliche Ohr nicht mehr wahrnimmt, kann man aus der Geräuschdatei getrost herausrechnen.“

Deutschland gehört, auch dank mp3, zur weltweiten Spitze in der Entwicklung von Audiotechnologien. So wurden Lizenzeinnahmen in Millionenhöhe erwirtschaftet und in neue Forschungsprojekte investiert. Und auch der Staat profitiert über Steuereinnahmen und durch entstandene Arbeitsplätze. Die durch mp3 induzierten Steuereinnahmen summieren sich für Bund und Länder auf jährlich mindestens 300 Millionen Euro. Mindestens 9.000 Arbeitsplätze sind in Deutschland direkt bedingt durch mp3, zum Beispiel im Handel oder bei Herstellern von mp3-Playern.

Vorläufer des viralen Marketings

Nach der Etablierung mp3-Standards durch internationale Normungsgremien hatten viele große Unternehmen der Unterhaltungselektronik kein Interesse an dem Format. Denn einerseits glaubte niemand an den Erfolg der mp3-Technologie, andererseits hatten viele Firmen eigene Formate entwickelt. Die Forscher begannen deshalb selbst mit der Vermarktung und konzentrierten sich auf den Markt der Endverbraucher: Sie setzen das Internet gezielt als Marketingplattform ein und boten kostenpflichtige Software zum Download an. Das führte schnell zur massenhaften Verbreitung von mp3. Dieses „virale Marketing“ war damals alles andere als alltäglich: Das Internet war noch jung und als Vertriebsweg kaum erschlossen.

Die Probleme waren aber damals schon die gleichen wie heute: Eigentlich sollte die mp3- Kompressionssoftware über das Internet verkauft und so Geld verdient werden. Dieses Geschäftsmodell war jedoch schnell zerstört: Ein australischer Student kaufte die Software mit einer geklauten Kreditkartennummer und machte sie anschließend öffentlich verfügbar. Das Software-Geschäft war für Fraunhofer geplatzt. Dafür verbreitete sich die Software wie ein Lauffeuer im Internet. Gleichzeitig begann auch die rasante Verbreitung von Musik im mp3-Format,  häufig jedoch unter Missachtung der Urheberrechte.

In Deutschland unmöglich?

Warum gab es aber keine deutsche Firma, die den-Erfolg eines mp3-Players wie etwa des iPods von Apple hätte vorwegnehmen können? Hans-Jörg Bullinger, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, erklärt sich das so: „Gerade kleine und mittlere Unternehmen sind für die Innovationskraft einer Volkswirtschaft wichtig. Da kleineren Unternehmen aber in der Regel das Geld fehlt, um die Risiken der Produktentwicklung und Markteinführung tragen zu können, sind sie auf spezialisierte Risikokapitalgesellschaften angewiesen – die in Deutschland unterrepräsentiert sind. Daher gelingt es deutschen Unternehmen zu selten, eine Idee zur Marktreife zu bringen.“

Erst als mp3 bereits ein Erfolg war, ist auch Apple auf den fahrenden Zug aufgesprungen und hat sich dank millionenschwerer Marketingbudgets und eines benutzerfreundlichen Produktdesigns zum Marktführer aufgeschwungen. In Deutschland gab und gibt es keine mit Apple vergleichbare Firma, die den Erfolg des US-Computerherstellers hätte vorwegnehmen können. Apple investiert alleine für Werbung pro Jahr mehrere hundert Millionen US-Dollar. Kein deutsches Unternehmen in der Unterhaltungselektronik hätte das leisten können.

Was bedeutet nun das Ende von mp3? Zunächst können Nutzer weiterhin mp3-Dateien anhören oder bearbeiten. Die Experten des Fraunhofer-Instituts raten allerdings dazu, künftig modernere Codes, wie AAC zu verwenden. Die AAC-Dateien sind bei gleicher Qualität rund ein Viertel kleiner als MP3-Dateien. Der iTunes Store von Apple nutzt bereits seit Anfang 2003 das AAC-Format.

(Dieser Artikel erschien zuerst am 16. Mai 2017 bei dw.com/wirtschaft)

 

Keine Zinswende in Sicht

Foto: Jorma Bork / Pixelio.de
Foto: Jorma Bork / Pixelio.de

Entgegen anders lautender Hoffnungen und Vermutungen wird die Europäische Zentralbank in diesem Jahr vermutlich keine Wende in der Geldpolitik einleiten. Zu viele hoch verschuldete Euroländer bekämen dann nämlich Probleme mit ihren exorbitanten Schuldenbergen.

 

 

Ein Mitglied des EZB-­Direktoriums, der Franzose Benoit Coeure, hat in der ersten Aprilwoche 2017 Regierungen, die Finanzbranche und andere Wirtschaftsakteure aufgefordert, sich auf ein Ende der jahrelangen Phase ultraniedriger Zinsen einzustellen. „Es ist offensichtlich, dass der Finanzsektor und andere Wirtschaftsakteure, vor allem Regierungen, sich vorbereiten müssen“, sagte das Mitglied des sechsköpfigen Führungsgremiums der Europäischen Zentralbank in Paris. „Ich hoffe, dass die Regierungen in der Euro­Zone wissen, dass die Zinsen nicht auf dem aktuellen Niveau bleiben werden.“

Die EZB hält ihre Leitzinsen schon seit vielen Monaten auf dem Rekordtief von null Prozent. Zudem pumpt sie über den Kauf von Anleihen und anderen Wertpapieren Woche für Woche Milliarden in das Finanzsystem des Währungsraums. Mit den auf 2.280 Milliarden Euro angelegten Käufen will sie Geldhäuser unter anderem dazu anregen, mehr Kredite an die Wirtschaft auszureichen. Das
stützt die Konjunktur und soll so auch die nach dem Geschmack der EZB immer noch zu niedrige Inflation anheizen. „Nur wenn sich die Wirtschaft besser entwickelt als wir jetzt in unseren Schätzungen erwarten, könnten wir erwägen, das Tapering vorzuziehen“, sagte der
Zentralbankchef der Niederlande, Klaas Knot. Unter „Tapering“ wird im Notenbank-­Chinesisch dasZurückfahren der Wertpapierkäufe bis auf Null verstanden.

Nur eine Einzelmeinung?

Doch so wie es aussieht, steht der Franzose Coeure mit seinen Andeutungen, die EZB könne ihre Geldpolitik bald wieder straffen, ziemlich alleine da. So hält EZB­-Chefvolkswirt Peter Praet die ultralockere Geldpolitik weiterhin für angemessen, wie er die spanische Zeitung „Expansion“ wissen ließ. Auch andere Top­-Notenbanker haben für die Beibehaltung des aktuellen geldpolitischen Kurses der Währungshüter plädiert. Continue reading „Keine Zinswende in Sicht“

Surfen in der Bahn

Foto: Peter von Bechen / pixelio.de
Foto: Peter von Bechen / pixelio.de

 

Ja, es stimmt wohl: Wer im Alltag auf den Regionalverkehr der Deutschen Bahn angewiesen ist, hat ein schweres Los. Wer allerdings, so wie ich, nur gelegentlich im ICE durch die Republik kutschiert, wird ab und zu angenehm überrascht.

Denn in allen ICE’s, sowohl 1. als auch 2. Klasse, gibt es auf vielen Strecken kostenloses WLan. Und das funktioniert sogar. Einfach auf dem Smartphone, Tablet oder Notebook das WLAN-Netz „WIFIonICE“ auswählen, einen Browser öffnen, per Klick die Teilnahmebedingungen akzeptieren und lossurfen. „WLAN im Zug ist für viele Kunden mittlerweile so wichtig wie die Toilette“, soll der Ex-DB-Vorsitzende Rüdiger Grube mal gesagt haben.

Der Internetzugang wird über die Netze der deutschen Mobilfunkbetreiber vermittelt. Deren verfügbare Bandbreite ist begrenzt. Damit jeder einen Anteil nutzen kann, wird das frei verfügbare Datenvolumen beschränkt. Die DB hält sich nach wochenlangem Testbetrieb an die Faustregel: Für 80 Prozent der Fahrgäste ist das Volumen von 200 MB ausreichend. Kunden sollten unnötige Datennutzung wie etwa das Streamen von langen Videos möglichst vermeiden und automatische Downloads ausschalten. Damit reicht die Bandbreite zum Mailen, Chatten und Surfen.

Die Schnelligkeit der Verbindung ist natürlich davon abhängig, wie viele Fahrgäste zugleich das WLAN nutzen – und welche Bandbreite sie dabei in Anspruch nehmen. Deshalb hat die DB das Datenvolumen in der 2. Klasse auf 200 MB limitiert. Wenn jeder haushält, sind alle schneller unterwegs. Ein weiterer Grund für Schwankungen: Der Zug verfügt nicht über einen Kabelanschluss ins Internet wie ein Internet-Cafe oder die Privatwohnung mit seinem stabilen Datenfluss. Wenn man so will, ist jeder ICE ein riesiges Mobiltelefon. Antennen fangen die Signale der umliegenden Mobilfunkmasten ein. In einem zentralen Server im Zug stecken tatsächlich bis zu sechs handelsübliche SIM-Karten.

Dort wird der Datenstrom weiter verteilt auf zwei sogenannte Access Points pro Wagen, die vergleichbar sind mit dem WLAN-Router daheim. Mit einem dieser Zugangspunkte verbindet sich das Endgerät des Fahrgasts. Die Qualität der Internetverbindung hängt also davon ab, wie gut der Gesamtempfang des ICE ist. Und das ist nicht trivial. Denn bei Tempo 250 hat ein Zug oft nur zehn bis 60 Sekunden Kontakt zu einem bestimmen Sendemast – dann reißt die Verbindung wieder ab. Dazwischen muss natürlich schon die Verbindung zum nächsten Mast aufgebaut werden – seamless roaming nennen Techniker das, das nahtlose Weiterreichen an den nächsten Provider, ohne dass der Benutzer etwas davon merkt.

Ein Telekommunikationsanbieter allein kann dies nicht leisten, hat die bisherige Erfahrung gezeigt. Deshalb hat die DB nun Verträge mit drei Anbietern geschlossen: Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica (O2, E-Plus). Das schließt die meisten Lücken und hat einen weiteren Vorteil: Auf vielen Streckenabschnitten sind Signale von allen drei Anbietern empfangbar – die Bandbreite addiert sich dann auf einen höheren Wert.

Die technischen Informationen zu diesem Angebot kann man viel besser hier nachlesen. Ich habe jedenfalls kürzlich eine angenehme Rückfahrt von Tutzing nach Siegburg genutzt, um mir auf meinem Tablet den Spielfilm-Klassiker Notting Hill anzugucken. Streifenfrei und ohne Unterbrechungen, vermutlich auch, weil es ein Sonntagnachmittag war und der Zug entsprechend mäßig besetzt.

T wie Trauerspiel – 20 Jahre Telekom-Aktie

Foto: Erich Westendarp/pixelio.de
Foto: Erich Westendarp/pixelio.de
Am 18. November 1996 ging die Deutsche Telekom an die Börse – was erst einen Boom auslöste, dann aber gründlich daneben ging.

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Keine Torte, keine Kerzen, keine Reden – und eine Flasche Sekt hat wohl auch keiner aufgemacht, als die T-Aktie am Freitag (18.11.2016) ihren 20. Geburtstag hatte. Der damalige Finanzminister Theo Waigel wollte möglichst viel Geld für die erste Tranche des ehemaligen Staatsunternehmens einnehmen, deshalb durfte der Börsengang kein Flop werden. Und der damalige Telekom-Chef Ron Sommer setzte den Auftrag um: In einer beispiellosen Werbekampagne wurde das Papier als wahre Volksaktie angepriesen.

Dem Trommelfeuer der Radio- und TV-Werbespots konnte sich damals keiner entziehen. Gallionsfigur der Kampagne war der Ex-DDR-Schauspieler Manfred Krug, der nach der Wende auch dem westlichen Publikum in einer Fernsehserie als sympathischer Rechtsanwalt Liebling ans Herz gewachsen war. Seinem treuherzigen Slogan „die Telekom geht an die Börse – und ich gehe mit“ musste man einfach Vertrauen schenken.

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Digitalisieren wir unsere Jobs weg?

Foto: Marko Greitschus / pixelio.de
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Wer Ängste schürt, macht Auflage. „Zerstören Roboter das deutsche Jobwunder?“, fragt denn auch so mancher Sensationsjournalist. Aber ist das wirklich so? Denn die Arbeit ist noch nie ausgegangen – sie verändert sich nur.

Die Angst vor Veränderungen im Arbeitsleben ist nicht neu. Anfang des 19. Jahrhunderts sorgten sich englische Textilarbeiter um die Auswirkungen der industriellen Revolution, was in der gezielten Zerstörung von Maschinen gipfelte. Auch der britische Ökonom John Maynard Keynes warnte in den 1930er Jahren vor „technologischer Arbeitslosigkeit“, die sich weit verbreiten werde.

In seinem Buch „Das Ende der Arbeit“ hat der amerikanische Ökonom und Soziologe Jeremy Rifkin 1995 gezeigt, dass durch den Produktivitätszuwachs von 1975 bis 1995 zahllose Fabrikarbeitsplätze verschwunden sind – obwohl die Wirtschaft im gleichen Zeitraum weiter gewachsen ist. Anhand weltweiter Wirtschaftsdaten sagte Rifikin voraus, 2020 würden nur noch zwei Prozent der Weltbevölkerung in der Produktion arbeiten.

Und heute? Heute wird erneut Angst geschürt, und die Schuldigen heißen diesmal Digitalisierung, Industrie 4.0, das Internet der Dinge, Plattformökonomie – sie alle werden uns die Arbeit streitig machen, heißt es. „Zerstören Roboter das deutsche Jobwunder?“ fragte die „Bild“-Zeitung neulich. Eine amerikanische Studie aus dem Jahr 2013 sagt, in den USA seien 47 Prozent aller Jobs durch den technischen Wandel bedroht. Experten haben das auf Deutschland übertragen und kommen auf 42 Prozent. Continue reading „Digitalisieren wir unsere Jobs weg?“

Nase rümpfen über Trump? Großer Fehler!

Der Populismus eines Donald Trump hat in Europa durchaus seine Entsprechungen. Europa ist keine Insel der Seligen, die vor Populisten sicher ist. Im Gegenteil: Sie werden Auftrieb erhalten durch den Wahlsieg des Donald Trump. Am 4. Dezember entscheiden die Italiener in einer Volksabstimmung über die wichtige Senatsreform. Fällt die durch, kann es passieren, dass bei Neuwahlen ein Ex-Komiker Ministerpräsident wird. Dann wäre Trump faktisch in der EU angekommen.

Trumps Wahlsieg berechtigt uns Europäer also noch lange nicht, die Nase zu rümpfen. Ich denke da nicht nur an Populisten wie Berlusconi oder Beppe Grillo in Italien, Victor Orban in Ungarn oder den heimlichen Strippenzieher in Polen, Jaroslaw Kaczynski. Nein, in Frankreich drohen uns Marine LePen und in den Niederlanden der Rechtspopulist Geert Wilders. Habe ich etwas vergessen? Ach ja, in Deutschland blüht eine Partei namens AfD auf. Sie tummelt sich im Reservoir der abgehängten und zurückgelassenen Kleinbürger mit ihrer Wut gegen „die da oben“ – und das sind genau die, die Donald Trump jenseits des Atlantiks zum Wahlsieg verholfen haben.

Bayer – vom Teufel geritten

Bayer kauft Monsanto für 66 Milliarden Dollar, einen der bestgehassten Konzerne der Welt – und die biederen Leverkusener Chemiker bilden sich ganz offensichtlich ein, nichts von diesem Ruf werde auf sie abfärben. Was Umweltschützer von Monsanto halten, ist gelegentlich auf Demonstrationen zu besichtigen, in über 40 Ländern, darunter in Mexiko, Argentinien, Kanada, den USA, den Niederlanden, Kroatien, der Schweiz und China. Die Demonstranten drücken ihren Unmut mit Bannern, Schildern und Aufrufen gegen das Herbizid „RoundUp“ aus, dessen Wirkstoff Glyphosat unter Verdacht steht, Krebs zu erzeugen.

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SEO’s – die Medizinmänner des 21. Jahrhunderts

titelDer Wettlauf ist fast so alt wie das World Wide Web selbst: Seit Mitte der 1990er Jahre sind die Betreiber von Webseiten bemüht, ihre Webpräsenz für Suchmaschinen zu optimieren. In den Anfängen reichte es aus, die URL der entsprechenden Seite an die verschiedenen Suchmaschinen zu senden, die dann einen Crawler zur Analyse der Seite schickten und diese indexierten. Die Seitenbetreiber erkannten recht schnell, dass es sehr von Vorteil war, wenn die eigene Webseite weit oben in der Trefferliste der Suchmaschinen erscheint. Ein neuer Geschäftszweig war geboren: Viele Unternehmen tummeln sich inzwischen auf dem SEO-Feld (search engine optimization), die versprechen, die Seite des Kunden gegen Bares nach oben zu hieven. Weil aber die die Bewertungsalgorithmen von Google und Co. überhaupt nicht bekannt sind, gleicht das SEO-Geschäft einer Art Vodoo-Zauber – man könnte genauso gut würfeln, Karten legen oder in die Glaskugel gucken. Deshalb nenne ich diese Wichtigtuer „moderne Medizinmänner“.

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Wider den Exportwahn

Deutschlands Wirtschaft ist im ersten Halbjahr robuster als erwartet gewachsen. Trotzdem warnen erste Stimmen vor zu hohen Löhnen und nachlassender Wettbewerbsfähigkeit. Das ist übertrieben, meine ich.
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Das Statistische Bundesamt hat am Freitag eine Zahl veröffentlicht, die Laien als mickerig empfinden mögen, Fachleute aber durchaus verblüfft: Das Bruttoinlandsprodukt ist im zweiten Quartal gegenüber dem ersten Quartal, bereinigt um saisonale und kalendarische Einflüsse, um 0,4 Prozent gestiegen. Diese Wachstumsrate hat die Erwartungen der meisten Volkswirte übertroffen, die höchstens mit der Hälfte, also 0,2 Prozent, gerechnet hatten.

Das ist für Fachleute in der Tat überraschend. So sehr, dass einige Ökonomen gleich ihre Prognose für das gesamte Jahr nach oben revidiert haben, wie zum Beispiel Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, der jetzt mit stolzen 1,8 Prozent statt 1,5 Prozent für das Gesamtjahr rechnet.

Das ist schon toll: Seit fast acht Jahren zeigen die Pfeile für die deutsche Wirtschaft nach oben. Und das, obwohl es so aussieht, als gerate die Welt ringsum aus den Fugen: Flüchtlingsströme, Terroranschläge, Brexit ­ das alles paart sich mit den trüben Aussichten für die Weltwirtschaft, dem stotternden Wachstumsmotor China und den Krisen in der Türkei, in Russland und Brasilien. Continue reading „Wider den Exportwahn“