MP3 – Das Ende einer Ära

Foto: Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de
Foto: Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de

Der weltweite de-facto-Standard für komprimierte Musikdateien, von Forschern des Fraunhofer Instituts erfunden, hat ausgedient. Damit geht eine Ära der Musikgeschichte zu Ende.

In einer Mitteilung des Fraunhofer-Instituts heißt es nüchtern: „Am 23. April 2017, mit dem Ablauf einiger mp3-Patente, wurde das Lizenzprogramm von Technicolor und dem Fraunhofer IIS beendet. Wir danken allen Lizenznehmern für die gute Zusammenarbeit in den vergangen zwei Jahrzehnten. Sie haben dazu beigetragen, mp3 zum weltweiten de-facto-Standard für Audiocodierung zu machen.“ Was Fraunhofer damit sagen will: mp3 ist tot, der Audiostandard hat ausgedient. Und damit geht eine deutsche Erfolgsstory zu Ende.

Die Entwicklung von mp3 begann in den späten 80er Jahren am Fraunhofer Institut für Integrierte Schaltungen (IIS), basierend auf Forschungsergebnissen der Universität Erlangen-Nürnberg. Auch wenn es heute effizientere Audio-Kompressionsverfahren gibt, der Fachmann spricht von Audiocodecs, ist mp3 nach wie vor sehr beliebt bei den Usern. Heutige Medien wie Streaming, Fernsehen oder Radio nutzen jedoch modernere Techniken. Diese bieten erweiterte Einstellungsmöglichkeiten und eine bessere Audioqualität bei viel geringeren Bitraten im Vergleich zum mp3-Format.

„Ein kulturelles Phänomen“

„mp3 ist mehr als eine Technologie, mp3 ist ein kulturelles Phänomen. Und mp3 ist ein Beispiel für erfolgreiche Forschung, Entwicklung und Vermarktung in Deutschland“, sagt der Elektroingenieur Heinz Gerhäuser, der als der Erfinder des mp3-Formates gilt. „mp3 hat die Art, wie wir Musik kaufen und hören, verändert. Heute tragen wir unsere gesamte Musiksammlung auf Musikspielern, die nicht größer sind als eine Streichholzschachtel mit uns spazieren. Lieder im mp3-Format spielen immer und überall, kein Gerät, das mp3 nicht unterstützt. Wir kaufen Musik online über das Internet und nicht mehr im Kaufhaus.“ Sehr zum Ärger der etablierten Musikindustrie, muss man hier ergänzen.

mp3 komprimiert und speichert Musik. Im Vergleich zum Original benötigt eine mp3-Datei nur rund zehn Prozent des Speicherplatzes. So kann Musik schnell über das Internet übertragen und auf mp3-Playern gespeichert werden. Ein moderner mp3-Player speichert je nach Speichergröße zwischen 2000 und 200.000 Minuten Musik, das sind über 130 Tage ununterbrochene Musikwiedergabe. Man könnte also mit dem Auto gut vier Monate lang gemütlich von Alaska bis Feuerland gondeln, ohne ein einziges Musikstück zweimal hören zu müssen.

Die Vögel im Garten sind weg

Wie das Kompressionsverfahren funktioniert, hat Gerhäuser Mitte der 90er Jahre in einem Interview der Deutschen Welle so erklärt: „Stellen Sie sich vor, Sie liegen im Liegestuhl im Garten und hören die Vögel zwitschern. Plötzlich stellt der Nachbar den Rasenmäher an. Die Vögel zwitschern immer noch – aber Sie hören sie nicht mehr. Und was das menschliche Ohr nicht mehr wahrnimmt, kann man aus der Geräuschdatei getrost herausrechnen.“

Deutschland gehört, auch dank mp3, zur weltweiten Spitze in der Entwicklung von Audiotechnologien. So wurden Lizenzeinnahmen in Millionenhöhe erwirtschaftet und in neue Forschungsprojekte investiert. Und auch der Staat profitiert über Steuereinnahmen und durch entstandene Arbeitsplätze. Die durch mp3 induzierten Steuereinnahmen summieren sich für Bund und Länder auf jährlich mindestens 300 Millionen Euro. Mindestens 9.000 Arbeitsplätze sind in Deutschland direkt bedingt durch mp3, zum Beispiel im Handel oder bei Herstellern von mp3-Playern.

Vorläufer des viralen Marketings

Nach der Etablierung mp3-Standards durch internationale Normungsgremien hatten viele große Unternehmen der Unterhaltungselektronik kein Interesse an dem Format. Denn einerseits glaubte niemand an den Erfolg der mp3-Technologie, andererseits hatten viele Firmen eigene Formate entwickelt. Die Forscher begannen deshalb selbst mit der Vermarktung und konzentrierten sich auf den Markt der Endverbraucher: Sie setzen das Internet gezielt als Marketingplattform ein und boten kostenpflichtige Software zum Download an. Das führte schnell zur massenhaften Verbreitung von mp3. Dieses „virale Marketing“ war damals alles andere als alltäglich: Das Internet war noch jung und als Vertriebsweg kaum erschlossen.

Die Probleme waren aber damals schon die gleichen wie heute: Eigentlich sollte die mp3- Kompressionssoftware über das Internet verkauft und so Geld verdient werden. Dieses Geschäftsmodell war jedoch schnell zerstört: Ein australischer Student kaufte die Software mit einer geklauten Kreditkartennummer und machte sie anschließend öffentlich verfügbar. Das Software-Geschäft war für Fraunhofer geplatzt. Dafür verbreitete sich die Software wie ein Lauffeuer im Internet. Gleichzeitig begann auch die rasante Verbreitung von Musik im mp3-Format,  häufig jedoch unter Missachtung der Urheberrechte.

In Deutschland unmöglich?

Warum gab es aber keine deutsche Firma, die den-Erfolg eines mp3-Players wie etwa des iPods von Apple hätte vorwegnehmen können? Hans-Jörg Bullinger, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, erklärt sich das so: „Gerade kleine und mittlere Unternehmen sind für die Innovationskraft einer Volkswirtschaft wichtig. Da kleineren Unternehmen aber in der Regel das Geld fehlt, um die Risiken der Produktentwicklung und Markteinführung tragen zu können, sind sie auf spezialisierte Risikokapitalgesellschaften angewiesen – die in Deutschland unterrepräsentiert sind. Daher gelingt es deutschen Unternehmen zu selten, eine Idee zur Marktreife zu bringen.“

Erst als mp3 bereits ein Erfolg war, ist auch Apple auf den fahrenden Zug aufgesprungen und hat sich dank millionenschwerer Marketingbudgets und eines benutzerfreundlichen Produktdesigns zum Marktführer aufgeschwungen. In Deutschland gab und gibt es keine mit Apple vergleichbare Firma, die den Erfolg des US-Computerherstellers hätte vorwegnehmen können. Apple investiert alleine für Werbung pro Jahr mehrere hundert Millionen US-Dollar. Kein deutsches Unternehmen in der Unterhaltungselektronik hätte das leisten können.

Was bedeutet nun das Ende von mp3? Zunächst können Nutzer weiterhin mp3-Dateien anhören oder bearbeiten. Die Experten des Fraunhofer-Instituts raten allerdings dazu, künftig modernere Codes, wie AAC zu verwenden. Die AAC-Dateien sind bei gleicher Qualität rund ein Viertel kleiner als MP3-Dateien. Der iTunes Store von Apple nutzt bereits seit Anfang 2003 das AAC-Format.

(Dieser Artikel erschien zuerst am 16. Mai 2017 bei dw.com/wirtschaft)

 

Drohnen – Fluch oder Segen?

Foto: Reiner Land / pixelio.de
Foto: Reiner Land / pixelio.de

Glaubt man dem IT-Branchenverband Bitkom, dann hat bald jeder Feld-, Wald- und Wiesenfotograf eine Drohne und macht damit spektakuläre Bilder aus der Luft. Fast neun von zehn Drohnenbesitzern oder am Kauf Interessierten möchten ihre Drohne für Fotografie- und Videoaufnahmen von Landschaft und Natur nutzen.

 

58 Prozent wollen gerne Orte, die man sonst nicht zu sehen bekommt, mit ihrer Drohne überfliegen und fotografieren und 44 Prozent würden gerne ihre sportlichen Aktivitäten per Drohnenaufnahme festhalten, zeigt eine Umfrage im Auftrag des Bitkom unter gut 1.000 Bundesbürgern ab 14 Jahren.

Nach Industrie und Profi-Fotografen entdecken nun auch zunehmend die Verbraucher den Reiz von fliegenden Kameras. Luftaufnahmen waren noch nie so günstig und einfach zu bekommen. Laut Bundesverkehrsministerium gibt es derzeit rund 500.000 private Drohnen. Zehn Prozent der Befragten planen laut Umfrage derzeit den Kauf oder haben Interesse am Kauf eines unbemannten Luftfahrzeugs.

Allerdings hält jeder zweite Befragte die Dinger noch für zu teuer, und jeder Vierte sorgt sich vor Überregulierung des Drohneneinsatzes und schreckt deshalb vor einem Kauf zurück. Bei der Nutzung der Drohne gibt es einige Regeln zu beachten. „Grundsätzlich haftet der Führer der Drohne, wenn bei einem Flug Schäden verursacht werden“, schreibt der IT-Verband. „Wer eine Drohne steigen lassen möchte, sollte sich vorab gründlich informieren, ob und unter welchen Bedingungen die Nutzung erlaubt ist.“

Bundeskabinett und Bundesrat haben vor wenigen Wochen für die unbemannten Flugobjekte strengere Vorschriften beschlossen. Die Verordnung enthält unter anderem eine Kennzeichnungspflicht mit einer Plakette mit Namen und Adresse für Drohnen ab einem Gewicht von 250 Gramm sowie den „Führerschein“ für größere Drohnen ab zwei Kilogramm Gewicht. Für den Betrieb auf Modellfluggeländen soll kein Führerschein verlangt werden.

Über Industrieanlagen, Menschenansammlungen und über Autobahnen sowie an Flughäfen gilt für Drohnen ein Flugverbot. Die neue Drohnenverordnung des Bundesverkehrsministeriums kann man hier nachlesen. Und der SWR hat in seinem Wissenschaftsmagazin „Odysso“ dem Thema Drohnen eine ganze Sendung gewidmet – mit zwei Beiträgen von Sophie König.

Keine Zinswende in Sicht

Foto: Jorma Bork / Pixelio.de
Foto: Jorma Bork / Pixelio.de

Entgegen anders lautender Hoffnungen und Vermutungen wird die Europäische Zentralbank in diesem Jahr vermutlich keine Wende in der Geldpolitik einleiten. Zu viele hoch verschuldete Euroländer bekämen dann nämlich Probleme mit ihren exorbitanten Schuldenbergen.

 

 

Ein Mitglied des EZB-­Direktoriums, der Franzose Benoit Coeure, hat in der ersten Aprilwoche 2017 Regierungen, die Finanzbranche und andere Wirtschaftsakteure aufgefordert, sich auf ein Ende der jahrelangen Phase ultraniedriger Zinsen einzustellen. „Es ist offensichtlich, dass der Finanzsektor und andere Wirtschaftsakteure, vor allem Regierungen, sich vorbereiten müssen“, sagte das Mitglied des sechsköpfigen Führungsgremiums der Europäischen Zentralbank in Paris. „Ich hoffe, dass die Regierungen in der Euro­Zone wissen, dass die Zinsen nicht auf dem aktuellen Niveau bleiben werden.“

Die EZB hält ihre Leitzinsen schon seit vielen Monaten auf dem Rekordtief von null Prozent. Zudem pumpt sie über den Kauf von Anleihen und anderen Wertpapieren Woche für Woche Milliarden in das Finanzsystem des Währungsraums. Mit den auf 2.280 Milliarden Euro angelegten Käufen will sie Geldhäuser unter anderem dazu anregen, mehr Kredite an die Wirtschaft auszureichen. Das
stützt die Konjunktur und soll so auch die nach dem Geschmack der EZB immer noch zu niedrige Inflation anheizen. „Nur wenn sich die Wirtschaft besser entwickelt als wir jetzt in unseren Schätzungen erwarten, könnten wir erwägen, das Tapering vorzuziehen“, sagte der
Zentralbankchef der Niederlande, Klaas Knot. Unter „Tapering“ wird im Notenbank-­Chinesisch dasZurückfahren der Wertpapierkäufe bis auf Null verstanden.

Nur eine Einzelmeinung?

Doch so wie es aussieht, steht der Franzose Coeure mit seinen Andeutungen, die EZB könne ihre Geldpolitik bald wieder straffen, ziemlich alleine da. So hält EZB­-Chefvolkswirt Peter Praet die ultralockere Geldpolitik weiterhin für angemessen, wie er die spanische Zeitung „Expansion“ wissen ließ. Auch andere Top­-Notenbanker haben für die Beibehaltung des aktuellen geldpolitischen Kurses der Währungshüter plädiert. Continue reading „Keine Zinswende in Sicht“

Flughafen BER bald chinesisch?

Foto: saschay2k / pixelio.de
Foto: saschay2k / pixelio.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

          Fünf mal ist der Eröffnungstermin des Flughafens BER geplatzt, die Kosten haben sich nahezu verdreifacht. Für die Betreiber eindeutig ein Desaster. Nun zeigen aber offenbar Chinesen Interesse. Fluch oder Segen? Ein Bericht meines Freundes Cui Mu.

Am vergangenen Mittwoch (29.März 2017) hat der neue BER-Chef Engelbert Lütke im Berliner Abgeordnetenhaus angekündigt, noch in diesem Sommer einen neuen Termin für die Eröffnung des Hauptstadtflughafens zu nennen. Allerdings wolle er „keinen Schnellschuss abgeben“ und das neue Datum „nicht politisch festlegen“.

Hinter dieser Zurückhaltung könnte ein recht ehrgeiziger, bislang noch geheimer Plan stehen. Eine hochrangige Managerin der chinesischen Handelskammer in Berlin, die jedoch anonym bleiben will, hat nach eigenen Angaben in den vergangenen Wochen „intensive Gespräche“ mit der Flughafenleitung sowie Regierungsvertretern aus Berlin und Brandenburg geführt. Mit dabei seien auch einige chinesische Unternehmer gewesen.

„Peking baut, Shanghai zahlt, Berlin fliegt!”

In den Gesprächen, so die Handelskammer-Managerin, hätten Investoren aus China „ihr Interesse an BER eindeutig gezeigt“. Konkreter hieß es: eine Baufirma aus Peking wolle die große Baustelle um Schönefeld übernehmen und habe den deutschen Verhandlungspartnern „100-prozentige effizientorientierte Arbeitskultur“ versprochen. Continue reading „Flughafen BER bald chinesisch?“

Die sieben Spinnen im Internetz

Foto: Marvin Siefke / pixelio.de
Foto: Marvin Siefke / pixelio.de

Snapchat geht an die Börse, sammelt Milliarden ein und bietet – nichts, außer einer weiteren Tuschel-Plattform für kleine Mädchen mit Smartphone. Zeit, einmal die Funktionsweisen der Plattform-Ökonomie zu beleuchten.

 

Die Mutter des Messengerdienstes Snapchat, Snap Inc., ist vor kurzem an die Börse gegangen. 17 Dollar haben die Erstzeichner für die Snap-Aktie bezahlt. Das erst fünfeinhalb Jahre alte Unternehmen erzielt damit Emissionserlöse von rund 3,4 Milliarden Dollar. Es war der größte Börsengang eines US-Technologieunternehmens seit Facebook im Jahr 2012.

Snapchat-Nutzer können sich Videos, Bilder und Textnachrichten zuschicken, die nach dem Ansehen wieder verschwinden. Das zieht vor allem jüngere Smartphone-Nutzer an. Analysten zufolge ist Snap damit im Bereich soziale Netzwerke zum Hauptkonkurrenten von Facebook aufgestiegen. Mit täglich 158 Millionen aktiven Nutzern kommt der Service auf 2,5 Milliarden „Snaps“ genannte Botschaften in 20 verschiedenen Sprachen, wie aus bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereichten Unterlagen hervorgeht.

Noch schreibt das Unternehmen rote Zahlen, doch hohe Wachstums- und Nutzerzahlen locken die Investoren an wie Motten das Licht. Denn je mehr Nutzer eine Internet-Firma auf ihrer digitalen Plattform zusammenbringt, desto lukrativer wird diese Firma für die werbetreibende Wirtschaft. Plattform-Ökonomie heißt diese Form der digitalen Wirtschaft, und vor allem Amerikaner haben bewiesen, dass sie Weltmeister sind im Entwickeln von Geschäftsmodellen, die einfach nur eine Internet-Plattform zur Verfügung stellen und damit jede Menge Dollars generieren.

Der Kunde hat die Arbeit

Der Charme dieser Ökonomie liegt darin, dass man selbst nicht viel dazu tun muss, um viele Dollars zu verdienen. Und, wenn man eine gute Idee hat, damit zum Global Player aufzusteigen. Man braucht im Grunde nur viele Server, um eine schnell wachsende Zahl an Nutzern reibungslos bedienen zu können, etwas Software – und eine gute Idee eben. Und zwar eine, die möglichst keine Arbeit macht. Denn die Arbeit sollen die Kunden erledigen – und möglichst noch dafür zahlen. Continue reading „Die sieben Spinnen im Internetz“

Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Herrn Draghi

Foto: dreimirk30 / pixelio.de
Foto: dreimirk30 / pixelio.de

Die ultralockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank alimentiert nicht nur reformunwillige Staaten, sondern ist auch eine gigantische Umverteilung von unten nach oben.

 

 

 

 

US-Notenbankchefin Janet Yellen hat kürzlich die Finanzmärkte mit deutlichen Worten auf bald steigende Zinsen eingestimmt. Ein solcher Schritt nach oben sei unter gewissen Bedingungen auf einer der nächsten Sitzungen „wahrscheinlich angebracht“, sagte Yellen vor dem Bankenausschuss des US-Senats. Es sei aus ihrer Sicht unklug, die Straffung zu lange hinauszuzögern.

Die nächste Fed-Sitzung steht im März an. Experten erwarten aber, dass die Notenbank bis Juni mit einer Erhöhung wartet. Dann lassen sich die Auswirkungen der Haushaltspolitik des neuen US-Präsidenten Donald Trump auf die Wirtschaft besser abschätzen. Der indes ärgert sich darüber, dass Yellen den Dollar stärkt. So hat er sich jüngst im „Wall Street Journal“ darüber beklagt, dass der Wechselkurs des Dollars zu hoch sei: „Unsere Unternehmen können mit ihnen momentan nicht konkurrieren, weil unsere Währung zu stark ist. Und das bringt uns um.“

Klar, dass Trump die kompetente und selbstbewusste Chefin der US-Notenbank eher heute als morgen loswerden will. Aber er kann sie nicht feuern – sie ist von seinem Amtsvorgänger Barack Obama ernannt. Die Fed ist unabhängig und nicht weisungsgebunden, Yellens Amtszeit läuft erst im Februar 2018 ab. Und bis dahin lässt sie sich nicht von einem Populisten im Weißen Haus in ihr Handwerk hineinpfuschen.

Gut so. Denn sie hat erkannt, dass dauerhafte Nullzinsen nicht unbedingt die Wirtschaft stimulieren, sondern im Gegenteil äußerst giftig sein können, weil sie die falschen Anreize schaffen. Null Zinsen und massenhaft Liquidität geben eben nicht dauerhaft einen konjunkturellen Impuls, sondern subventionieren Kreditnehmer, die am Markt eigentlich nicht mehr bestehen könnten – in einer Studie der Deutschen Bank werden die als Zombies bezeichnet.

Weshalb erzähle ich diese alten Kamellen? Weil sie einem Italiener auf der anderen Seite des Atlantiks, auf unserer Seite, schwer zu denken geben müssten – dem Chef der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi. Der macht bekanntlich seit Monaten nichts anderes, als mit dem Kauf von Anleihen massenhaft Liquidität in die Märkte zu pumpen. Vorgeblich, um die Banken mit Geld und damit die Wirtschaft mit günstigen Krediten zu versorgen, um die Wirtschaft in Euroland anzukurbeln.

Futter für Populisten

Aber langsam muss er sich überlegen, wie lange er noch diese aberwitzige Liquiditätschwemme durchhalten kann. Denn je mehr die Fed zur geldpolitischen Normalität zurückkehrt, sprich die Zinsen in kleinen Schritten anhebt, desto größer wird das Zinsgefälle zwischen den USA und der Europäischen Währungsunion. Das aber wertet tendenziell den Dollar weiter auf – und gibt Populisten in Washington Argumente in die Hand, einen – von Europa entfachten und angeblich unfairen – Handels- und Währungskrieg zu beklagen.

Hinzu kommt, dass dem Chef der EZB ein weiteres Argument für seine irrwitzige Politik der maßlosen Geldflut abhanden gekommen ist: Es gibt in Europa schlicht und ergreifend keine Deflation. Dieses Gespenst musste oft als Begründung für die ultralockere Geldpolitik der EZB herhalten. Indes: Eine Gefahr der Deflation hat in Europa nie bestanden – auch wenn die Inflationsraten in Euroland teilweise gegen Null tendierten. Nun aber neigen die Inflationsraten zu den – von der EZB als Idealzustand angestrebten – knapp zwei Prozent. Warum also immer noch diese aberwitzige Geldflut für Euroland? Continue reading „Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Herrn Draghi“

Surfen in der Bahn

Foto: Peter von Bechen / pixelio.de
Foto: Peter von Bechen / pixelio.de

 

Ja, es stimmt wohl: Wer im Alltag auf den Regionalverkehr der Deutschen Bahn angewiesen ist, hat ein schweres Los. Wer allerdings, so wie ich, nur gelegentlich im ICE durch die Republik kutschiert, wird ab und zu angenehm überrascht.

Denn in allen ICE’s, sowohl 1. als auch 2. Klasse, gibt es auf vielen Strecken kostenloses WLan. Und das funktioniert sogar. Einfach auf dem Smartphone, Tablet oder Notebook das WLAN-Netz „WIFIonICE“ auswählen, einen Browser öffnen, per Klick die Teilnahmebedingungen akzeptieren und lossurfen. „WLAN im Zug ist für viele Kunden mittlerweile so wichtig wie die Toilette“, soll der Ex-DB-Vorsitzende Rüdiger Grube mal gesagt haben.

Der Internetzugang wird über die Netze der deutschen Mobilfunkbetreiber vermittelt. Deren verfügbare Bandbreite ist begrenzt. Damit jeder einen Anteil nutzen kann, wird das frei verfügbare Datenvolumen beschränkt. Die DB hält sich nach wochenlangem Testbetrieb an die Faustregel: Für 80 Prozent der Fahrgäste ist das Volumen von 200 MB ausreichend. Kunden sollten unnötige Datennutzung wie etwa das Streamen von langen Videos möglichst vermeiden und automatische Downloads ausschalten. Damit reicht die Bandbreite zum Mailen, Chatten und Surfen.

Die Schnelligkeit der Verbindung ist natürlich davon abhängig, wie viele Fahrgäste zugleich das WLAN nutzen – und welche Bandbreite sie dabei in Anspruch nehmen. Deshalb hat die DB das Datenvolumen in der 2. Klasse auf 200 MB limitiert. Wenn jeder haushält, sind alle schneller unterwegs. Ein weiterer Grund für Schwankungen: Der Zug verfügt nicht über einen Kabelanschluss ins Internet wie ein Internet-Cafe oder die Privatwohnung mit seinem stabilen Datenfluss. Wenn man so will, ist jeder ICE ein riesiges Mobiltelefon. Antennen fangen die Signale der umliegenden Mobilfunkmasten ein. In einem zentralen Server im Zug stecken tatsächlich bis zu sechs handelsübliche SIM-Karten.

Dort wird der Datenstrom weiter verteilt auf zwei sogenannte Access Points pro Wagen, die vergleichbar sind mit dem WLAN-Router daheim. Mit einem dieser Zugangspunkte verbindet sich das Endgerät des Fahrgasts. Die Qualität der Internetverbindung hängt also davon ab, wie gut der Gesamtempfang des ICE ist. Und das ist nicht trivial. Denn bei Tempo 250 hat ein Zug oft nur zehn bis 60 Sekunden Kontakt zu einem bestimmen Sendemast – dann reißt die Verbindung wieder ab. Dazwischen muss natürlich schon die Verbindung zum nächsten Mast aufgebaut werden – seamless roaming nennen Techniker das, das nahtlose Weiterreichen an den nächsten Provider, ohne dass der Benutzer etwas davon merkt.

Ein Telekommunikationsanbieter allein kann dies nicht leisten, hat die bisherige Erfahrung gezeigt. Deshalb hat die DB nun Verträge mit drei Anbietern geschlossen: Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica (O2, E-Plus). Das schließt die meisten Lücken und hat einen weiteren Vorteil: Auf vielen Streckenabschnitten sind Signale von allen drei Anbietern empfangbar – die Bandbreite addiert sich dann auf einen höheren Wert.

Die technischen Informationen zu diesem Angebot kann man viel besser hier nachlesen. Ich habe jedenfalls kürzlich eine angenehme Rückfahrt von Tutzing nach Siegburg genutzt, um mir auf meinem Tablet den Spielfilm-Klassiker Notting Hill anzugucken. Streifenfrei und ohne Unterbrechungen, vermutlich auch, weil es ein Sonntagnachmittag war und der Zug entsprechend mäßig besetzt.

Börsenboom – trotz oder wegen Trump?

Foto: O. Fischer / pixelio.de
Foto: O. Fischer / pixelio.de

Historisches an der New Yorker Börse: Der Dow Jones Industrial Index hat erstmals die Marke von 20 000 Punkten übersprungen. Ist das wirklich ein Verdienst von Donald Trump? Ich habe da so meine Zweifel.

 

 

 

Für die meisten Beobachter ist es völlig klar, woher die ausgelassene Stimmung an der Wall Street kommt: Es ist die Hoffnung, dass der neue US-Präsident Donald Trump der US-Konjunktur neue Impulse gibt. Trumps erste Schritte als US-Präsident hätten vieles bestätigt, was sich Investoren erhofft hätten, heißt es allenthalben.

Der neue Präsident gibt sich schon in den ersten Tagen seiner Amtszeit extrem unternehmens- und wirtschaftsfreundlich. So hat er zwei bereits tot geglaubte Ölpipeline-Projekte reaktiviert, er will Regulierungen im Energie- und Finanzsektor abschaffen, und – das hören Amerikaner besonders gerne – sowohl die Einkommens- als auch die Körperschaftssteuer massiv senken.

And the winner is… Goldman Sachs!

Auch seine Personalpolitik lässt Börsianer jubeln: So ist der Vizechef von Goldman Sachs, Gary Cohn, als Wirtschaftsberater ins Regierungslager gewechselt, was der Goldman-Aktie ein sattes Plus von über 30 Prozent eingebracht hat. Und überhaupt, die Banken: Die hoffen, dass Trumps Regierung sie von lästigen Vorschriften und Regulierungen befreit. So hat der künftige Finanzminister Steven Mnuchin bereits angekündigt, die nach der Finanzkrise 2008 beschlossenen Maßnahmen zu überprüfen und möglicherweise zurückzufahren.

Kurzum: Wenn es denn wahr ist, dass an der Börse die Zukunft gehandelt wird, dann scheinen amerikanische Anleger eine besonders rosige Zukunft vor Augen zu haben. Sie wollen ihrem Präsidenten glauben, der versprochen hat, nicht nur die Steuern zu senken, sondern auch für vier Prozent Wachstum jährlich zu sorgen, 25 Millionen neuer Arbeitsplätze zu schaffen und nebenbei die Staatsverschuldung zu reduzieren. Continue reading „Börsenboom – trotz oder wegen Trump?“

Trumps fantastische Jobmärchen

unspecifiedDer neue US-Präsident will in einer Dekade 25 Millionen neue Jobs schaffen. Das ist ambitioniert, aber machbar. Nur nicht mit den Methoden eines Donald Trump, behaupte ich.

 

Endlich kann man einmal nachlesen, was US-Präsident Donald Trump wirklich plant, um die Wirtschaft der USA anzukurbeln: Auf der offiziellen Webseite des Weißen Hauses ist seit kurzem der Aufsatz „Bringing Back Jobs And Growth“ zu lesen, jawohl, alles mit großen Anfangsbuchstaben geschrieben. Darin beklagen Trumps Berater, dass seit der Finanzkrise 2008 nahezu 300 000 industrielle Arbeitsplätze verschwunden sind, sich die Staatsschulden verdoppelt haben – und dass die Mittelklasse schrumpft.

Unbenannt

 

Der neue Held der Mittelklasse will das umkehren, die Wirtschaft wieder „in die Spur bringen“, das Wachstum der Wirtschaft auf eine Jahresrate von vier Prozent hochschrauben und 25 Millionen neue Arbeitsplätze innerhalb der nächsten Dekade schaffen. Interessant ist an diesem Aufsatz nicht nur, was drinsteht, sondern auch, was nicht.

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T wie Trauerspiel – 20 Jahre Telekom-Aktie

Foto: Erich Westendarp/pixelio.de
Foto: Erich Westendarp/pixelio.de
Am 18. November 1996 ging die Deutsche Telekom an die Börse – was erst einen Boom auslöste, dann aber gründlich daneben ging.

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Keine Torte, keine Kerzen, keine Reden – und eine Flasche Sekt hat wohl auch keiner aufgemacht, als die T-Aktie am Freitag (18.11.2016) ihren 20. Geburtstag hatte. Der damalige Finanzminister Theo Waigel wollte möglichst viel Geld für die erste Tranche des ehemaligen Staatsunternehmens einnehmen, deshalb durfte der Börsengang kein Flop werden. Und der damalige Telekom-Chef Ron Sommer setzte den Auftrag um: In einer beispiellosen Werbekampagne wurde das Papier als wahre Volksaktie angepriesen.

Dem Trommelfeuer der Radio- und TV-Werbespots konnte sich damals keiner entziehen. Gallionsfigur der Kampagne war der Ex-DDR-Schauspieler Manfred Krug, der nach der Wende auch dem westlichen Publikum in einer Fernsehserie als sympathischer Rechtsanwalt Liebling ans Herz gewachsen war. Seinem treuherzigen Slogan „die Telekom geht an die Börse – und ich gehe mit“ musste man einfach Vertrauen schenken.

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