Was tun gegen die Plastik-Pest?

Gili Islands, Lombok, Indonesien (Foto: Brian Yurasits @brian_yuri)

Plastik ist bei uns mittlerweile schwer in Verruf gekommen – spätestens seit den Meldungen über vermüllte Ozeane und Mikroplastik im Trinkwasser beginnen viele Menschen nachzudenken über ein Produkt, das die Natur nur sehr schwer abbauen kann. Trotzdem steigt die globale Produktion von Plastik immer noch. Allein die USA planen, ihre Plastikproduktion in den nächsten Jahren um 30 Prozent zu steigern. Weil 99 Prozent allen Plastiks aus fossilen Brennstoffen wie Öl, Gas und Kohle hergestellt werden, sind die klimaschädlichen Emissionen entlang des Lebenszyklus von Plastik enorm.

Um der Plastikflut Einhalt zu gebieten, konzentrieren sich aktuelle Bestrebungen vor allem auf die Abfallwirtschaft und die Konsumenten. Die Plastikhersteller ducken sich weg und sind froh, dass die Verantwortung für die Plastikkrise den Verbrauchern und der Entsorgungswirtschaft zugeschoben wird. Das Meinungsforschungsinsitut Forsa hat im Auftrag der Heinrich-Böll-Stiftung eine repräsentative Befragung zur Regulierung der Plastikproduktion und des Plastikverbrauchs durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen: Bei der Frage, ob die Politik die Plastikkrise stärker bekämpfen soll, haben die Deutschen eine klare Haltung: Sie wünschen sich deutlich mehr Regulierung.

Solange der täglich anfallende Müll nur sauber getrennt wird, glauben die Deutschen, dass sich am Konsumverhalten nichts ändern muss. Die Wahrheit ist: Ein Großteil des Plastikmülls landet in Öfen oder in der Umwelt. Nur rund 14 Prozent des weggeworfenen Kunststoffs wird heute recycelt, wobei es sich überwiegend um ein Downcycling zu minderwertigen Produkten handelt. Weitere 40 Prozent enden auf Mülldeponien und 14 Prozent in Verbrennungsanlagen. Die restlichen 32 Prozent gehen in die Umwelt, auf Mülldeponien, in Meere und andere Gewässer. Oder sie werden unkontrolliert verbrannt.

Offiziell sind die Recyclingquoten in Deutschland relativ hoch. Im Jahr 2016 lagen sie bei 45 Prozent. Sie täuschen jedoch darüber hinweg, dass sie sich nur auf die Anlieferung bei einem Recyclingunternehmen, nicht aber auf den wirklich recycelten Output beziehen. Fachleute schätzen, dass bei uns tatsächlich nur knapp 16 Prozent zu Rezyclat verarbeitet werden. 7,8 Prozent sind mit Neukunststoff vergleichbar. Hersteller nutzen für ihre Produkte lieber neuwertigen Kunststoff als minderwertiges Rezyclat. Der niedrige Preis für Neukunststoff und das teure Sortieren und Aufarbeiten von Gebrauchtkunststoff hat in Europa dazu geführt, dass ein Großteil des Plastikmülls nach Übersee verschifft wird. Seit China keine ausländischen Kunststoffabfälle mehr annimmt, verwandelt sich vor allem Malaysia in eine gigantische Plastikmülldeponie.

Bild: Heinrich-Böll-Stiftung

All das, aber auch Berichte über Zero-Waste-Strategien findet man im so genannten „Plastikatlas 2019“ der Heinrich-Böll-Stiftung, den man im Epub- oder pdf-Format herunterladen oder als 60seitige gedruckte Broschüre bestellen kann. Die parteinahe Stiftung der Grünen bringt immer mal wieder Fakten und Statistische Daten zu Wirtschafts- und Umweltthemen heraus, auf der Webseite der Stiftung finden sich auch Atlanten zu den Themen Meer, Fleisch, Energie, Agrarwirtschaft, Kohle und Konzerne.

 

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