SEO’s – die Medizinmänner des 21. Jahrhunderts

titelDer Wettlauf ist fast so alt wie das World Wide Web selbst: Seit Mitte der 1990er Jahre sind die Betreiber von Webseiten bemüht, ihre Webpräsenz für Suchmaschinen zu optimieren. In den Anfängen reichte es aus, die URL der entsprechenden Seite an die verschiedenen Suchmaschinen zu senden, die dann einen Crawler zur Analyse der Seite schickten und diese indexierten. Die Seitenbetreiber erkannten recht schnell, dass es sehr von Vorteil war, wenn die eigene Webseite weit oben in der Trefferliste der Suchmaschinen erscheint. Ein neuer Geschäftszweig war geboren: Viele Unternehmen tummeln sich inzwischen auf dem SEO-Feld (search engine optimization), die versprechen, die Seite des Kunden gegen Bares nach oben zu hieven. Weil aber die die Bewertungsalgorithmen von Google und Co. überhaupt nicht bekannt sind, gleicht das SEO-Geschäft einer Art Vodoo-Zauber – man könnte genauso gut würfeln, Karten legen oder in die Glaskugel gucken. Deshalb nenne ich diese Wichtigtuer „moderne Medizinmänner“.

Continue reading „SEO’s – die Medizinmänner des 21. Jahrhunderts“

Journaille im Google-Zeitalter

jorurnimgooglezeitalterSechs Mal hat stern.de im Verlauf weniger Stunden die Überschrift zu einer Geschichte geringfügig geändert – und sechs Mal erschien die ansonsten völlig unveränderte Geschichte bei Google ganz oben. Das ist bares Geld wert, denn bekanntlich wird nur der angeklickt, der bei Google ganz oben steht, und nur wer viele Klicks generiert, kann sich ein paar Mäuse mit Online-Werbung dazuverdienen. Kein Wunder, dass sich im Google-Zeitalter eine völlig neue Berufsgruppe etabliert hat: Die Search Engine Optimizer oder SEO’s, zu deutsch Suchmaschinenoptimierer. Nicht alle Nachrichtenportale machen diesen Unsinn mit, aber viele. Die freie Journalistin K. Antonia Schäfer hat dazu im DJV-Organ „journalist“ einen klugen Artikel geschrieben. Witzigerweise scheint das Kriterium Schnelligkeit im Online-Journalismus eher hinderlich zu sein. Denn wer mit einer Story zu früh auf dem Markt ist, wird nicht geklickt, weil sich die Geschichte in der Netzgemeinde noch nicht herumgesprochen hat und infolgedessen auch noch nicht gegoogelt wird. Wenn dann der Klicksturm einsetzt, ist die Ursprungsgeschichte womöglich schon weit nach unten gerutscht. Das „republishing“ scheint da erfolgversprechender zu sein. Ich würde mich allerdings verarscht fühlen, wenn ich sechs mal auf eine Nachrichtenseite gelockt werde, nur um festzustellen, dass ich wortwörtlich die gleiche Story aufgetischt bekomme wie vor acht Stunden.

Das Smartphone – der Spion in der Tasche

Smartphones boomen. Sie sind mobile Kommunikationszentrale, Statussymbol, Photoalbum und Musiksammlung. matthiasKurz: Sie sind große Datenspeicher mit ständiger Internetverbindung. Das macht die Spaßgeräte zum Angriffsziel. Nachdem ich die Geschichte meines Kollegen Matthias von Hein gelesen habe, überlege ich mir, ob mein nächstes Handy ein Android-Bolide sein muss, oder ob man nicht doch neidisch auf jene Zeitgenossen gucken sollte, deren Handys einfach nur zum Telefonieren da sind und die eher an einen Faustkeil aus der Steinzeit erinnern.

Barcelonas alte Messe

Blick ins Media Centre Zum ersten mal in meinem Leben habe ich mir die Handymesse in Barcelona angeschaut, die sich Mobile World Congress nennt und die der CeBIT den ganzen Bereich der mobilen Kommunikation abknabbert. 1 300 Aussteller, 60 000 Besucher, kein Hotelbett mehr frei in dieser Zeit. Hier ein Blick ins Pressezentrum, das für 200 Leute ausgelegt und von ca. 600 Journalisten umlagert war. Gut, dass ich Barcelona schon kenne, denn von der Stadt habe ich nichts gesehen. Aber geschrieben. Zum Beispiel über Googles Smartphone-Betriebssystem Android oder die Frage, wie man sich vor Viren, Würmern und Trojanern auf dem Smartphone schützt. Eine Bildergalerie und diverse Audios, auch über den Datenklau bei Smartphones, gibt es natürlich auch.
Die alte Messe in Barcelona wurde 1929 zur Weltausstellung gebaut und platzt aus allen Nähten. Es gibt Gerüchte, dass im nächsten Jahr die Münchener Messe der Ausrichter sein wird. Darüber wird der Veranstalter, die GSMA (Global Standard for Mobile Communication Association, ein Zusammenschluss von ca. 130 Mobilfunk-Betreibern) entscheiden. Egal, wer die nächste Messe ausrichtet – er wird eine Menge an die GSMA löhnen müssen. Andererseits machen Hotels, Gastronomie und Taxifahrer ihren Schnitt. Mein Zimmer hat von Sonntag auf Montag 85 Euro gekostet (da war noch keine Messe), an den nächsten beiden Tagen 222 Euro pro Nacht. Zwischen Bett und Wand waren 30 Zentimeter Abstand – aber dafür war das Bad fast so groß wie das Zimmer.