Folgende Meldung geisterte heute durch die Agenturen: “Die Kunden, die sich ein neues Auto leisten, werden immer älter. Mittlerweile beträgt das Durchschnittsalter des deutschen Neuwagenkäufers 50,8 Jahre. “Die Tendenz ist seit einigen Jahren steigend”, sagte Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer zu den Ergebnissen einer neuen Studie seines Forschungsinstituts an der Universität Duisburg-Essen. Die Marke mit den ältesten Kunden ist demnach Jaguar mit einem Durchschnittsalter von 56,5 Jahren. An zweiter Stelle folgen Mercedes-Modelle, deren Käufer im Schnitt 56,1 Jahre alt sind.”
Völlig klar: Auch der Automarkt ist nur ein Spiegel unserer alternden Gesellschaft. Und ich muss zugeben: Nachdem unser Twingo mit neun Jahren noch gerade einmal den TÜV bestanden hat, sehen wir uns nach einer Alternative um. Zum Beispiel in der Mercedes A-Klasse. Womit ich das Durchschnittsalter von Mercedes-Käüfern vermutlich um 0.01 Jahre erhöhen würde. Das Äußere der A-Klasse erinnert an einen aufgepumpten Twingo, das Einsteigen wird einem durch die erhöhten Sitze altersgerecht erleichtert, und die erhöhte Sitzposition mit der guten Rundumsicht erinnert mich an die Zeiten, in denen ich als Student in den Semesterferien für einen Bonner Teppichhändler Perserteppiche in einem Ford Transit ausgeliefert habe.

Nun kaufe ich nicht alle Nase lang ein neues Auto - und deshalb habe ich eigentlich zum ersten Mal am eigenen Leib erfahren, wozu das Internet wirklich gut ist. Die Mechanismen der Marktwirtschaft sind seit Anno Pief hinreichend beschrieben. Eines dieser Gesetze lautet: Angebot und Nachfrage regeln den Preis. Das ist zwar richtig und hat ganze Heerscharen von Volkswirten zu Theorien und okonometrischen Modellen animiert. Doch diese Modelle setzten meistens voraus, dass bei den Verbrauchern Preistransparenz gegeben ist - eine völlig unrealistische Annahme. Vor den Zeiten des Internets hat es nie auch nur eine annähernde Waffengleichheit bei Anbietern und Verbrauchern gegeben,
Die Unternehmer wussten immer besser bescheid, wie sie ihre Kunden bescheißen konnten. Im Jahr 1905 zählte das damalige Reichsamt des Inneren 385 Kartelle über Preis- und Mengenabsprachen, die über 12.000 Betriebe umfassten. Da ging es nicht nur um Preise und Produktionsquoten, sondern auch um Absprachen über Absatzgebiete, Rabatte und Exporte. Nach dem ersten Weltkrieg schwoll die Zahl der wettbewerbsbeschränkenden Absprachen sogar auf über 3.500 an - Deutschland war das Kartellparadies schlechthin. Erst 1957 wurden hierzulande - gegen den beträchtlichen Widerstand der Industrie - Kartellgesetze eingeführt.
Doch das ist Schnee von gestern. Seit es Internet-Portale wie autoscout24.de oder mobile.de gibt, ist die Preistransparenz, zumindest für Gebrauchtwagen, annäherend gegeben. Neun von zehn in Deutschland angebotenen Gebrauchtwagen werden mittlerweile im Internet angeboten, ergab eine vom IT-Branchenverband Bitkom veröffentlichte Studie des CAR-Instituts der Universität Duisburg-Essen. Das heißt: Wer über eine komfortable Suchmaske das Modell seiner Wahl genau genug eingrenzt, bekommt ein umfassendes Angebot und eine sehr realistische Preisskala. Da haben Raubritter des alten Schlages kaum noch Chancen. Und das ist doch ein Fortschritt, oder?
Tags: Kartelle, Marktwirtschaft, Preistransparenz
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