Über die Love-Parade und die Katastrophe in Duisburg wollte ich mich eigentlich nicht äußern, obwohl die ganze Sache schon etwas mit Medien, Märkten, Moneten, Managern und Ethik zu tun hat. Doch dann habe ich gelesen, dass sich die unsägliche Ex-Tagesschau-Sprechein Eva Hermann in ihrem Blog über die Tragödie ausgelassen hat. Hermanns Vermutung: Beim Loveparade-Unglück am Wochenende waren “ganz andere Mächte“ am Werk, die der “Sex- und Drogenorgie Loveparade” ein Ende setzen wollten. Die Loveparade sei zu einem “Sodom und Gomorrha mit katrastrophalen Folgen” geworden, schreibt sie in ihrem Blog auf der Website des Kopp-Verlages. Aus Hermanns Sicht steht die Loveparade für den “kulturellen und geistigen Absturz einer ganzen Gesellschaft”. Sie macht für die “unheilvollen Auswüchse” die Achtundsechziger verantwortlich. “Das amtliche Ende der ’geilsten Party der Welt‘ dürfte mit dem gestrigen Tag besiegelt worden sein! Eventuell haben hier ja auch ganz andere Mächte mit eingegriffen, um dem schamlosen Treiben endlich ein Ende zu setzen.”
Uff. 1968 war die Schnepfe gerade mal zehn Jahre alt, sie weiß vermutlich nicht, worüber sie schwafelt. Man kann das Ganze eigentlich nur als dummdreiste Unterstellung werten. Ich als Spät-Achtundsechziger fühle mich jedenfalls nicht für die Love-Parade verantwortlich, deren Erfinder vermutlich 20 Jahre nach 1968 geboren wurden. Perfide wird die Frau allerdings, wenn sie höhere Mächte ins Spiel bringt, die die gerechte Strafe für Sodom und Gomorrha erteilt haben. Damit macht sie nicht nur die Opfer zu Tätern, sondern gibt den Verantwortlichen in Duisburg noch eine General-Absolution. Nicht hoffnungslos überforderte Provinzpolitiker waren schuld, sondern “ganz andere Mächte”. Da kann sich ja der Staatsanwalt seine Arbeit sparen. Mann, auf so eine aberwitzige Idee muss man erst einmal kommen!
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