Qual der Wahl

Geschrieben von rolf am 2. September 2010 | Abgelegt unter Medien, Moneten, Märkte, Web 2.0

Seit Wochen liegt mir meine Frau in den Ohren, wir sollten doch den Stromanbieter wechseln, da könne man sich reich sparen. Na ja, nicht ganz, aber 300 bis 400 Euro auf’s Jahr gerechnet wären schon drin, meint sie. Also habe ich mal einen der reichlich im Internet vorhandenen Vergleichsrechner angeworfen, und da kamen immerhin Preisdifferenzen von bis zu 255 Euro raus. Allerdings waren einige Haken dabei: Da wurde zum Beispiel ein Neukundenrabatt eingerechnet, der erst nach zwölf Monaten gutgeschrieben wird, während die Preisgarantie (Das Versprechen, den Preis nicht zu erhöhen) zum 31. 12. 2010 ausläuft.

Foto: Kurt Michel / pixelio.de
Foto: Kurt Michel / pixelio.de

Aus der unendlichen Vielfalt der Angebote habe ich mir dann einen kleinen Krauter aus Magdeburg herausgesucht, der zwar nur eine Ersparnis von 70 Euro im Jahr bringt, dafür aber 100 Prozent Ökostrom garantiert. Der Wechsel war in fünf Minuten online erledigt, der neue Anbieter kümmert sich um die Kündigung beim alten Versorger. Wenn sich der als schlechter Verlierer erweist, muss ich schlimmstenfalls noch einmal separat mit Unterschrift kündigen.
Das mit der Preistransparenz für die Verbraucher scheint im Strommarkt nur in Ansätzen vorhanden zu sein: es gibt zu viele Häkchen, Fußnoten und Sternchen mit versteckten Klauseln. Und das mit der kognitiven Dissonanz funktioniert deshalb auch nicht so richtig. Ich bin viel zu unsicher, um mein neues Baby mit Zähnen und Klauen zu verteidigen. Einziger Fortschritt: Ich habe bald 100prozentigen Ökostrom. Ob der grün ist, wenn er aus der Steckdose kommt?

Kognitive Dissonanz

Geschrieben von rolf am 31. August 2010 | Abgelegt unter Moneten, Märkte

Was ich vor einigen Tagen über die Preistransparenz der Verbraucher geschrieben habe, ist zwar ganz nett, muss aber auch irgendwann zu einem konkreten Nutzen führen. Und den habe ich gehabt, bilde ich mir ein. Die Fahrzeuge, die ich im Auge hatte, sollten alle so um die 17.000 Euro kosten. Wenn man genug Zeit hat, kann man zwischen drei Händlern herumtitschen und sie mit dem jeweiligen Angebot des anderen konfrontieren, was locker eine Ersparnis von 3000 Euro bringt. Und das, obwohl mir meine Frau nach Aufenthalten in Tunesien, Ägypten und der Türkei bescheinigt hat, dass ich überhaupt kein Talent zum Handeln im Sinne von Feilschen hätte. Den ganzen Beitrag lesen »

Nur noch fünf Jahre

Geschrieben von rolf am 28. August 2010 | Abgelegt unter Medien, Netzkultur, Web 2.0, Zettelkasten

New York im September 2000: Beim Millenniumsgipfel der Vereinten Nationen ruft UN-Generalsekretär Kofi Annan zum gemeinsamen Kampf gegen Armut auf. Die Internationale Gemeinschaft folgt dem Appell, beschließt einen konkreten Maßnahmenkatalog bis 2015. Es ist die offizielle Geburtsstunde der acht Millenniumsziele – die in Deutschland allerdings kaum jemand kennt. Erst wenn man das erste und wichtigste der acht Ziele nennt, nämlich die Zahl der Armen in der Welt zu halbieren, macht es bei den meisten Menschen Klick: “Da war doch was?”

Ich glaube nicht, dass diese Ziele erreicht werden können, zumal schon zwei Drittel der Zeit verronnen sind. Die größten Fortschritte sind meines Wissens in der Armutsbekämpfung erzielt worden, allerdings regional sehr unterschiedlich. Asien hat die größten Fortschritte gemacht. Insbesondere China hat es geschafft, rund 300 Millionen Menschen aus der Armut in Lohn und Brot zu bringen - laut Weltbank sogar 600 Millionen innerhalb der letzten 25 Jahre. Ich darf das sagen – meine Kollegin Danhong Zhang darf das im Deutschen Fernsehen aber noch lange nicht. Da fällt sofort die selbsternannte Achse des Guten über sie her und bezichtigt sie, die fünfte Kolonne der KP Chinas in Deutschland zu sein.


Wie dem auch sei, wer sich näher über die Millennium Development Goals oder auch kurz MDG’s informieren möchte, dem sei ein Special von DW-World empfohlen. Die Seite “Countdown für eine bessere Welt” ist toll aufgemacht und im besten Sinne multimedial. Da steckt sehr viel Arbeit und Mühe drin.
Sehr gut aufgemacht und informativ ist auch die Seite der deutschen Millenniumskampagne.


Wer sich lieber beim Original informieren will, sollte sich die offizielle MDG-Seite der Vereinten Nationen anschauen.

Das Ende

Geschrieben von rolf am 25. August 2010 | Abgelegt unter Netzkultur


Hier ist das Ende des Internets.

Wie sich die Atomkraft-Lobby das Web-2.0 vorstellt

Geschrieben von rolf am 24. August 2010 | Abgelegt unter Medien, Moneten, Märkte, Netzkultur, Web 2.0

Auf der Webseite, die Gabi Frank vorgestellt hat, gibt es nur einen Button: Zustimmen oder mit Grauen abwenden. Die Zahl der Zustimmungen liegt deutlich unter der Zahl der Beschäftigten der vier Energieriesen E.ON, EnBW, RWE und Vattenfall Europe, die Deutschland beherrschen. Wahrscheinlich wurden sie noch nicht zur Zwangsabstimmung genötigt. Aber was nicht ist, kann ja noch werden, oder?

Social Web heißt: Mehr Demokratie wagen

Geschrieben von Gabi Frank am 24. August 2010 | Abgelegt unter Web 2.0

- ein Tipp für die Betreiber und Lobbyisten von Atomkraftwerken

Heute notiert der W&V Newsletter einen Störfall auf der brandneuen Website des Atomkraft-Bündnisses energiezukunft-fuer-deutschland.info folgendermaßen: “Ein Facebook-Link auf der Website listet zwar über 400 Social-Media-Sympathisanten auf, der Like-Button führt aber nicht zu Facebook, sondern wieder zurück zur Kampagnen-Website - eine Navigation, die hoffen lässt, dass es in deutschen Kernkraftwerken strukturierter zugeht.“

 

Das Problem wurde zwar mittlerweile behoben, aber auch ich kann mir einen Optimierungsvorschlag nicht verkneifen.

 

Nach fünf Statements a la “Realistisch bleiben: Deutschland braucht weiter Kernenergie und Kohle“ kann ein “Ich-stimme-zu-Button” aktiviert werden. Mit einem zusätzlichen “Nein-ich stimme-nicht-zu”-Button könnte sicherlich der Traffic der Website deutlich erhöht werden - und die Betreiber des Bündnisses könnten zu wirklich realistischen Einschätzungen kommen.

Immer noch Entwicklungsland

Geschrieben von rolf am 20. August 2010 | Abgelegt unter Netzkultur, Web 2.0

Seit mindestens zehn Jahren geistert das Wort E-Government durch die IT-Landschaft. Der Bund versteht unter “eGovernment” die “Nutzung elektronischer Informations- und Kommunikations-Technik (insbesondere des Internets) zur Einbeziehung des Kunden (Bürger, Unternehmen, andere Behörden, …) in das Handeln von Regierung und öffentlicher Verwaltung”. Doch da scheint Deutschland immer noch ein Entwicklungsland zu sein, wie folgende Pressemitteilung der IT-Bertungsfirma Steria Mummert Consulting zeigt:

“Acht von zehn Mitarbeitern öffentlicher Verwaltungen gehen davon aus, dass sich mit Social Media Angeboten die Bürgerbeteiligung und Servicequalität in deutschen Behörden verbessern werden. Allerdings besteht bei der Zahl der Angebote im
internationalen Vergleich noch erheblicher Nachholbedarf. Denn Bürgern und Unternehmen stehen hierzulande bisher deutlich weniger Online-Services zur Verfügung als anderen Europäern. Das haben Marktbeobachtungen von Steria Mummert Consulting gezeigt.

Im internationalen Vergleich schafft es Deutschland mit seinem Online-Angebot für Bürger nicht einmal unter die Top 20. Der Wunsch nach E-Partizipation steht jedoch im Raum: “Viele Bürger kritisieren,dass Entscheidungsprozesse in Politik und Verwaltung häufig zu wenig transparent sind, und haben das Gefühl, nicht mitreden zu können”, erklärt Christian Mohser von Steria Mummert Consulting.

Anregungen für erfolgreiche Web-2.0-Aktivitäten liefern vor allem skandinavische Länder. Sie kommunizieren mit den Bürgern nicht nur über Twitter, Blogs und Podcasts, sondern bieten außerdem zahlreiche Beteiligungsmöglichkeiten an. Dazu gehört die Möglichkeit, Internetpetitionen an die Gemeinde zu senden, sich bei Befragungen oder Online-Konsultationen einzubringen und Ratssitzungen im Internet zu verfolgen.”

Totale Preistransparenz?

Geschrieben von rolf am 16. August 2010 | Abgelegt unter Medien, Moneten, Märkte

Folgende Meldung geisterte heute durch die Agenturen: “Die Kunden, die sich ein neues Auto leisten, werden immer älter. Mittlerweile beträgt das Durchschnittsalter des deutschen Neuwagenkäufers 50,8 Jahre. “Die Tendenz ist seit einigen Jahren steigend”, sagte Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer zu den Ergebnissen einer neuen Studie seines Forschungsinstituts an der Universität Duisburg-Essen. Die Marke mit den ältesten Kunden ist demnach Jaguar mit einem Durchschnittsalter von 56,5 Jahren. An zweiter Stelle folgen Mercedes-Modelle, deren Käufer im Schnitt 56,1 Jahre alt sind.”

Völlig klar: Auch der Automarkt ist nur ein Spiegel unserer alternden Gesellschaft. Und ich muss zugeben: Nachdem unser Twingo mit neun Jahren noch gerade einmal den TÜV bestanden hat, sehen wir uns nach einer Alternative um. Zum Beispiel in der Mercedes A-Klasse. Womit ich das Durchschnittsalter von Mercedes-Käüfern vermutlich um 0.01 Jahre erhöhen würde. Das Äußere der A-Klasse erinnert an einen aufgepumpten Twingo, das Einsteigen wird einem durch die erhöhten Sitze altersgerecht erleichtert, und die erhöhte Sitzposition mit der guten Rundumsicht erinnert mich an die Zeiten, in denen ich als Student in den Semesterferien für einen Bonner Teppichhändler Perserteppiche in einem Ford Transit ausgeliefert habe.

Nun kaufe ich nicht alle Nase lang ein neues Auto - und deshalb habe ich eigentlich zum ersten Mal am eigenen Leib erfahren, wozu das Internet wirklich gut ist. Die Mechanismen der Marktwirtschaft sind seit Anno Pief hinreichend beschrieben. Eines dieser Gesetze lautet: Angebot und Nachfrage regeln den Preis. Das ist zwar richtig und hat ganze Heerscharen von Volkswirten zu Theorien und okonometrischen Modellen animiert. Doch diese Modelle setzten meistens voraus, dass bei den Verbrauchern Preistransparenz gegeben ist - eine völlig unrealistische Annahme. Vor den Zeiten des Internets hat es nie auch nur eine annähernde Waffengleichheit bei Anbietern und Verbrauchern gegeben,

Die Unternehmer wussten immer besser bescheid, wie sie ihre Kunden bescheißen konnten. Im Jahr 1905 zählte das damalige Reichsamt des Inneren 385 Kartelle über Preis- und Mengenabsprachen, die über 12.000 Betriebe umfassten. Da ging es nicht nur um Preise und Produktionsquoten, sondern auch um Absprachen über Absatzgebiete, Rabatte und Exporte. Nach dem ersten Weltkrieg schwoll die Zahl der wettbewerbsbeschränkenden Absprachen sogar auf über 3.500 an - Deutschland war das Kartellparadies schlechthin. Erst 1957 wurden hierzulande - gegen den beträchtlichen Widerstand der Industrie - Kartellgesetze eingeführt.

Doch das ist Schnee von gestern. Seit es Internet-Portale wie autoscout24.de oder mobile.de gibt, ist die Preistransparenz, zumindest für Gebrauchtwagen, annäherend gegeben. Neun von zehn in Deutschland angebotenen Gebrauchtwagen werden mittlerweile im Internet angeboten, ergab eine vom IT-Branchenverband Bitkom veröffentlichte Studie des CAR-Instituts der Universität Duisburg-Essen. Das heißt: Wer über eine komfortable Suchmaske das Modell seiner Wahl genau genug eingrenzt, bekommt ein umfassendes Angebot und eine sehr realistische Preisskala. Da haben Raubritter des alten Schlages kaum noch Chancen. Und das ist doch ein Fortschritt, oder?

Und noch ‘ne E-Mail

Geschrieben von rolf am 15. August 2010 | Abgelegt unter Zettelkasten

aus dem Büro Uli Kelber (SPD MdB).

Wie weit darf Meinungsfreiheit gehen?

Geschrieben von rolf am 30. Juli 2010 | Abgelegt unter Medien

Auch wenn manche Leute den Schwanz eingekniffen haben und meinen, sie müssten vor der selbst ernannten Achse des Guten, die sich anmaßt, in Deutschland zu bestimmen, was politisch korrekt ist und was nicht, einen Kotau machen, möchte ich hier aus einem Aufsatz von Roman Serdar Mendle zitieren. Er studiert an der Ruhr-Universität Bochum und hat den 1. Preis eines deutsch-chinesischen Essay-Wettbewerbs gewonnen. Wer mit dem Fall nicht vertraut ist, kann diesen Blog-Eintrag getrost überblättern.
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