Werbelyrik

Geschrieben von rolf am 30. Juni 2010 | Abgelegt unter Moneten, Märkte

Heute bekam ich einen Brief von meiner Bank:
“Sehr geehrte Kunden, Sie können darauf vertrauen, dass Ihr Konto bei uns auch zukünftig bestens auf die Anforderungen des modernen Zahlungsverkehrs vorbereitet ist. Ab dem 1. Juli bieten wir Ihnen deshalb aktualisierte und neue Kostenmodelle zu gewohnt fairen und transparenten Konditionen. Mit unseren neuen Kontomodellen profitieren Sie von einer Vielzahl von Zusatzleistungen, die Ihr Konto noch attraktiver machen.”

Schöne Werbelyrik - aber die macht mich stutzig. Und nach dem Studium der “aktualisierten und neuen Kontomodelle” konnte ich mir eine Antwort nicht verkneifen:

“Sehr geehrte Damen und Herren,

herzlichen Glückwunsch an Ihre Marketing-Abteilung. Es ist schon erstaunlich, wie es Ihren Vollprofis gelungen ist, eine Erhöhung der Kontoführungsgebühren um satte 16 Prozent (von 2,50 Euro auf 2,90 Euro) als “noch attraktiver” zu verkaufen.

Um “noch attraktiver” zu werden, hätten Sie Ihre Gebühren senken müssen. Und denjenigen, die vom Online-Banking Gebrauch machen und Ihnen eine Menge Arbeit und Kosten ersparen, hätten Sie die Gebühren ganz erlassen sollen. Das wären dann “faire und transparente Konditionen” gewesen, die Sie in Ihrem Jubelschreiben erwähnen.

Als fair und transparent hätte ich es verstanden, wenn Sie in Ihrem Flyer, der die verschiedenen Kontoarten von GiroDirect bis GiroGold aufzählt (mein Gott, was verdienen eigentlich Werbefuzzis an solch genialer Werbelyrik?), einen synoptischen Vergleich zu den alten Kontogebühren und -leistungen gegenüber gestellt hätten.

Nun werde ich also zähneknirschend Ihre Gebührenerhöhung über mich ergehen lassen, weil ich zu faul bin, mir nach 30 Jahren Geschäftsbeziehungen mit Ihnen einen anderen Partner zu suchen. Aber vielleicht werde ich ja mal fleißig…

Mit freundlichen Grüßen

Rolf Wenkel

P.S.: Bitte verständigen Sie mich rechtzeitig, wenn Sie erwägen, beim Betreten einer Ihrer Filialen eine Teppichboden-, Parkett- oder Marmorbodenabnutzungsgebühr zu erheben.
Man weiß ja nie.”

2 Kommentare zu “Werbelyrik”

  1. am 11. Juli 2010 um 19:15 1.Sophie schrieb …

    Falls du eine Antwort bekommst, bitte ich um Veröffentlichung!

    Bye the way: hat sich eigentlich Herr Knülle jemals zu deiner Hommage an seinen Heiligenschein geäußert?

  2. am 12. Juli 2010 um 12:42 2.rolf schrieb …

    Die Antwort zu veröffentlichen lohnt sich nicht. Ein Mitarbeiter der Bank hat mich eingeladen, mich “persönlich von den Vorteilen der neuen Konto-Modelle zu überzeugen”. Ich bin nicht weiter darauf eingegangen.

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