Keine Ahnung

Geschrieben von rolf am 5. Juli 2010 | Abgelegt unter Zettelkasten

Meine Töchter haben keine Ahnung. Wenigstens sagen sie das. “Ich habe mir Spaghetti gemacht, und dann, keine Ahnung, etwas Pesto dazu.” In jedem zweiten Satz behaupten sie, dass sie keine Ahnung hätten. Dabei blicken sie nach meinem Empfinden schon sehr gut durch. Alle beide gehen ihren Weg, die eine hat ihren festen Job in Berlin, die andere wird ihr Studium mit dem Master abschließen, und, “keine Ahnung, am liebsten Redakteurin bei einem deutsch-französischen Kulturkanal werden”. Früher, in den 70er Jahren, war etwas super, dann geil, später sprachen die Meister der subtilen Jugendsprache von “verschärft”, was sich aber nie auf breiter Front durchsetzte, bevor es dann krass oder megageil wurde. Heute haben die Kids eben keine Ahnung, behaupten sie. Womit sie sich eine weite Spielwiese der Diskussion eröffnen. Denn wenn man ein “keine Ahnung” dem nächsten Argument vorausschickt, ist man immer auf der richtigen Seite. Hat man ins Schwarze getroffen, gerät das “keine Ahnung” in Vergessenheit, wird man auf dem falschen Fuß erwischt, gilt eben das “keine Ahnung”. Je nun, was soll man sich darüber aufregen. Es wird keine zwei Jahre dauern, und dann macht das nächste buzzword seine Runde. Und so “strange” sich das für uns alte Knacker anhören mag: Mit etwas Phantasie können wir noch immer nachvollziehen, was die Kids eigentlich meinen. Peinlich wird’s nur, wenn die Elterngeneration versucht, diesen Sprachstil zu imitieren. Aber das machen wir nicht, gelle?

2 Kommentare zu “Keine Ahnung”

  1. am 7. Juli 2010 um 15:55 1.Charlotte schrieb …

    Stimmt, Sophie sagt das echt oft, aber ich fühle mich nicht angesprochen!!! “Strange” sage ich allerdings auch ganz gern ;-)

  2. am 11. Juli 2010 um 19:12 2.Sophie schrieb …

    Boah ey, keine Ahnung, was soll ich sagen?
    Nur eines: ich kann es nicht kontrollieren.
    Irgendein Füllwort (oder eben auch mehrere aneinandergereiht), braucht man eben.
    Im Französischen übersetze ich das gern in ein “je ne sais pas”, oder auch kurz und ganz “jugendlich”: “Chai pa!”
    Aber das funktioniert so nicht, belehrte man mich in Frankreich. Dafür habe ich da ein unkontrollierbares “fin”, kurz für “enfin” in meinem aktiven Wortschatz integriert, aber allzu oft wird daraus dann wieder ein: “Bah, chai pas, moi - fin - c’est grave quoi!”
    Ob “Keine Ahnung” im deutschen funktioniert, habe ich mich noch nie gefragt. Aber ich achte darauf, es nicht in Vorstellungsgesprächen oder bei Wortmeldungen in der Uni loszulassen, auch wenn du ganz richtig erkannt hast, was mir bisher noch gar nicht so richtig klar war: man ist immer auf der sicheren Seite mit “Keine Ahnung!”
    So schlecht kann diese niedliche kleine tournure also gar nicht sein…

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