Eva Hermans Schwachsinnstirade

Geschrieben von rolf am 26. Juli 2010 | Abgelegt unter Manager und Ethik, Medien, Moneten, Märkte

Über die Love-Parade und die Katastrophe in Duisburg wollte ich mich eigentlich nicht äußern, obwohl die ganze Sache schon etwas mit Medien, Märkten, Moneten, Managern und Ethik zu tun hat. Doch dann habe ich gelesen, dass sich die unsägliche Ex-Tagesschau-Sprechein Eva Hermann in ihrem Blog über die Tragödie ausgelassen hat. Hermanns Vermutung: Beim Loveparade-Unglück am Wochenende waren “ganz andere Mächte“ am Werk, die der “Sex- und Drogenorgie Loveparade” ein Ende setzen wollten. Die Loveparade sei zu einem “Sodom und Gomorrha mit katrastrophalen Folgen” geworden, schreibt sie in ihrem Blog auf der Website des Kopp-Verlages. Aus Hermanns Sicht steht die Loveparade für den “kulturellen und geistigen Absturz einer ganzen Gesellschaft”. Sie macht für die “unheilvollen Auswüchse” die Achtundsechziger verantwortlich. “Das amtliche Ende der ’geilsten Party der Welt‘ dürfte mit dem gestrigen Tag besiegelt worden sein! Eventuell haben hier ja auch ganz andere Mächte mit eingegriffen, um dem schamlosen Treiben endlich ein Ende zu setzen.”

Uff. 1968 war die Schnepfe gerade mal zehn Jahre alt, sie weiß vermutlich nicht, worüber sie schwafelt. Man kann das Ganze eigentlich nur als dummdreiste Unterstellung werten. Ich als Spät-Achtundsechziger fühle mich jedenfalls nicht für die Love-Parade verantwortlich, deren Erfinder vermutlich 20 Jahre nach 1968 geboren wurden. Perfide wird die Frau allerdings, wenn sie höhere Mächte ins Spiel bringt, die die gerechte Strafe für Sodom und Gomorrha erteilt haben. Damit macht sie nicht nur die Opfer zu Tätern, sondern gibt den Verantwortlichen in Duisburg noch eine General-Absolution. Nicht hoffnungslos überforderte Provinzpolitiker waren schuld, sondern “ganz andere Mächte”. Da kann sich ja der Staatsanwalt seine Arbeit sparen. Mann, auf so eine aberwitzige Idee muss man erst einmal kommen!

8 Kommentare zu “Eva Hermans Schwachsinnstirade”

  1. am 26. Juli 2010 um 21:33 1.RolfD schrieb …

    Evchen Hermann? Die deutsche Sarah Palin? Oder doch eher die Siegerin im Casting für die Rolle von “Blondie”, der Führers Schäferhündin, für eine anstehende Produktion über Liebe und Haß auf dem Obersalzberg? Man weiß es nicht so genau. Will es allerdings auch garnicht wissen. Ich darf auch mal aus ihrem Geschreibsel zitieren: “Das ohrenbetäubende, stereotype Rave-Gehämmere, das nicht mehr im Geringsten etwas mit dem einstmaligen Begriff von Musik zu tun hat, zerschmettert ihnen über zahllose Stunden Trommelfelle und Nervenkostüme. Doch das scheint den 1,4 Millionen Partygästen nichts auszumachen. Sie wussten, was sie erwartet, haben sich freiwillig dazu entschieden, hierher zu kommen. Viele Mädchen haben den Busen blank gezogen, manche sind fast völlig nackt.”

    Oh Gott! Blanke Busen und etwas, das nichts mehr mit Musik zu tun hat. Da muß ja der Blitz des HErrn einschlagen, um die Sünder zu strafen. Ich habe - vielleicht bin ich etwas bibelfester als die Dame - Formulierungen wie den “Tanz um das goldene Kalb” vermißt. Aber auf jeden Fall waren mal wieder die Achtundsechziger Schuld, wie an den Kinderfickereien (sorry, ich muß das einfach so hinschreiben) der Klerikalkatholen und überhaupt an allen negativen Dingen unserer Gesellschaft. Wie sagte ein guter Bekannter von mir mal? “Das Problem liegt daran, daß die Achtundsechziger den zweiten Weltkrieg verloren haben”

    So ist es. Wäre das nicht passiert, würden auch heute noch Massenveranstaltungen im Gleichschritt stattfinden. Frau Hermann kann sich leider nur mit alten Filmen von Leni Riefenstahl über Reichparteitage der NSDAP trösten, wo es noch gesittet und moralisch einwandfrei herging.

  2. am 26. Juli 2010 um 22:20 2.rolf schrieb …

    Genau. Bei Adolf war sowieso alles besser. Da konnten noch eine Million Fanatiker in Nürnberg aufmarschieren, ihre Augen konnten leuchten wie die Fenster eines brennenden Irrenhauses, und trotzdem brauchte man kein Sicherheitskonzept und keine Notfallpläne. Denn damals ging es halt zackig zu, nicht so wie heute. Villeicht sehnt sich Eva Braun, äh, Hermann, nach diesen guten alten Zeiten zurück…
    Dein HErr war kein Schreibfehler, das weiß ich wohl.

  3. am 26. Juli 2010 um 22:30 3.RolfD schrieb …

    Um allerdings einem meiner Lieblingsautoren die Ehre zu geben: Die Augen, die leuchten “wie die Fenster eines brennenden Irrenhauses”, diese Metapher stammt von Arno Schmidt. Er schrieb das in der Erzählung “Leviathan” (1949) über Hitlerjüngelchen, die noch kurz vor Kriegsende ihrem “Führer” treu ergeben waren. Haste Dir gut gemerkt; ich erzählte das mal vor schätzungsweise 35 Jahren.

  4. am 26. Juli 2010 um 22:56 4.rolf schrieb …

    Starke Bilder von genialen Autoren prägen sich halt ein. Hat unsere Eva noch kein Buch geschrieben? Das müsste dann für 95 Cent auf dem Grabbeltisch zu finden sein…

  5. am 27. Juli 2010 um 01:03 5.RolfD schrieb …

    Also erstmal haben wir den Nachnamen der Dame falsch geschrieben. Nostra culpa (hoffentlich war das jetzt wenigstens perfektes Latein). Die Frau heißt “Herman” mit einem “n” am Ende. Und ja, es gibt einige Bücher von ihr, wie etwa “Das Eva-Prinzip” (’Frauen zurück an den Herd’ - warum hält sie selbst nicht dran?) oder “Mein Kind schläft durch”. Naja, Hermans Mutterqualitäten kann und will ich nicht beurteilen. Beide nebst anderer Werke der Dame gibt es bei Subanbietern von “Amazon” für nicht gerade 95 Cent, aber viel teurer ist das Zeug auch wieder nicht.

  6. am 27. Juli 2010 um 12:15 6.rolf schrieb …

    Ich bin zu faul, den Namen der Dame zu korrigieren. Höchstens in der Überschrift.

  7. am 28. Juli 2010 um 20:43 7.Charlotte schrieb …

    Wenn ich Dich trotzdem in einem Detail korrigieren darf: Die Macher der Loveparade bzw. die Veteranen des Techno sind durchaus um 1968 oder sogar früher geboren. Wer sich da ein wenig für interessiert (also die Kulturgeschichte des Techno und jüngst die Pervertierung des Ganzen als PARADE auf einem EINGEZÄUNTEN GELÄNDE) dem empfehle ich den Artikel von meinem Lieblingskulturkritiker Jans Balzer aus der Berliner Zeitung vom Montag.
    Übrigens würde die Gute bei einem Besuch im Berghain auf der Stelle tot umfallen. DAS kommt Sodom und Gomorrha schon etwas näher. Nicht dieser Provinzkarneval für Pseudo “Raver”. Ähm, ich wollte nicht überheblich klingen, ABER ICH HABE RECHT

  8. am 29. Juli 2010 um 09:50 8.rolf schrieb …

    Ein sehr kluger Artikel, den Jens Balzer und Markus Schneider geschrieben haben. Man sollte da einen Link drauf setzen:
    http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/kultur/304214/304215.php

    oder Die Musik, die Stadt und der Tod

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