{"id":2064,"date":"2011-07-27T21:34:39","date_gmt":"2011-07-27T19:34:39","guid":{"rendered":"http:\/\/mmmblog.de\/wp\/?p=2064"},"modified":"2013-11-12T19:14:33","modified_gmt":"2013-11-12T17:14:33","slug":"hier-spricht-er-der-wurzelsepp","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/mmmblog.de\/?p=2064","title":{"rendered":"Hier spricht er, der Wurzelsepp"},"content":{"rendered":"<p>Hans-Werner Sinn ist Pr\u00e4sident des M\u00fcnchener Ifo-Instituts und in meinen Augen der Wurzelsepp des Turbo-Kapitalismus. Mit anderen Worten: Besonders symphatisch ist er mir nicht, seine gl\u00fchenden Pl\u00e4doyers f\u00fcr die l\u00e4ngst \u00fcberholte Angebotstheorie langweilen mich. Aber bisweilen muss man ihm zustimmen. Jetzt hat er in der Wirtschaftswoche einen Kommentar ver\u00f6ffentlicht: &#8222;Die griechische Trag\u00f6die&#8220;. Ich h\u00e4tte eine andere \u00dcberschrift gew\u00e4hlt: &#8222;Bundesknopfleiste hat nichts begriffen und l\u00e4sst sich von franz\u00f6sischem Suppenkasper am Nasenring durch die Manege ziehen&#8220;. Klar, viel zu lang. Aber wenn Sinn Sinn macht, dann hier:<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>&#8222;Die Europ\u00e4ische W\u00e4hrungsunion steckt in einer tiefen Zahlungsbilanzkrise. Eine Kapitalflucht aus Irland und riesige Leistungsbilanzdefizite in Griechenland, Portugal und teilweise auch Spanien wurden in den letzten drei Jahren mit der Druckerpresse der EZB finanziert, \u00fcber 100 Milliarden Euro pro Jahr. Da der EZB die Puste ausgeht, muss die Staatengemeinschaft nun mit Krediten helfen. Die franz\u00f6sischen Banken, die in Griechenland am st\u00e4rksten involviert sind, bedr\u00e4ngen die Staaten der Euro-Zone, allen voran Deutschland, die Staatsschulden der Griechen an ihrer Stelle zu \u00fcbernehmen. Und sie haben Erfolg. Schon vor einem Jahr wurde auf ihr Dr\u00e4ngen hin ein Rettungspaket von 110 Milliarden Euro f\u00fcr Griechenland beschlossen.<\/p>\n<p>Nun will man den griechischen Lebensstandard sichern und verlangt bis 2014 weitere 120 Milliarden Euro, um die R\u00fcckzahlung der in den n\u00e4chsten drei Jahren auslaufenden Staatspapiere Griechenlands sicherzustellen. [&#8230;] Auch wenn zwischendrin ein Zinsrisiko verbleibt, das die Rating-Agenturen irritiert, ist das ein Modell zur Erzeugung von Windfall Profits bei den Banken mit dem Geld der Steuerzahler, denn Griechenland ist schon seit einem Jahr pleite.<\/p>\n<p>Viel schlimmer ist freilich, dass Griechenland nicht wettbewerbsf\u00e4hig ist. Unter dem Euro hat der Staat sich extrem verschuldet und damit die L\u00f6hne und Preise \u00fcberteuert. Das Leistungsbilanzdefizit lag zuletzt bei 10,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Der gesamtwirtschaftliche Konsum \u00fcberstieg das Volkseinkommen um 16,5 Prozent.<\/p>\n<p>Um dieses Problem zu l\u00f6sen, muss Griechenland um 20 bis 30 Prozent billiger werden. Es muss eine innere oder \u00e4u\u00dfere Abwertung akzeptieren. Daran f\u00fchrt kein Weg vorbei. Versucht Griechenland die innere Abwertung im Euro-Raum, gibt es ein Hauen und Stechen, weil Millionen von L\u00f6hnen und G\u00fcterpreisen gesenkt werden m\u00fcssen. Au\u00dferdem werden viele Firmen der Realwirtschaft in den Konkurs getrieben, weil die Preise ihrer Immobilien fallen, w\u00e4hrend die Bankschulden bleiben. Es ist \u00e4hnlich wie in Deutschland unter Br\u00fcning, der sparen musste, weil der Dawes- und Young-Plan die Abwertung verboten hatten. Deutschlands Preise fielen von 1929 bis 1933 um 23 Prozent, die L\u00f6hne sanken um etwa 30 Prozent. Das Land wurde an den Rand des B\u00fcrgerkrieges getrieben. Politiker, die glauben, Griechenland k\u00f6nne durch einen Sparkurs gesunden, untersch\u00e4tzen die Gefahren, und Politiker die glauben, Griechenland lie\u00dfe sich mit neuem Geld wettbewerbsf\u00e4hig machen, \u00fcbersehen, dass das Geld den Anpassungsdruck nimmt und das Leistungsbilanzdefizit aufrecht erh\u00e4lt, was unweigerlich in die Transferunion f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Letztlich ist es besser f\u00fcr alle Beteiligten, insbesondere auch f\u00fcr Griechenland, wenn das Land tempor\u00e4r austritt. Dann kann es abwerten, wieder wettbewerbsf\u00e4hig werden und sp\u00e4ter zu einem ver\u00e4nderten Wechselkurs wieder eintreten. Statt Millionen von Preisen und L\u00f6hnen zu senken, braucht man nur einen einzigen Preis, n\u00e4mlich den Wechselkurs, zu \u00e4ndern. Au\u00dferdem sind die Firmen der Realwirtschaft aus dem Schneider, weil ihre Schulden bei griechischen Banken auch abgewertet w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Nur die Auslandsschulden werden relativ zum Sozialprodukt gr\u00f6\u00dfer. Aber das ist bei einer inneren Abwertung durch K\u00fcrzung von L\u00f6hnen und Preisen genauso. Einen Gutteil der Schulden muss man Griechenland in jedem Fall erlassen. Dann muss der franz\u00f6sische Staat seine Banken eben selbst retten. Er wird das verkraften.<\/p>\n<p>Bei einem Austritt aus der W\u00e4hrungsunion und offenen Abwertung w\u00fcrde zwar ein Bank-Run die Banken in die Insolvenz treiben, aber auch das w\u00e4re bei einer inneren Abwertung nicht viel anders, weil viele der Bankkunden Pleite gingen und ihre Schulden nicht zur\u00fcckzahlen w\u00fcrden. Die Banken muss man so oder so unterst\u00fctzen oder verkaufen. Es geht letztlich um die Frage, ob man nur die Bankbilanzen verbrennen will oder auch noch die Bankgeb\u00e4ude dazu. Allzu lange wird sich die Politik um diese Erkenntnis nicht mehr herumdr\u00fccken k\u00f6nnen.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hans-Werner Sinn ist Pr\u00e4sident des M\u00fcnchener Ifo-Instituts und in meinen Augen der Wurzelsepp des Turbo-Kapitalismus. Mit anderen Worten: Besonders symphatisch ist er mir nicht, seine gl\u00fchenden Pl\u00e4doyers f\u00fcr die l\u00e4ngst \u00fcberholte Angebotstheorie langweilen mich. Aber bisweilen muss man ihm zustimmen. Jetzt hat er in der Wirtschaftswoche einen Kommentar ver\u00f6ffentlicht: &#8222;Die griechische Trag\u00f6die&#8220;. Ich h\u00e4tte eine&hellip; <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/mmmblog.de\/?p=2064\">Continue reading &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"advanced_seo_description":"","jetpack_seo_html_title":"","jetpack_seo_noindex":false,"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":false,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","default_image_id":0,"font":"","enabled":false},"version":2}},"categories":[5,7],"tags":[55,84,105,232],"class_list":["post-2064","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-markte","category-moneten","tag-defizit","tag-ezb","tag-griechenland","tag-staatsschulden"],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/paO4gW-xi","jetpack_likes_enabled":true,"jetpack-related-posts":[{"id":1743,"url":"https:\/\/mmmblog.de\/?p=1743","url_meta":{"origin":2064,"position":0},"title":"Risikoaufschl\u00e4ge, risikolos","author":"rolf","date":"17. November 2010","format":false,"excerpt":".Ach ja, nun haben wir sie: Die Neuauflage der Euro-Krise. Nach Griechenland ist nun also auch Irland in die Schusslinie der Finanzm\u00e4rkte geraten. Die Euro-L\u00e4nder bzw. deren Steuerzahler werden einspringen m\u00fcssen. Diese Hilfen beenden aber die Krise nicht, solange es keine Insolvenzordnung f\u00fcr die EU-Staaten gibt.","rel":"","context":"In &quot;M\u00e4rkte&quot;","block_context":{"text":"M\u00e4rkte","link":"https:\/\/mmmblog.de\/?cat=5"},"img":{"alt_text":"euroirland-300x216","src":"https:\/\/i0.wp.com\/mmmblog.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/euroirland-300x216.jpg?resize=350%2C200","width":350,"height":200},"classes":[]},{"id":3855,"url":"https:\/\/mmmblog.de\/?p=3855","url_meta":{"origin":2064,"position":1},"title":"Z\u00f6lle &#8211; die Denkfehler des Herrn Trump","author":"rolf","date":"16. Januar 2020","format":false,"excerpt":"Zwei Jahre lang schwelte der Handelsstreit zwischen China und den USA. Jetzt haben sich beide L\u00e4nder auf ein Teilabkommen geeinigt. Sie wollen vorl\u00e4ufig keine neuen Strafz\u00f6lle mehr einf\u00fchren. US-Pr\u00e4sident Trump r\u00fchmt sich, mit seiner harten Haltung gegen\u00fcber China werde er die US-Industrie wiederbeleben. Er begeht dabei einen Denkfehler, zeigt eine\u2026","rel":"","context":"In &quot;M\u00e4rkte&quot;","block_context":{"text":"M\u00e4rkte","link":"https:\/\/mmmblog.de\/?cat=5"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/i0.wp.com\/mmmblog.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/133411_web_R_B_by_Bernd-Sterzl_pixelio.de_.jpg?resize=350%2C200","width":350,"height":200},"classes":[]},{"id":3624,"url":"https:\/\/mmmblog.de\/?p=3624","url_meta":{"origin":2064,"position":2},"title":"Pause f\u00fcr den  Weltmeister","author":"rolf","date":"19. Februar 2019","format":false,"excerpt":"Na bitte:\u00a0Deutschlands \u00dcberschuss in der Leistungsbilanz ist das dritte Jahr in Folge gefallen. Damit gehen allen Kritikern, die Deutschlands Exportst\u00e4rke als unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig und sch\u00e4dlich f\u00fcr andere Volkswirtschaften gei\u00dfeln, langsam die Argumente aus. \u00a0 Der \u00dcberschuss verringerte sich im vergangenen Jahr auf 7,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, nach 7,9 Prozent im Jahr\u2026","rel":"","context":"In &quot;M\u00e4rkte&quot;","block_context":{"text":"M\u00e4rkte","link":"https:\/\/mmmblog.de\/?cat=5"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/i0.wp.com\/mmmblog.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/799858_original_R_B_by_Ingo-F%C3%BCchtenbusch_pixelio.de_.jpg?resize=350%2C200","width":350,"height":200},"classes":[]},{"id":3870,"url":"https:\/\/mmmblog.de\/?p=3870","url_meta":{"origin":2064,"position":3},"title":"Deutschlands \u00dcberschuss wieder gestiegen","author":"rolf","date":"3. Februar 2020","format":false,"excerpt":"Deutschlands \u00dcberschuss in der Leistungsbilanz ist im vergangenen Jahr wieder gestiegen und bleibt der weltweit gr\u00f6\u00dfte. \u201eWir rechnen mit 293 Milliarden Dollar oder 262 Milliarden Euro, was 7,6 Prozent der Jahreswirtschaftsleistung entspricht. 2018 waren es nur 7,3 Prozent\u201c, schreibt Christian Grimme, Konjunkturexperte am ifo Institut im Ifo-Schnelldienst 2\/2020.\u00a0Die Europ\u00e4ische Union\u2026","rel":"","context":"In &quot;M\u00e4rkte&quot;","block_context":{"text":"M\u00e4rkte","link":"https:\/\/mmmblog.de\/?cat=5"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/i0.wp.com\/mmmblog.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/799858_original_R_B_by_Ingo-F%C3%BCchtenbusch_pixelio.de_.jpg?resize=350%2C200","width":350,"height":200},"classes":[]},{"id":3649,"url":"https:\/\/mmmblog.de\/?p=3649","url_meta":{"origin":2064,"position":4},"title":"Ein Zollkrieg kennt nur Verlierer","author":"rolf","date":"24. Februar 2019","format":false,"excerpt":"Ein ausgeweiteter Zollkrieg w\u00fcrde sowohl China als auch den USA erheblich schaden. Chinas Exporte in die USA k\u00f6nnten um 171,3 Milliarden Euro zur\u00fcckgehen, die US-Exporte nach China um 51 Milliarden Euro, wenn beide Seiten Z\u00f6lle von 25 Prozent auf alle Waren erheben w\u00fcrden. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie\u2026","rel":"","context":"In &quot;M\u00e4rkte&quot;","block_context":{"text":"M\u00e4rkte","link":"https:\/\/mmmblog.de\/?cat=5"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/i0.wp.com\/mmmblog.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/799858_original_R_B_by_Ingo-F%C3%BCchtenbusch_pixelio.de_.jpg?resize=350%2C200","width":350,"height":200},"classes":[]},{"id":2034,"url":"https:\/\/mmmblog.de\/?p=2034","url_meta":{"origin":2064,"position":5},"title":"Der Euro &#8211; eine Fehlkonstruktion","author":"rolf","date":"13. Juli 2011","format":false,"excerpt":"Wenn sich ein Produkt als Fehlkonstruktion erweist, nimmt man es vom Band und beseitigt die Konstruktionsm\u00e4ngel. Das geht auch mit der Europ\u00e4ischen W\u00e4hrungsunion. Die Europ\u00e4ische W\u00e4hrungsunion in ihrer jetzigen Form war von Anfang an eine Fehlkonstruktion. Zwar war ihren Sch\u00f6pfern klar, dass ein einheitlicher W\u00e4hrungsraum nur in Volkswirtschaften mit ann\u00e4hernd\u2026","rel":"","context":"In &quot;M\u00e4rkte&quot;","block_context":{"text":"M\u00e4rkte","link":"https:\/\/mmmblog.de\/?cat=5"},"img":{"alt_text":"Grafik: Gerd Altmann\/pixelio.de","src":"https:\/\/i0.wp.com\/mmmblog.de\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/gerd-altmann_allsilhouettescom_pixeliode-300x212.jpg?resize=350%2C200","width":350,"height":200},"classes":[]}],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/mmmblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2064","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/mmmblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/mmmblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/mmmblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/mmmblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2064"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/mmmblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2064\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/mmmblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2064"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/mmmblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2064"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/mmmblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2064"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}