{"id":3469,"date":"2017-03-09T16:14:02","date_gmt":"2017-03-09T15:14:02","guid":{"rendered":"http:\/\/mmmblog.de\/?p=3469"},"modified":"2017-03-09T16:14:02","modified_gmt":"2017-03-09T15:14:02","slug":"die-sieben-spinnen-im-internetz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/mmmblog.de\/?p=3469","title":{"rendered":"Die sieben Spinnen im Internetz"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_3470\" aria-describedby=\"caption-attachment-3470\" style=\"width: 567px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-3470\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/mmmblog.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/674243_original_R_K_B_by_Marvin-Siefke_pixelio.de_.jpg?resize=567%2C371&#038;ssl=1\" alt=\"Foto: Marvin Siefke \/ pixelio.de\" width=\"567\" height=\"371\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/mmmblog.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/674243_original_R_K_B_by_Marvin-Siefke_pixelio.de_.jpg?w=567&amp;ssl=1 567w, https:\/\/i0.wp.com\/mmmblog.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/674243_original_R_K_B_by_Marvin-Siefke_pixelio.de_.jpg?resize=300%2C196&amp;ssl=1 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 567px) 100vw, 567px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3470\" class=\"wp-caption-text\">Foto: Marvin Siefke \/ pixelio.de<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Snapchat geht an die B\u00f6rse, sammelt Milliarden ein und bietet &#8211; nichts, au\u00dfer einer weiteren Tuschel-Plattform f\u00fcr kleine M\u00e4dchen mit Smartphone. Zeit, einmal die Funktionsweisen der Plattform-\u00d6konomie zu beleuchten.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Mutter des Messengerdienstes Snapchat, Snap Inc., ist vor kurzem an die B\u00f6rse gegangen. 17 Dollar haben die Erstzeichner f\u00fcr die Snap-Aktie bezahlt. Das erst f\u00fcnfeinhalb Jahre alte Unternehmen erzielt damit Emissionserl\u00f6se von rund 3,4 Milliarden Dollar. Es war der gr\u00f6\u00dfte B\u00f6rsengang eines US-Technologieunternehmens seit Facebook im Jahr 2012.<\/p>\n<p>Snapchat-Nutzer k\u00f6nnen sich Videos, Bilder und Textnachrichten zuschicken, die nach dem Ansehen wieder verschwinden. Das zieht vor allem j\u00fcngere Smartphone-Nutzer an. Analysten zufolge ist Snap damit im Bereich soziale Netzwerke zum Hauptkonkurrenten von Facebook aufgestiegen. Mit t\u00e4glich 158 Millionen aktiven Nutzern kommt der Service auf 2,5 Milliarden &#8222;Snaps&#8220; genannte Botschaften in 20 verschiedenen Sprachen, wie aus bei der US-B\u00f6rsenaufsicht SEC eingereichten Unterlagen hervorgeht.<\/p>\n<p>Noch schreibt das Unternehmen rote Zahlen, doch hohe Wachstums- und Nutzerzahlen locken die Investoren an wie Motten das Licht. Denn je mehr Nutzer eine Internet-Firma auf ihrer digitalen Plattform zusammenbringt, desto lukrativer wird diese Firma f\u00fcr die werbetreibende Wirtschaft. Plattform-\u00d6konomie hei\u00dft diese Form der digitalen Wirtschaft, und vor allem Amerikaner haben bewiesen, dass sie Weltmeister sind im Entwickeln von Gesch\u00e4ftsmodellen, die einfach nur eine Internet-Plattform zur Verf\u00fcgung stellen und damit jede Menge Dollars generieren.<\/p>\n<p><strong>Der Kunde hat die Arbeit<\/strong><\/p>\n<p>Der Charme dieser \u00d6konomie liegt darin, dass man selbst nicht viel dazu tun muss, um viele Dollars zu verdienen. Und, wenn man eine gute Idee hat, damit zum Global Player aufzusteigen. Man braucht im Grunde nur viele Server, um eine schnell wachsende Zahl an Nutzern reibungslos bedienen zu k\u00f6nnen, etwas Software &#8211; und eine gute Idee eben. Und zwar eine, die m\u00f6glichst keine Arbeit macht. Denn die Arbeit sollen die Kunden erledigen &#8211; und m\u00f6glichst noch daf\u00fcr zahlen.<!--more--><\/p>\n<p>So ist Uber zum gr\u00f6\u00dften Vermittler von Transportdienstleistungen geworden, ohne selbst ein einziges Taxi zu besitzen. So ist Airbnb zum gr\u00f6\u00dften Beherbergungsbetrieb der Welt geworden, ohne ein einziges Bett oder Zimmer zu besitzen. So verdient Apple Millionen und Abermillionen mit der Arbeit von App-Entwicklern f\u00fcr das Betriebssystem iOS, Google ebenso mit der Arbeit von App-Entwicklern f\u00fcr das Android-Betriebssystem.<\/p>\n<p>Eine Studie der Unternehmensberatung Roland Berger und der Internet Economy Foundation (IE.F)<br \/>\n, eine 2016 in Berlin gegr\u00fcndete Interessenvertretung, man kann auch sagen: Lobby der deutschen und europ\u00e4ischen Digitalwirtschaft, hat sieben Giganten identifiziert, die inzwischen die Plattform-\u00d6konomie beherrschen. Google\/Alphabet, Apple, Facebook, Amazon und Microsoft als dominantes Quintett aus den USA; dazu Tencent (das chinesische Twitter) und Alibaba (das chinesische Amazon) als gro\u00dfe Sterne auf dem &#8211;\u00a0freilich gut abgeschirmten &#8211; chinesischen Markt.<\/p>\n<p><strong>Europa: Vier Prozent vom digitalen Kuchen<\/strong><\/p>\n<p>Wie viele sch\u00f6ne Dollars sich damit verdienen lassen, haben Roland Berger und Co. f\u00fcr das Jahr 2015 untersucht. Danach betr\u00e4gt die Marktkapitalisierung digitaler Plattformen im Gebiet um das Silicon Valley 2200 Milliarden Dollar, was etwa 53 Prozent des globalen Marktanteils an digitalen Dienstleistungen entsprechen soll.<\/p>\n<p>Dieser Anteil klettert sogar auf\u00a0 73 Prozent, wenn man insgesamt auf nordamerikanische Plattformen schaut. Asien hat dem immerhin 930 Milliarden Dollar an Marktkapitalisierung oder 21 Prozent Marktanteil entgegenzusetzen. 181 Milliarden Dollar in ganz Europa m\u00f6gen auf den ersten Blick ganz ordentlich klingen. Sie entsprechen jedoch gerade einmal vier Prozent Anteil am globalen Markt &#8211; eine quantit\u00e9 n\u00e9gligeable.<\/p>\n<p>Acht Diagramme in der Studie zeigen unter der \u00dcberschrift &#8222;Herrschaft der Wenigen&#8220; die dominante Position einzelner Firmen in globalen und US-amerikanischen M\u00e4rkten: Den Markt der Suchmaschinen beherrscht Google mit\u00a0knapp 90 Prozent, die Smartphone-Betriebssysteme teilen sich Apple und Google (84,1 Prozent Google Android, 14,8 Prozent Apple iOS), w\u00e4hrend Amazon inzwischen f\u00fcr 89 Prozent des globalen E-Commerce steht. Hinzu kommt ein Dinosaurier namens Microsoft, der aber immer noch 77 Prozent aller Desktop-Betriebssysteme stellt.<\/p>\n<p><strong>Wachstumshindernis: Europas Kleinstaterei<\/strong><\/p>\n<p>Es ist klar, was die Studie der Lobbyisten bezwecken soll: Die EU m\u00f6ge doch bitte die Wettbewerbsregeln vereinfachen, entschlacken und vereinheitlichen, damit auch Startups in Europa zumindest theoretisch die Chance haben, zum digitalen Plattform-Superstar aufzusteigen. Und um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen, werden d\u00fcstere, aber durchaus realistische Zukunftsvisionen formuliert, zum Beispiel das Ausdehnen der\u00a0Firmen auf andere M\u00e4rkte, die der old economy die Existenz streitig machen, zum Beispiel den Automobilbauern.<\/p>\n<p>In der Studie hei\u00dft es dazu: &#8222;Die h\u00f6chste Gef\u00e4hrdung f\u00fcr das Fair Play in der Internet\u00f6konomie und damit f\u00fcr die Realisierung des mit ihr verbundenen Innovationspotenzials geht von \u00d6kosystemen aus &#8211; also Kombinationen aus Hardware, Software, Services, Content und Interaktionen von Nutzergruppen, die wie eine Spinne im Zentrum eines Wertsch\u00f6pfungsnetzes sitzen und Anwendungen und Technologien verschiedener Ebenen nahtlos integrieren.&#8220; Sieben Spinnen also werfen ein Schlaglicht auf die ver\u00e4nderten wettbewerbsrechtlichen Fragestellungen, die neuer Antworten bed\u00fcrfen.<\/p>\n<p><strong>Wem geh\u00f6rt die Welt?<\/strong><\/p>\n<p>Einige prominente Stimmen, die in der Studie zitiert werden, warnen explizit: &#8222;Es erscheint ziemlich wahrscheinlich, dass Google, Facebook und Co. irgendwann die grundlegenden Infrastrukturen kontrollieren werden, auf denen unsere Welt basiert&#8220;, meint Evgeny Morozov, Internetforscher an der Harvard University. Aus Sicht der Wettbewerbsh\u00fcter konzediert Andreas Mundt, Pr\u00e4sident des Bundeskartellamtes: &#8222;Wir begegnen in der Internetwirtschaft einer Reihe neuer \u00f6konomischer und rechtlicher Fragen.&#8220; Daniel Zimmer, der ehemalige Vorsitzende der Monopolkommission, erg\u00e4nzt: &#8222;Angesichts der Entwicklungen auf digitalen M\u00e4rkten sind Anpassungen des Rechtsrahmens und Beh\u00f6rdenpraxis n\u00f6tig.&#8220;<\/p>\n<p>Zehn Forderungen an die europ\u00e4ische Wettbewerbspolitik leiten die Autoren aus ihrer Studie ab. So m\u00fcsse Europa &#8222;den Flickenteppich an rechtlichen Bestimmungen \u00fcberwinden, um das \u00f6konomische Potenzial des digitalen Binnenmarktes von 415 Milliarden Euro an zus\u00e4tzlichem Wachstum pro Jahr zu heben&#8220;. Die Wettbewerbsregeln der Internet\u00f6konomie m\u00fcssten markt\u00fcbergreifend und branchenneutral gelten. Gleiches Recht f\u00fcr alle Anbieter, die in einem Markt t\u00e4tig sind.<\/p>\n<p>Die europ\u00e4ischen Kartellbeh\u00f6rden sollten mit klaren Richtlinien und mehr Ressourcen ausgestattet werden, um schneller auf Missbr\u00e4uche in digitalen M\u00e4rkten reagieren zu k\u00f6nnen. Neben dem Umsatz sollte auch der Transaktionswert eine Rolle spielen. Oft genug werden Startups durch gro\u00dfe Spieler aufgekauft. Startups machen oft nur minimalen Umsatz, so dass sich g\u00e4ngiges Wettbewerbsrecht um sie schlichtweg nicht k\u00fcmmert. Die gro\u00dfen Spieler zahlen aber Milliarden, um sich das Potenzial anzueignen, das ihre Marktmacht auch k\u00fcnftig weiter absichert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Snapchat geht an die B\u00f6rse, sammelt Milliarden ein und bietet &#8211; nichts, au\u00dfer einer weiteren Tuschel-Plattform f\u00fcr kleine M\u00e4dchen mit Smartphone. 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