{"id":662,"date":"2008-12-31T17:28:09","date_gmt":"2008-12-31T15:28:09","guid":{"rendered":"http:\/\/mmmblog.de\/wp\/?p=662"},"modified":"2008-12-31T17:28:09","modified_gmt":"2008-12-31T15:28:09","slug":"wunsche-fur-2009","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/mmmblog.de\/?p=662","title":{"rendered":"W\u00fcnsche f\u00fcr 2009"},"content":{"rendered":"<p>Wie w\u00e4r\u2019s mit einem Paradigmenwechsel? Die Welt ist zu sch\u00f6n und zu wertvoll, um sie der Deutungshoheit eines Hans-Olaf Henkel, Josef Ackermann oder Hans-Werner Sinn zu \u00fcberlassen. <!--more--><\/p>\n<p>Henkel war Chef von IBM Europa, Pr\u00e4sident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie und sitzt jetzt in Talkshows herum. Josef Ackermann kennt man, und meine Einstellung zu seiner Hybris, man k\u00f6nne seinen Anlegern dauerhaft eine Eigenkapitalrendite von 25 Prozent versprechen, kennt man auch, wenn man meinen Blog liest. Hans-Werner Sinn ist Westfale, den es als Pr\u00e4sidenten des M\u00fcnchener Ifo-Instituts nach M\u00fcnchen verschlagen hat. Dort l\u00e4sst er seine Kommentare im Vierfarbdruck auf deutsch und auf englisch ver\u00f6ffentlichen, ob sie einer lesen mag oder nicht.<\/p>\n<p>Alle drei sind kluge Leute, zweifellos. Aber alle drei sind Anh\u00e4nger einer angebotsorientierten Wirtschaftspolitik, die seit den 80er Jahren konsequent und radikal andere Lehrmeinungen aus den Universit\u00e4ten vertrieben hat. Man kann ihre Ideologie Neoliberalismus, Marktradikalismus oder auch Raubtierkapitalismus nennen. Und man muss nat\u00fcrlich anerkennen, dass diese Leute nach dem Fall des Eisernen Vorhangs und dem Scheitern des kl\u00e4glichen Experiments namens Sozialismus enormen Auftrieb bekommen haben.<\/p>\n<p>Aber eigentlich m\u00fcsste man diesem Frettchen aus Texas namens George W. Bush dankbar sein. Denn er hat diese Sorte von Raubrittern, die in der angebotsorientierten Ideologie die Nutzenstifter schlechthin sind, unfreiwillig zu ihren Grenzen verholfen: Bush-Adepten und -G\u00fcnstlinge haben die Welt mit einem Selbstbedienungsladen verwechselt. Das Ergebnis kann man jetzt beobachten. Die USA fallen zur\u00fcck auf das Stadium eines Entwicklungslandes, ihre B\u00fcrger sind um 1.000 Milliarden Dollar f\u00fcr ihre Altersversorgung betrogen worden, die Weltwirtschaft schlittert in eine Krise. Und das Frettchen aus Texas begreift noch nicht einmal, dass er nicht nur einen Krieg, sondern auch eine Weltwirtschaftskrise losgetreten hat.<\/p>\n<p>Um Missverst\u00e4ndnissen vorzubeugen: Auch ich als Sp\u00e4t-68er habe sp\u00e4testens seit meinem Eintritt ins Berufsleben den freien Wettbewerb als die beste aller m\u00f6glichen Formen des Wirtschaftens anerkannt. Aber in diesem Dschungel gewinnen schnell die Raubtiere die Oberhand, wenn man den Wettbewerb nicht bestimmten Regeln und Grenzen unterwirft und den Dschungel in ein Gehege verwandelt. F\u00fcr dieses Modell, das man auch als Soziale Marktwirtschaft kennt, sind die beiden gro\u00dfen Volksparteien in Deutschland jahrzehntelang eingetreten, auch wenn man das bei den Sozialdemokraten momentan nicht immer erkennen kann.<\/p>\n<p>Zwei Experimente sind gescheitert. Der Sozialismus glaubt an das Gute im Menschen, gibt F\u00fcnfjahrespl\u00e4ne aus und wundert sich, dass nach vier Dekaden Planung und Wirklichkeit nichts mehr miteinander zu tun und die Menschen die Schnauze voll haben. Aber der Turbo-Kapitalismus, der den Unternehmern Zucker in den Arsch bl\u00e4st, den Arbeitnehmern Lohnzur\u00fcckhaltung und Verzicht predigt, auf totale Deregulierung und Privatisierung setzt, Gewinne privatisiert und Verluste dem Steuerzahler und unseren Kindern aufb\u00fcrdet &#8211; dieser Kapitalismus ist genauso gescheitert.<\/p>\n<p>Meine W\u00fcnsche f\u00fcr 2009 sind ganz bescheiden: Gebt den nachfrageorientierten Wissenschaftlern wieder mehr Raum!. Kein einziges knallhart durchoptimiertes, auf Effizienz und Produktivit\u00e4t getrimmtes Unternehmen hat eine Chance zu \u00fcberleben, wenn es keine Nachfrage, keine K\u00e4ufer f\u00fcr seine Produkte gibt. Wenn die Menschen mehr kaufen sollen, dann brauchen sie mehr Geld. So einfach ist das.<\/p>\n<p>H\u00e4lt man Neoliberalen vor, dass ihre Rezepte nicht zum Erfolg, sondern zu mehr Schulden und mehr Arbeitslosigkeit gef\u00fchrt haben, bekommt man selbstverst\u00e4ndlich zur Antwort, das l\u00e4ge nur daran, dass die Politik die neoliberalen Rezepte nicht konsequent genug durchgesetzt habe. Deshalb: Noch mehr L\u00f6hne runter, noch mehr Arbeitszeit ohne Lohnausgleich, noch weniger Steuern f\u00fcr Unternehmen, noch weniger K\u00fcndigungsschutz.<\/p>\n<p>Eine sich selbst immunisierende Tautologie nennt Prof. Rudolf Hickel, Direktor den Instituts f\u00fcr Arbeit und Wirtschaft in Bremen, diese iderologischen Glaubenss\u00e4tze der Neoliberalen &#8211; und da ist man scheinbar machtlos. Aber wer wei\u00df &#8211; vielleicht erleben die Lehren eines John Manyard Keynes mal eine Renaissance. Von 1950 bis 1974 hat das jedenfalls sehr gut funktioniert. Da ist der Staat, wenn\u2019s kriselte, als starker, selbstbewusster Nachfrager aufgetreten und hat der schw\u00e4chelnden Konjunktur expansive Impulse gegeben. Und die haben wir auch im Jahr 2009 vermutlich verdammt n\u00f6tig.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie w\u00e4r\u2019s mit einem Paradigmenwechsel? 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