{"id":782,"date":"2009-03-26T11:42:55","date_gmt":"2009-03-26T09:42:55","guid":{"rendered":"http:\/\/mmmblog.de\/wp\/?p=782"},"modified":"2009-03-26T11:42:55","modified_gmt":"2009-03-26T09:42:55","slug":"abwrackprame-eine-doppelte-mogelpackung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/mmmblog.de\/?p=782","title":{"rendered":"Abwrackpr\u00e4me &#8211; eine doppelte Mogelpackung"},"content":{"rendered":"<p><img data-recalc-dims=\"1\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/mmmblog.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/guavan.jpg?w=740&#038;ssl=1\" alt=\"Altes Auto in Guatemala\" title=\"Altes Auto in Guatemala\" vspace=\"10\" hspace=\"10\" align=\"left\" \/> Die Bundesregierung st\u00fctzt die angeschlagenen Autobauer noch bis Jahresende mit einer Verl\u00e4ngerung der Abwrackpr\u00e4mie. Das kostet Finanzminister Peer Steinbr\u00fcck nochmal mindestens eine Milliarde. Ein populistisches Wahlkampfgeschenk mit zweifelhafter Wirkung &#8211; und obendrein eine doppelte Mogelpackung.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Keine einzige Einzelma\u00dfnahme aus dem gigantischen Konjunkturpaket, das die Bundesregierung Ende vergangenen Jahres geschn\u00fcrt hat, ist so popul\u00e4r geworden wie die so genannte Abwrackpr\u00e4mie. Genau 1,5 Milliarden Euro hat Finanzminister Peer Steinbr\u00fcck bereitgestellt, um der Autoindustrie und ihren Besch\u00e4ftigten aus der gr\u00f6\u00dften Absatzkrise seit dem Zweiten Weltkrieg zu helfen. 2.500 Euro bekommt ein Jedermann f\u00fcr den Kauf eines Neuwagens hinterhergeworfen, wenn er nachweisen kann, dass er sein mindestens neun Jahre altes Auto verschrottet hat. <\/p>\n<p>Ein Programm, das auf den ersten Blick sehr bestechend wirkt &#8211; und Wirkung gezeigt hat. Die Zahl der Neuzulassungen ist im Februar gegen\u00fcber dem Vormonat um 21 Prozent gestiegen. Auf den Schrottpl\u00e4tzen herrscht Hochbetrieb, Verwertungsbetriebe sto\u00dfen an ihre Kapazit\u00e4tsgrenzen, bei den Autoh\u00e4ndlern geben sich die Kunden die Klinke in die Hand. Der Begriff &#8222;Abwrackpr\u00e4mie&#8220; ist inzwischen l\u00e4ngst von der Werbewirtschaft entdeckt worden: Mittlerweile gibt es sie auch f\u00fcr K\u00fcchen, M\u00f6bel und andere langlebige G\u00fcter, und es dauert wohl nicht mehr lange, bis der erste Zahnarzt mit einer Abwrackpr\u00e4mie f\u00fcr das alte Gebiss wirbt.<\/p>\n<p>Doch der Topf von 1,5 Milliarden Euro ist bald ersch\u00f6pft, mit dem Geld kann nur der Kauf von 600.000 Neuwagen angekurbelt werden, dann ist Schluss. Da liegt es nahe, aus der begrenzten St\u00fcckzahl eine Frist zu machen: Jeder, der die bisherigen Bedingungen erf\u00fcllt, soll nun bis Ende des Jahres die Gelegenheit haben, ein neues Auto anzuschaffen. Das wird vermutlich f\u00fcr weitere 400.000 Autos reichen und den Finanzminister eine weitere Milliarde kosten.<\/p>\n<p>Geld, das er sich leihen muss, und das k\u00fcnftige Generationen erst einmal verdienen und abbezahlen m\u00fcssen. Geld, von dem man nicht wei\u00df, ob es der Automobilindustrie wirklich nachhaltig aus der Krise hilft. Es sorgt allenfalls f\u00fcr eine kurze Sonderkonjunktur in einer einzigen Branche, kann allenfalls ein kurzes Strohfeuer entfachen, nicht aber die grunds\u00e4tzlichen Probleme der Automobilindustrie l\u00f6sen. Viele Menschen werden wegen der Pr\u00e4mie ihren ohnehin geplanten Neuwagenkauf vorziehen, doch danach wird die Autoindustrie in ein noch gr\u00f6\u00dferes Absatzloch fallen. Und es ist l\u00e4ngst nicht ausgemacht, dass diese 2,5 Milliarden Euro tats\u00e4chlich die Konjunktur ankurbeln werden. Es kann sich auch um reine Substitutionseffekte handeln &#8211; dann n\u00e4mlich, wenn wegen der Abwrackpr\u00e4mie der Kauf einer neuen K\u00fcche oder die Sanierung des Badezimmers auf den Sankt  Nimmerleinstag verschoben wird.<\/p>\n<p>Statt Abwrackpr\u00e4mie sollte das Kind einen anderen Namen bekommen: Populistisches Geschenk in Vorwahlkampfzeiten mit zweifelhafter konjunktureller Wirkung, oder kurz: Mogelpackung. Und das gleich im doppelten Sinne. Denn nicht nur unter konjunkturellen Aspekten ist das Geschenk der Bundesregierung eine Mogelpackung, sondern auch unter umweltpolitischen Gesichtspunkten. Im Amtsdeutsch hei\u00dft die Abwrackpr\u00e4mie zwar &#8222;Umweltpr\u00e4mie&#8220;, aber mit dem Schutz der Umwelt hat dies gleich gar nichts zu tun. Nicht nur, weil an den Kauf eines Neuwagens keinerlei Bedingungen gekn\u00fcpft sind, man also auch einen Spritfresser kaufen kann.<\/p>\n<p>Denn jedes neu produzierte Auto hat bereits einen tiefen \u00f6kologischen Fu\u00dfabdruck hinterlassen. 80 bis 90 Prozent aller Umweltsch\u00e4den entstehen n\u00e4mlich bei der Produktion eines Autos, angefangen beim Eisenerz, das von Brasilien nach Rotterdam verschifft wird, in Duisburg in den Hochofen kommt und in Stuttgart zu Karosserieblechen und  Motorbl\u00f6cken wird, bis hin zu den Produkten der chemischen Industrie und der Reifenhersteller, die alle munter CO2 in die Luft blasen. Nur zehn bis 20 Prozent der Umweltsch\u00e4den werden in der restlichen Lebensdauer eines Neuwagens angerichtet &#8211; da ist es allemal kl\u00fcger, ein neun Jahre altes Auto noch f\u00fcnf weitere Jahre zu fahren als sich von der Bundesregierung einreden zu lassen, mit dem Kauf eines neuen Autos handele man umweltfreundlich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Bundesregierung st\u00fctzt die angeschlagenen Autobauer noch bis Jahresende mit einer Verl\u00e4ngerung der Abwrackpr\u00e4mie. Das kostet Finanzminister Peer Steinbr\u00fcck nochmal mindestens eine Milliarde. 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