Wenn so eine armselige Klitsche wie www.heftig.co tatsächlich 800.000 Facebook-Fans und 2,4 Millionen Shares in einem Monat bringt und angeblich die Zukunft des Nachrichten-Journalismus sein soll, dann fällt mir das Frühstück aus dem Gesicht. Oder ich muss meine Überschriften ändern. Etwa so: EZB senkt Leitzinsen. Wenn ihr lest, was Rolf Wenkel davon hält, werdet ihr in Tränen ausbrechen (wahlweise: wird euer Leben verändern, ist einfach unglaublich, raubt mir den Atem etc.) Eine gute Analyse hat Tobias Gillen gepostet: http://www.tobiasgillen.de/heftigstyle-clickbait-medien/
Kategorie: Medien
Dett is Balin, wa?
Dett is Balin, wa? from Rolf Wenkel on Vimeo.
Die Hackeschen Höfe liegen in der Spandauer Vorstadt im Ortsteil Mitte von Berlin, unweit des sogenannten Scheunenviertels. Sie stehen seit 1972 unter Denkmalschutz und sind täglich von Touristen aus allen Ländern der Welt überlaufen. Direkt nebenan gibt es einen kleinen Hackeschen Nebenhof, der nicht so gelackt und kommerziell daherkommt. Die Wände sind voll von Grafittis, und das zieht eine andere Sorte von Touristen an, nämlich vornehmlich Jugendliche.
Kultur – für Sie gesperrt!
Ein großer Teil der YouTube-Videos ist nicht überall zu sehen. Fast 19 Prozent der weltweiten Top 1000-Videos sind in einem oder mehreren Ländern außerhalb Deutschlands gesperrt.
In Deutschland jedoch sind über 60 Prozent der 1000 beliebtesten Videos nicht verfügbar, weil YouTube davon ausgeht, dass die Musikrechte „möglicherweise“ bei der Musikverwertungsgesellschaft GEMA liegen.
Unterstützt durch MyVideo. Realisiert von OpenDataCity. Anwendung steht unter CC-BY 3.0.
Die schlimmsten Datengrabber
Ein aktuelles Informationsangebot von OpenDataCity:
Rauschen filtern
Youtube, Twitter und Blogs liefern Nachrichten sehr viel aktueller als alle anderen Medien. Denn bevor die ersten Drehteams vor Ort sind, haben Augenzeugen ihr Video längst per Smartphone hochgeladen. Doch sind die alle echt? Uwe Sievers hat sich darüber in der aktuellen Ausgabe der medienpolitischen Zeitschrift „MMM“ („Menschen machen Medien“ der Gewerkschaft ver.di) Gedanken gemacht. Leseprobe: „Wenn 200 Twitter-User von einem Attentat berichten, muss das Ereignis stattgefunden haben – oder? Profis legen 200 unterschiedliche Twitter-Accounts in wenigen Minuten an. Dazu benutzen sie Software, mit der sich diese Aufgabe weitestgehend automatisieren lässt“. Wem können wir noch trauen?
(Foto: Gerd Altmann / pixelio.de)
20 Jahre SMS

Ein News-Portal das keiner vermisst
Folgende Meldung rauschte heute durch die Agenturen und war z.B. bei tagesschau.de zu lesen: „Der Softwarekonzern Microsoft zieht sich aus dem Gemeinschaftsunternehmen mit dem US-Nachrichtensender NBC News zurück. Anstelle des bisherigen gemeinsamen Nachrichtenportals MSNBC.com wolle Microsoft jetzt ein eigenes Nachrichtenangebot im Netz aufbauen, teilten beide Unternehmen mit. Die Website NBC News Microsoft wolle Informationen und Nachrichten über „neue und innovative Wege“ verbreiten, erklärte der Chef der Microsoft-Seite MSN.com, Bob Visse. Dies sei schwierig, wenn man an einen einzigen Nachrichtenlieferanten, also NBC News, gebunden sei.“
Daraufhin hab‘ ich zum ersten Mal in meinem Leben auf dieses Portal geschaut und wurde mit dieser Seite begrüßt:

Au weia. Auf solche Nachrichten hat die Welt gewartet. Wie konnte ich nur ohne sie leben? Man könnte fast den Verdacht bekommen, die Leute beim Redmond-Riesen geraten in Panik. Ständig springen sie auf längst abgefahrene Züge auf und machen es dabei schlechter als die Konkurrenz. Nette Kommentare gibt’s dazu: „Anstatt als weiterer Mitbewerber Webspace mit nichtsagenden Lala-News vollzumüllen, sollte sich MS auf seine Kernkompetenz besinnen und besser seine Software- und Netzwerktechnologien weiterentwickeln. Irrelevanten Content providen kann jeder“, schreibt Technicore. „Die sollten sich lieber um ihr neues klicki-bunti windows8 kuemmern und ein vernuenftiges bedienkonzept erarbeiten“, schreibt ein anderer Kommentator. Recht haben sie.
Journaille im Google-Zeitalter
Sechs Mal hat stern.de im Verlauf weniger Stunden die Überschrift zu einer Geschichte geringfügig geändert – und sechs Mal erschien die ansonsten völlig unveränderte Geschichte bei Google ganz oben. Das ist bares Geld wert, denn bekanntlich wird nur der angeklickt, der bei Google ganz oben steht, und nur wer viele Klicks generiert, kann sich ein paar Mäuse mit Online-Werbung dazuverdienen. Kein Wunder, dass sich im Google-Zeitalter eine völlig neue Berufsgruppe etabliert hat: Die Search Engine Optimizer oder SEO’s, zu deutsch Suchmaschinenoptimierer. Nicht alle Nachrichtenportale machen diesen Unsinn mit, aber viele. Die freie Journalistin K. Antonia Schäfer hat dazu im DJV-Organ „journalist“ einen klugen Artikel geschrieben. Witzigerweise scheint das Kriterium Schnelligkeit im Online-Journalismus eher hinderlich zu sein. Denn wer mit einer Story zu früh auf dem Markt ist, wird nicht geklickt, weil sich die Geschichte in der Netzgemeinde noch nicht herumgesprochen hat und infolgedessen auch noch nicht gegoogelt wird. Wenn dann der Klicksturm einsetzt, ist die Ursprungsgeschichte womöglich schon weit nach unten gerutscht. Das „republishing“ scheint da erfolgversprechender zu sein. Ich würde mich allerdings verarscht fühlen, wenn ich sechs mal auf eine Nachrichtenseite gelockt werde, nur um festzustellen, dass ich wortwörtlich die gleiche Story aufgetischt bekomme wie vor acht Stunden.
Gratis im Netz: Das Data Journalism Handbook
Vor einem halben Jahr wurde die Idee für ein neues Standardwerk zu Datenjournalismus geboren – jetzt steht das Ergebnis gratis im Web – allerdings nicht als Download-Version, weil der Verlag O’Reilly Media das Werk in einer gedruckten Version herausgeben will. „An der Verwirklichung der Idee waren maßgeblich das European Journalism Centre und die Open Knowledge Foundation beteiligt, ebenso wie die zahlreichen Journalisten, die im Tagwerk datenjournalistische Projekte für Publikationen wie Australian Broadcasting Corporation, BBC, Chicago Tribune, The Guardian, Financial Times, Helsingin Sanomat, New York Times, ProPublica, Washington Post oder Zeit Online umsetzen“, schreibt der Wiener „Standard“ in seiner Online-Ausgabe.
Prompt meldet sich ein nörgelnder Leser zu Wort: Datenjournalismus sei „die journalistische variante von dem, was rating-agenturen machen: fern vom realgeschehen in virtuellen statistiken, datenbanken, der wikipedia, dem internet allgemein und sonstigen trashcans herumwühlen, da ein bisserl was mit dem in verbindung bringen, das ganze in eine gefällige form gießen und als recherche den lesern unterzujubeln.oder so.“
Oder so. Leser Martin Major scheint Datenjournalisten für Trüffelschweine zu halten, die in öffentlich zugänglichen Statistiken nach Sensationsstories wühlen. Dem ist natürlich nicht so – aber Datenjournalisten visualisieren Zusammenhänge, die so manche Stammtisch-Weisheit widerlegen können. Zum Beispiel, indem man die Bevölkerungsstruktur der Stadt New York mit den Kriminalitätsraten nach Tatorten kombiniert und als Ergebnis herausbekommt, dass in überwiegend von Schwarzen bewohnten Stadtteilen die Kriminalitätsrate keineswegs höher ist als anderswo.
Service für Bahnfahrer
Der „Zugmonitor“ bietet eine Übersicht über die Verspätungen bei der Deutschen Bahn. Auf einer deutschlandweiten Streckenkarte werden die Fernverkehrsverbindungen in annähernder Echtzeit abgebildet, die einzelnen Züge sind als Pfeile dargestellt. Gelbe, orangene und rote Kreise signalisieren, ob der Zug fünf bis neun, zehn bis 30 oder über 30 Minuten verspätet ist. Per Suchfunktion lassen sich die Zugbewegungen auf eine Stadt oder einen Bahnhof begrenzt anzeigen, sogar auf einzelne Züge genau, sofern man die Zugnummer kennt. Ein Service für Bahnkunden, der nur ein Manko hat: Er kann nicht in die Zukunft schauen. Trotzdem liefert die Süddeutsche Zeitung damit ein schönes Beispiel für die interaktive Visualisierung großer Datenmengen, wie sie so weder in den Printmedien noch im TV funktioniert, sondern nur im Internet.