Rauschen filtern

netz1-300x194Youtube, Twitter und Blogs liefern Nachrichten sehr viel aktueller als alle anderen Medien. Denn bevor die ersten Drehteams vor Ort sind, haben Augenzeugen ihr Video längst per Smartphone hochgeladen. Doch sind die alle echt? Uwe Sievers hat sich darüber in der aktuellen Ausgabe der medienpolitischen Zeitschrift „MMM“ („Menschen machen Medien“ der Gewerkschaft ver.di) Gedanken gemacht. Leseprobe: „Wenn 200 Twitter-User von einem Attentat berichten, muss das Ereignis stattgefunden haben – oder? Profis legen 200 unterschiedliche Twitter-Accounts in wenigen Minuten an. Dazu benutzen sie Software, mit der sich diese Aufgabe weitestgehend automatisieren lässt“. Wem können wir noch trauen?
(Foto: Gerd Altmann / pixelio.de)

20 Jahre SMS

Foto: Peter Freitag/pixelio.de
„Am 3. Dezember 1992 wurde in Großbritannien die weltweit erste Textkurznachricht verschickt – damals von einem Computer an ein Handy. Seitdem wird sie immer häufiger genutzt. Allein in Deutschland ist die Zahl der versandten SMS-Nachrichten 2011 auf die Rekordhöhe von rund 55 Milliarden gestiegen. In diesem Jahr werden es nach Bitkom-Berechnungen voraussichtlich 58 Milliarden SMS sein, eine Steigerung um rund 5 Prozent. Im Durchschnitt versendet jeder Deutsche inzwischen rund 2 SMS am Tag und ca. 700 im Jahr. Zum Vergleich: 1999 waren es erst 44 SMS pro Jahr und Bundesbürger“, schreibt der Branchenverband Bitkom. Continue reading „20 Jahre SMS“ →

Ein News-Portal das keiner vermisst

Folgende Meldung rauschte heute durch die Agenturen und war z.B. bei tagesschau.de zu lesen: „Der Softwarekonzern Microsoft zieht sich aus dem Gemeinschaftsunternehmen mit dem US-Nachrichtensender NBC News zurück. Anstelle des bisherigen gemeinsamen Nachrichtenportals MSNBC.com wolle Microsoft jetzt ein eigenes Nachrichtenangebot im Netz aufbauen, teilten beide Unternehmen mit. Die Website NBC News Microsoft wolle Informationen und Nachrichten über „neue und innovative Wege“ verbreiten, erklärte der Chef der Microsoft-Seite MSN.com, Bob Visse. Dies sei schwierig, wenn man an einen einzigen Nachrichtenlieferanten, also NBC News, gebunden sei.“

Daraufhin hab‘ ich zum ersten Mal in meinem Leben auf dieses Portal geschaut und wurde mit dieser Seite begrüßt:

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Au weia. Auf solche Nachrichten hat die Welt gewartet. Wie konnte ich nur ohne sie leben? Man könnte fast den Verdacht bekommen, die Leute beim Redmond-Riesen geraten in Panik. Ständig springen sie auf längst abgefahrene Züge auf und machen es dabei schlechter als die Konkurrenz. Nette Kommentare gibt’s dazu: „Anstatt als weiterer Mitbewerber Webspace mit nichtsagenden Lala-News vollzumüllen, sollte sich MS auf seine Kernkompetenz besinnen und besser seine Software- und Netzwerktechnologien weiterentwickeln. Irrelevanten Content providen kann jeder“, schreibt Technicore. „Die sollten sich lieber um ihr neues klicki-bunti windows8 kuemmern und ein vernuenftiges bedienkonzept erarbeiten“, schreibt ein anderer Kommentator. Recht haben sie.

Journaille im Google-Zeitalter

jorurnimgooglezeitalterSechs Mal hat stern.de im Verlauf weniger Stunden die Überschrift zu einer Geschichte geringfügig geändert – und sechs Mal erschien die ansonsten völlig unveränderte Geschichte bei Google ganz oben. Das ist bares Geld wert, denn bekanntlich wird nur der angeklickt, der bei Google ganz oben steht, und nur wer viele Klicks generiert, kann sich ein paar Mäuse mit Online-Werbung dazuverdienen. Kein Wunder, dass sich im Google-Zeitalter eine völlig neue Berufsgruppe etabliert hat: Die Search Engine Optimizer oder SEO’s, zu deutsch Suchmaschinenoptimierer. Nicht alle Nachrichtenportale machen diesen Unsinn mit, aber viele. Die freie Journalistin K. Antonia Schäfer hat dazu im DJV-Organ „journalist“ einen klugen Artikel geschrieben. Witzigerweise scheint das Kriterium Schnelligkeit im Online-Journalismus eher hinderlich zu sein. Denn wer mit einer Story zu früh auf dem Markt ist, wird nicht geklickt, weil sich die Geschichte in der Netzgemeinde noch nicht herumgesprochen hat und infolgedessen auch noch nicht gegoogelt wird. Wenn dann der Klicksturm einsetzt, ist die Ursprungsgeschichte womöglich schon weit nach unten gerutscht. Das „republishing“ scheint da erfolgversprechender zu sein. Ich würde mich allerdings verarscht fühlen, wenn ich sechs mal auf eine Nachrichtenseite gelockt werde, nur um festzustellen, dass ich wortwörtlich die gleiche Story aufgetischt bekomme wie vor acht Stunden.

Facebook-Selbstversuch

(Foto: Gerd Altmann/pixelio.de)
(Foto: Gerd Altmann/pixelio.de)
Von George Clooney wird gesagt, er wolle sich lieber von einem Arzt mit einer eiskalten Hand die Prostata abtasten lassen als sich auf fb anzumelden. Ich kann den Mann verstehen, er hätte vermutlich in den ersten Minuten eine Viertelmillion Freundschaftsanfragen – dabei will der Mann einfach nur seine Ruhe haben. Gottlob wird mir so etwas nicht passieren. Mein Motiv, mich auf fb anzumelden, war etwas anders. Mein Arbeitgeber hat einen für meine Begriffe sehr guten Web-Auftritt: Nicht so schnell und aktuell wie Spiegel Online, dafür aber hintergründiger und analytischer – und das in 30 Sprachen. Allein das impliziert schon, dass unser Blick etwas weiter über den Tellerrand hinausgeht als bei anderen deutschen Nachrichtenportalen (und z. B. der Tod von Bernd Klüver nicht unbedingt ein Thema ist, was uns vom Hocker reißt) – und deshalb etwas Reklame in fb verträgt.

Das ist nun einige Wochen her, und ich bin etwas enttäuscht. Continue reading „Facebook-Selbstversuch“ →

Hier spricht er, der Wurzelsepp

Hans-Werner Sinn ist Präsident des Münchener Ifo-Instituts und in meinen Augen der Wurzelsepp des Turbo-Kapitalismus. Mit anderen Worten: Besonders symphatisch ist er mir nicht, seine glühenden Plädoyers für die längst überholte Angebotstheorie langweilen mich. Aber bisweilen muss man ihm zustimmen. Jetzt hat er in der Wirtschaftswoche einen Kommentar veröffentlicht: „Die griechische Tragödie“. Ich hätte eine andere Überschrift gewählt: „Bundesknopfleiste hat nichts begriffen und lässt sich von französischem Suppenkasper am Nasenring durch die Manege ziehen“. Klar, viel zu lang. Aber wenn Sinn Sinn macht, dann hier:

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