Wirtschaft nimmt wieder Fahrt auf

Blauhelme (Foto: Rolf Wenkel)

Es soll wieder bergauf gehen in der Wirtschaft: Mehrere Forschungsinstitute haben ihre Prognose für das aktuelle Jahr deutlich angehoben. Am optimistischsten sind das Münchner ifo Institut und das IWH aus Halle, die für 2026 jeweils mit einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 1,4 Prozent rechnen. Auch das RWI in Essen(1,3 %), das DIW in Berlin (1,2 %) und das IfW Kiel (1,3 %) haben ihre Prognosen zuletzt angehoben.

Das hat viele Beobachter überrascht: Trotz des massiven Anstiegs der Preise für Diesel, Benzin und Erdgas hat die deutsche Wirtschaft im ersten Halbjahr 2026 die stärkste Wachstumsdynamik seit Anfang 2022 hingelegt. Die Exporte expandierten wider Erwarten stark – dank einer robusten Nachfrage aus der Europäischen Union. Das reichte immerhin, um die verhaltene Entwicklung des privaten Konsums sowie rückläufige Investitionen in Bauten und Ausrüstungen so zu kompensieren, dass am Ende des Tages noch ein Plus übrigblieb.

Angeregt durch die Exportnachfrage stieg auch die Industrieproduktion, vor allem in den Bereichen Elektrotechnik und Chemie. Damit hat sich der seit 2018 bestehende Abwärtstrend in der Industrie erst einmal nicht weiter fortgesetzt. Dennoch ist die Lage nach wie vor angespannt. Im zweiten Quartal 2026 lag die Industrieproduktion immer noch um über 13 Prozent unter dem Niveau des zweiten Quartals 2019, und auch der Beschäftigungsabbau hat sich fortgesetzt. In den sieben Jahren seit dem zweiten Quartal 2019 sind in der Industrie 617.000 Arbeitsplätze verloren gegangen – mehr als ein Viertel davon allein in diesem Jahr – und seit dem dritten Quartal 2024 ist auch die Zahl der Erwerbstätigen insgesamt rückläufig.

Die Exporte schwächen sich nach den hohen Zuwachsraten in der ersten Jahreshälfte 2026
merklich ab, bleiben aber trotz einer weiter abwärts gerichteten Nachfrage aus China und stabiler Ausfuhrzahlen in die USA vorerst die tragende Stütze des deutschen Wirtschaftswachstums. Ausschlaggebend ist die Nachfrage aus europäischen Ländern, hinzu kommt aber – wie auch bei den Exporten in die Vereinigten Staaten – der Aufbau von Rechenzentren und der verstärkte Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI).

In der zweiten Jahreshälfte 2026 dürften staatliche Investitionen in Infrastruktur und Militärausgaben die Exporte als treibende Kraft der Erholung ablö­sen. Dämpfend auf das Wachstum der Wirtschaft wirkt sich im dritten Quartal der niedrige Pegelstand des Rheins aus, der die Industrieproduktion, insbesondere in den Bereichen Chemie und Raffinerie, behindert hat. Allerdings sind in diesen Branchen die Auftragsbücher gut gefüllt. Und auch die Auftragseingänge im Maschinenbau sind nach einer langen Durststrecke seit Jahresbeginn wieder aufwärts gerichtet.

„Trotz der starken Impulse ist bestenfalls gegen Ende des Prognosezeitraums mit den Anfängen eines selbst tragenden Aufschwungs zu rechnen“, schreiben zum Beispiel die Konjunkturforscher des gewerkschaftsnahen Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in Düsseldorf. Ursache für die nur langsame Belebung der Gesamtwirtschaft sei der Energiepreisschock. Der private Verbrauch werde im Prognosezeitraum aufgrund der Preisschocks nur begrenzt zum Wachstum beitragen.

Das Brutto­inlandsprodukt steigt in diesem Jahr um 1,3 und 2027 um 1,4 Prozent, sagen die IMK-Forscher voraus. Die Arbeitslosigkeit wird im Prognosezeitraum leicht ansteigen auf rund drei Millionen Personen oder 6,4 Prozent. Das Budgetdefizit steigt im Zuge des munteren Schuldenmachens, das Politiker und Ökonomen gerne mit dem Begriff „expansive Finanzpolitik“ umschreiben, auf vier Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung im Jahr 2026 und 4,1 Prozent im kommenden Jahr.