IW: Bis 2029 fehlen 723.000 Fachkräfte

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Bis 2029 wächst die Fachkräftelücke in Deutschland um 47 Prozent – am schwierigsten wird es, Fachkräfte mit Ausbildung zu finden, zeigt eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).

„Bundesweit könnten 2029 insgesamt 723.000 Fachkräfte fehlen – 47 Prozent mehr als 2024“, schreibt das arbeitgebernahe IW in einer Pressemitteilung. Die größte Fachkräftelücke klafft 2029 im Verkauf (also zum Beispiel Einzelhandelskaufleute und ähnliche Berufe), wo gut 39.000 Fachkräfte fehlen. Die IW-Studie schreibt die Trends der Jahre 2018 bis 2024 in rund 1.300 Berufen bis 2029 fort. Dabei sind Trendänderungen wie der aktuelle Geburtenrückgang oder die zusätzliche Nachfrage durch das Sondervermögen der Bundesregierung, die damit die Wirtschaft ankurbeln will, noch nicht berücksichtigt.

Doch eins ist sicher: Immer mehr Babyboomer gehen in Rente. Allein deshalb dürfte die Fachkräftelücke wieder steigen. Dass zugleich die Zuwanderung einbricht, dürfte den Anstieg noch beschleunigen. Besonders heikel wird es dort, wo gerade Hunderte Milliarden investiert werden sollen. Schon nach den bisherigen Trends fehlen 2029 rund 15.000 Experten für Bauplanung und -überwachung. Mit anderen Worten: Das Geld für viele Investitionen ist vorhanden, zum um zum Beispiel die Wohnungsnot zu lindern oder marode Brücken und Verkehrswege zu sanieren, aber es gibt nicht genug Fachleute, um diese Projekte so zeitnah auf die Schiene zu setzen, dass auch der verbohrteste AfD-Wähler erkennt, dass es Fortschritte gibt in diesem Land.

Die meisten Menschen werden jedoch in Ausbildungsberufen fehlen, beispielsweise für den Strukturwandel in der Industrie: rund 15.900 in der Kraftfahrzeugtechnik, 13.800 in der elektrischen Betriebstechnik und 13.600 in der Mechatronik. Man sieht: Der Strukturwandel, die Transformation der Wirtschaft ist sehr wohl mit einem Abbau von Arbeitsplätzen verbunden – aber gleichzeitig wird Personal mit anderen Qualifikationen für Zukunftsbereiche dringend gesucht.

Schnelle Abhilfe ist nicht in Sicht, schreibt das IW: „Der demografische Wandel ist in vollem Gange und lässt sich mit Inlandspotenzialen kaum auffangen.“ Auch die Zuwanderung werde absehbar nicht mehr ausreichen. „Der Fachkräftemangel wird sich daher in vielen Bereichen verschärfen, und wir werden das täglich spüren, etwa bei der Suche nach einem Pflegeplatz oder einem Handwerker“, sagt IW-Fachkräfteexperte Alexander Burstedde.

Die aktuelle Zurückhaltung der Unternehmen bei Neueinstellungen täusche über den strukturellen Trend hinweg, schreibt das IW weiter. „Die Politik sollte kurzfristig die Arbeitsanreize erhöhen und mehr qualifizierte Zuwanderung aus EU-Drittstaaten organisieren“, so Burstedde.

Die IW-Arbeitsmarktfortschreibung 2029 ist die dritte Aktualisierung einer 2023 erstmals veröffentlichten Studienreihe. Sie schreibt demografisch und beruflich differenzierte Entwicklungen von Beschäftigung und Fachkräftelücke auf Basis von Daten bis Ende 2024 bis ins Jahr 2029 fort. Grundlage sind Daten der Bundesagentur für Arbeit sowie des Statistischen Bundesamts. Die Fortschreibung ist keine Prognose, sondern zeigt auf, was passieren würde, wenn sich die Trends der vergangenen Jahre unvermindert fortsetzen.

Ostdeutschland verschenkt Potenziale

Transport, Logistik, Handel, Gastronomie, Pflege und Gesundheit – ohne Zuwanderung läuft bald nichts mehr. Foto: Marcus Walter /pixelio.de

 

 

Fast jeder vierte Lkw-Fahrer in den ostdeutschen Flächenländern hat keinen deutschen Pass. Auch in Kliniken und Restaurants sähe es ohne ausländische Fachkräfte düster aus, zeigt eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).

 

Im bundesweiten Vergleich arbeiten immer noch sehr wenige internationale Fachkräfte in den ostdeutschen Flächenländern – „damit bleibt ein großes Potenzial für die wirtschaftliche Entwicklung der Region ungenutzt“, heißt es in der Kurzstudie des arbeitgebernahen Instituts in Köln.

Knapp 160.000 internationale Fachkräfte arbeiten in den ostdeutschen Flächenländern in Engpassberufen – in Jobs, in denen Unternehmen händeringend qualifizierte Arbeitskräfte suchen: Berufskraftfahrer, Ärzte, Pflegepersonal oder Köche. Für den ostdeutschen Arbeitsmarkt sind ausländische Fachkräfte unverzichtbar: Seit 2019 verlassen mehr deutsche Staatsbürger den Arbeitsmarkt als nachkommen.

Da die Zuwanderung aus EU-Ländern in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen ist, gewinnen Fachkräfte aus Drittstaaten zunehmend an Bedeutung. Der tatsächliche Beitrag von Fachkräften mit ausländischen Wurzeln dürfte sogar noch größer sein, denn bereits Eingebürgerte tauchen in der Statistik nicht als Ausländer auf. Allein im Jahr 2025 wurden bundesweit 332.500 Menschen eingebürgert.

Ohne ausländische Beschäftigte stünde etwa die ostdeutsche Logistik still: Fast jeder vierte Lkw-Fahrer – mehr als 21.000 Menschen – hat keinen deutschen Pass. Knapp 10.000 arbeiten in der Lagerwirtschaft, rund 6.700 in der Kfz-Technik. Auch die medizinische Versorgung wäre gefährdet: Über 5.000 Ärzte und rund 4.500 Pflegekräfte in Ostdeutschland haben keinen deutschen Pass.

Besonders stark hängt die Gastronomie von Zuwanderung ab: In der Fleischverarbeitung ist jeder zweite Beschäftigte Ausländer, das sind rund 4.700 Menschen. Unter den Köchen ist es mit rund 6.700 Personen gut jeder Fünfte. Im Gastronomieservice arbeiten fast 6.500 Ausländer, gut jeder Vierte.

Die Zuwanderung aus der EU hat den demografischen Wandel am deutschen Arbeitsmarkt lange gedämpft. Diese Quelle versiegt: Seit 2024 verlassen mehr EU-Bürger Deutschland als zuziehen. Weil zugleich die Babyboomer in Rente gehen, wächst die Lücke schneller. Schließen lässt sie sich ohne Fachkräfte aus Drittstaaten kaum. „Wenn es in Ostdeutschland nicht gelingt, Arbeitskräfte aus Drittstaaten zu gewinnen und zu halten, bleiben Waren liegen, Patienten unbehandelt und Restaurants geschlossen“, sagt IW-Experte Gero Kunath. Die Politik müsse die passenden Rahmenbedingungen schaffen. „Eine Work-and-Stay-Agentur könnte dabei helfen, die bürokratischen Hürden zu meistern“, so der Ökonom.

Fazit: Ostdeutschland ist bereits heute auf internationale Fachkräfte angewiesen, um den Rückgang der Erwerbsbevölkerung zu dämpfen. Der Beitrag von Beschäftigten aus Drittstaaten hat kontinuierlich an Gewicht gewonnen und dürfte angesichts schwindender Zuwanderungspotenziale aus den klassischen EU-Herkunftsländern weiter zunehmen. Umso wichtiger ist es, sowohl den weiteren Zuzug aktiv zu fördern, und dafür zu sorgen, dass ausländische Fachkräfte in Ostdeutschland verbleiben. Gemessen an den Hauptabwanderungsgründen von Migranten aus Deutschland bestehen Spielräume – auf staatlicher und gesellschaftlicher Seite – insbesondere bei Bürokratieabbau, am Wohnungsmarkt sowie bei der Bekämpfung von Diskriminierung und einem offeneren politischem Klima.

Die Kurzstudie der IW-Autoren Fabian Semsarha, Gero Kunath und Lydia Malin gibt es hier.

Wenn viele Idioten gr0ße Idioten wählen

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In Thüringen und in Sachsen wird am kommenden Sonntag gewählt, am 22. September folgt Brandenburg. Den extremistischen Parteien AfD und BSW (Bündnis Sahra Wagenknecht) werden starke Zuwächse vorausgesagt – auch weil sie permanent Stimmung gegen Zuwanderung machen. Man kann auch sagen: Viele Idioten werden große Idioten wählen – und sich dabei selbst ins Knie schießen. Denn ohne Zuwanderung sähe es auf dem Arbeitsmarkt in den ostdeutschen Flächenstaaten richtig düster aus. Gerade die ostdeutschen Flächenländer sind auf internationale Arbeitskräfte angewiesen, sagt eine Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln.

Zuletzt machten Arbeitskräfte ohne deutschen Pass bundesweit 86 Prozent des Beschäftigungswachstums aus, hat das IW aus den Statistiken der Bundesagentur für Arbeit errechnet. Besonders in Ostdeutschland sind sie unverzichtbar, da dort bereits heute ein Beschäftigungsrückgang bei deutschen Staatsbürgern stattfindet und zudem der demografische Ersatzbedarf höher ausfällt.

Quelle: IW

In den letzten Jahren hat die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland trotz Fachkräftemangel und demografischem Rückgang des Erwerbspersonenpotenzials zugenommen. Besonders ausländische Arbeitskräfte spielen beim Beschäftigungswachstum eine entschiedene Rolle. Zwischen den gleitenden Jahresdurchschnitten 2021/2022 und 2022/2023 entfielen 86 Prozent des Beschäftigungswachstums auf sie, während deutsche Staatsbürger nur 14 Prozent dazu beitrugen. Insbesondere Arbeitskräfte aus Drittstaaten sorgten mit einem Zuwachs von 265.721 Personen (62 Prozent) für den größten Teil des Wachstums, zeigen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit.

In den ostdeutschen Bundesländern (ohne Berlin) und im Saarland war sogar ein Rückgang an deutschen Beschäftigten zu beobachten, da bereits mehr deutsche Staatsangehörige aus der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung ausschieden, als eintraten. Besonders Sachsen (+0,5 Prozent) und Brandenburg (+1 Prozent), aber auch Thüringen profitierten von ausländischen Beschäftigten. Hier konnte trotz des Rückgangs unter den deutschen Staatsbürgern insgesamt ein geringes Beschäftigungswachstum verzeichnet werden. In Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt konnten internationale Fachkräfte den Beschäftigungsrückgang bei deutschen durch ausländische Staatsangehörige zumindest annähernd kompensieren.

Das gesamte Beschäftigungswachstum in Ostdeutschland (ohne Berlin) wurde somit von Ausländern getragen. Analog zur Bundesebene entfällt der Großteil (57Prozent) dieses Beschäftigungsaufbaus auf Personen aus Drittstaaten. Dies unterstreicht, dass insbesondere die ostdeutschen Flächenländer stärker auf die Zuwanderung von Arbeitskräften, auch aus Drittstaaten, angewiesen sind, als die westdeutschen Bundesländer und Berlin.

Fazit: Ausländische Beschäftigte spielen neben der Hebung inländischer Potenziale eine entscheidende Rolle für den Beschäftigungszuwachs und die Fachkräftesicherung. Insbesondere Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg sind aufgrund ihrer Altersstruktur dringlicher auf die Zuwanderung von Arbeitskräften angewiesen als andere Bundesländer. Die erwarteten Zuwächse der AfD bei den anstehenden Landtagswahlen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg erscheinen vor dem Umstand, dass diese Bundesländer besonders dringlich auf internationale Arbeitskräfte angewiesen sind, als großes wirtschaftliches Risiko. Eine Befragung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeichnet ein ähnliches Bild: 73 Prozent der befragten Unternehmen sehen die AfD als Risiko für die Fachkräftesicherung.

Zudem zitiert Berlin-Korrespondentin Birgit Marschall im Kölner Stadtanzeiger eine bislang unveröffentlichte Studie des IW, wonach knapp sechs Prozent der gesamten Wertschöpfung in den ostdeutschen Flächenländern oder knapp 25 Milliarden Euro  von Arbeitnehmern mit ausländischem Pass erwirtschaftet werden. Man stelle sich vor, in Thüringen, Sachsen und Brandenburg könnten demnächst demokratisch gewählte Idioten ihre rassistische und xenophobe Politik durchsetzen – sie würden ihren Bürgern erhebliche Wohlstandsverluste zumuten. Aber für diese Verluste hätten sie sicher eine Erklärung oder ein neues Märchen parat: „Es sind doch die Ausländer, die uns die Arbeitsplätze wegnehmen!“