Der neue US-Präsident will in einer Dekade 25 Millionen neue Jobs schaffen. Das ist ambitioniert, aber machbar. Nur nicht mit den Methoden eines Donald Trump, behaupte ich.
Endlich kann man einmal nachlesen, was US-Präsident Donald Trump wirklich plant, um die Wirtschaft der USA anzukurbeln: Auf der offiziellen Webseite des Weißen Hauses ist seit kurzem der Aufsatz „Bringing Back Jobs And Growth“ zu lesen, jawohl, alles mit großen Anfangsbuchstaben geschrieben. Darin beklagen Trumps Berater, dass seit der Finanzkrise 2008 nahezu 300 000 industrielle Arbeitsplätze verschwunden sind, sich die Staatsschulden verdoppelt haben – und dass die Mittelklasse schrumpft.

Der neue Held der Mittelklasse will das umkehren, die Wirtschaft wieder „in die Spur bringen“, das Wachstum der Wirtschaft auf eine Jahresrate von vier Prozent hochschrauben und 25 Millionen neue Arbeitsplätze innerhalb der nächsten Dekade schaffen. Interessant ist an diesem Aufsatz nicht nur, was drinsteht, sondern auch, was nicht.



Der Wettlauf ist fast so alt wie das World Wide Web selbst: Seit Mitte der 1990er Jahre sind die Betreiber von Webseiten bemüht, ihre Webpräsenz für Suchmaschinen zu optimieren. In den Anfängen reichte es aus, die URL der entsprechenden Seite an die verschiedenen Suchmaschinen zu senden, die dann einen Crawler zur Analyse der Seite schickten und diese indexierten. Die Seitenbetreiber erkannten recht schnell, dass es sehr von Vorteil war, wenn die eigene Webseite weit oben in der Trefferliste der Suchmaschinen erscheint. Ein neuer Geschäftszweig war geboren: Viele Unternehmen tummeln sich inzwischen auf dem SEO-Feld (search engine optimization), die versprechen, die Seite des Kunden gegen Bares nach oben zu hieven. Weil aber die die Bewertungsalgorithmen von Google und Co. überhaupt nicht bekannt sind, gleicht das SEO-Geschäft einer Art Vodoo-Zauber – man könnte genauso gut würfeln, Karten legen oder in die Glaskugel gucken. Deshalb nenne ich diese Wichtigtuer „moderne Medizinmänner“.
Deutschland, wie geht es Deiner Wirtschaft? Seit gut zwei Wochen legen die großen deutschen Konzerne ihre Bilanzen zum zweiten Quartal vor – Anlass genug, so etwas wie eine Halbjahresbilanz zu ziehen. Und die ergibt ein insgesamt erfreuliches Bild. Die Automobilindustrie steigert ihren Absatz, selbst Volkswagen hat, was die Verkaufszahlen angeht, das Desaster um Dieselgate erstaunlich gut verkraftet. Und überhaupt: Es gibt kaum eine Wirtschaftsbranche, in der große Einbrüche zu registrieren wären – sieht man einmal von den Energieerzeugern ab, die die Energiewende verschlafen haben und nun Milliardenbeträge auf ihre fossilen und atomaren Altlasten abschreiben müssen. 