
Eine große Mehrheit der Deutschen rechnet mit ernstzunehmenden Krisen als Folge digitaler Attacken, Sabotage und Desinformation. Auf der anderen Seite bereitet sich kaum jemand auf die Folgen solcher hybrider Angriffe vor. Nur zwei von 100 Befragten halten ihren Haushalt für sehr gut auf hybride Angriffe und ihre Folgen vorbereitet, weitere 13 Prozent für „eher gut“. Knapp die Hälfte (49 Prozent) erwartet in den kommenden fünf Jahren sogar eine militärische Konfrontation zwischen Russland und der NATO.
Das ist ein Ergebnis einer repräsentativen Befragung von knapp 1.300 Personen ab 16 Jahren in Deutschland im Auftrag des Digitalverbands Bitkom. „Deutschland wird jetzt schon täglich angegriffen: im Cyberraum, mit Sabotageaktionen und mit Desinformationskampagnen. Deutschland muss seine Resilienz stärken, und dazu gehört insbesondere die Vorbereitung der Bevölkerung auf Angriffe jeglicher Art und ihre Folgen“, sagt Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst.
Rund ein Viertel (27 Prozent) sieht sich eher schlecht vorbereitet und mehr als die Hälfte (55 Prozent) ist nach eigenen Angaben überhaupt nicht vorbereitet. Dabei planen immerhin 26 Prozent, Vorkehrungen zu treffen, 29 Prozent wollen dies aber auch künftig nicht tun.
Zugleich halten es 82 Prozent für wahrscheinlich, dass es in Deutschland zu einer ernsthaften Krise infolge hybrider Angriffe kommt. Rund zwei Drittel (64 Prozent) sehen aufgrund der Spannungen zwischen Russland und der NATO eine zunehmende Gefahr, 49 Prozent erwarten in den kommenden fünf Jahren sogar eine militärische Konfrontation zwischen Russland und der NATO.

Aktuell sagen 64 Prozent der Menschen in Deutschland, dass sie über Bedrohungen durch hybride Angriffe nicht informiert sind, 65 Prozent finden, die Bevölkerung müsse sich insgesamt besser gegen hybride Angriffe und deren Folgen schützen. Große Angst haben die Menschen vor allem davor, dass Angriffe die Energieversorgung beschädigen oder lahmlegen (77 Prozent), 69 Prozent sorgen sich vor Ausfällen bei Banken und Versicherungen. Dahinter folgen Krankenhäuser und Ärzte (60 Prozent), die Wasserversorgung (58 Prozent) und die Lebensmittelversorgung (54 Prozent).
Etwas weniger als die Hälfte (47 Prozent) hat Angst vor Ausfällen bei Telekommunikation und IT, 41 Prozent bei der öffentlichen Verwaltung und 35 Prozent bei Transport und Verkehr. Schlusslichter sind die Abfallentsorgung (27 Prozent) sowie Medien und Kultur (22 Prozent). „Deutschland muss nicht nur seine kritische Infrastruktur noch besser schützen. Jeder und jede Einzelne, aber auch die Verwaltungen und die Unternehmen müssen Vorkehrungen treffen. Im Krisenfall sind die ersten Stunden besonders wichtig“, so Wintergerst.
Die meisten haben sich in ihrem Haushalt zumindest ein wenig vorbereitet. So nutzen 59 Prozent Sicherheitssoftware wie zum Beispiel eine Firewall gegen Cyberangriffe, 36 Prozent haben digitale Kopien wichtiger Dokumente angelegt und 26 Prozent analoge Kopien auf Papier von wichtigen digitalen Dateien erstellt. 31 Prozent verfügen über alternative Energiequellen wie Powerbanks oder Batterien.
Aber auch ganz klassische Vorbereitungen haben viele Menschen getroffen: 41 Prozent verfügen über Taschenlampen oder Kerzen, ebenso viele haben Notvorräte an Wasser und Lebensmitteln angelegt, 36 Prozent haben eine Bargeldreserve und 29 Prozent einen Notvorrat an Medikamenten. 16 Prozent verfügen über alternative Kommunikationsmittel wie ein batteriebetriebenes Radio oder Funkgeräte.
Indes: Zwei von zehn Befragten (19 Prozent) haben gar keine Vorkehrungen getroffen. „Unentschlossenheit macht Deutschland nicht resilient. Andere Länder wie etwa Finnland zeigen uns, wie es besser geht: mit überzeugenden, verständlichen Informationen für Bevölkerung und Unternehmen. Ebenso wichtig ist eine pro-aktive Grundhaltung in der Gesellschaft, die Gefahren aufmerksam wahrnimmt und in Handeln übersetzt“, sagt Wintergerst.
Alle Ergebnisse der Befragung gibt es auch online im Bitkom-Dataverse unter: www.bitkom.org/Bitkom-Dataverse/HybrideAngriffeBevoelkerung
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