Am Leipziger Flughafen ist gestern ein geplanter Drohnen-Anschlag gescheitert, doch die deutsche Wirtschaft befürchtet, dass die nächsten Angriffe dieser Art erfolgreich sein könnten – mit den entsprechende Folgen. Fast neun von zehn Unternehmen (87 Prozent) halten das für wahrscheinlich, ergab eine Bitkom-Telefonumfrage.
Bei hybriden Auseinandersetzungen greifen staatliche Akteure, die oft im Verborgenen bleiben, mit Hilfe von klassischen analogen Mitteln oder Cyberattacken Wirtschaft, Verwaltung oder Infrastrukturen oder weitere Einrichtungen an. Die Angriffe finden beispielsweise in Form von Brand- oder Sprengstoffanschlägen statt, werden seit einigen Jahren aber zunehmend durch digitale Angriffstechniken ergänzt, zum Beispiel bei Cyberattacken oder eben auch mit Drohnen.
Knapp zwei von zehn befragten Unternehmen (18 Prozent) halten eine ernsthafte Krise in Folge solcher Angriffe für äußerst wahrscheinlich, gut zwei Drittel (69 Prozent) halten es für eher wahrscheinlich. Nur fünf Prozent der Unternehmen halten ein solches Szenario für eher unwahrscheinlich, drei Prozent für äußerst unwahrscheinlich. Das sind Ergebnisse einer aktuellen repräsentativen Befragung von 1.003 Unternehmen in Deutschland mit zehn oder mehr Beschäftigten, die der deutsche Digitalverband Bitkom in Auftrag gegeben hat.
Heute würden die Ergebnisse dieser Befragung vermutlich noch viel drastischer ausfallen. Denn die repräsentative Umfrage fand von Mitte April bis zur ersten Juniwoche statt – der Vorfall am Flughafen Leipzig-Halle ist in diese Ergebnisse noch gar nicht eingeflossen. Damals wurden 1.003 Unternehmen ab zehn Beschäftigten und einem Jahresumsatz von mindestens einer Million Euro telefonisch befragt.
„Bei der Diskussion über hybride Angriffe in einer Grauzone zwischen Krieg und Frieden geht es nicht mehr um ein theoretisches Risiko. Deutschland wird digital jeden Tag tausendfach attackiert, dabei führt die Spur immer öfter nach Russland und China und zu staatlichen Geheimdiensten. Aber auch physische Angriffe auf kritische Infrastrukturen, Verwaltung und Unternehmen sind Realität“, sagt Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst. „Wir müssen die Resilienz von Wirtschaft, Staat und Gesellschaft massiv erhöhen – und zwar so schnell wie möglich. Tech-Unternehmen und Startups können mit innovativen und leistungsfähigen Technologien zur Abwehr hybrider Bedrohungen einen wichtigen Beitrag liefern.“
Drei Viertel (75 Prozent) der Unternehmen gehen davon aus, dass die politischen Spannungen zwischen Russland und der Nato oder den USA und Iran die Gefahr analoger und digitaler Angriffe auf Deutschland erhöhen. Nur ein Drittel (33 Prozent) sieht Deutschland aktuell gut auf Cyberangriffe vorbereitet.
Die Umfrage ist repräsentativ. Die Fragestellungen lauteten: „Für wie wahrscheinlich halten Sie es, dass es in Deutschland zu einer ernsthaften Krise kommt infolge analoger und digitaler Angriffe?“ und „Welche der folgenden Aussagen treffen auf Ihr Unternehmen oder Ihrer Meinung nach zu bzw. nicht zu?“