Wahlkampf online

Vor einiger Zeit habe ich berichtet, dass die SPD das Internet für den Wahlkampf entdeckt hat – Obama lässt grüßen. Die CDU hat allerdings schon vor fast einem Jahr bei youtube.com einen eigenen Kanal namens CDU.TV eröffnet. Bisher gibt es etwas mehr als 148.000 Seitenzugriffe und 755 Abonnenten. Ob damit die Bundestagswahl im Septemer entschieden wird? Ich glaube eher nicht.

G8 war gestern

logoOh weh. Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi will sich zum Retter in der Finanzkrise aufschwingen. Anfang Juli ist er Gastgeber des nächsten G8-Gipfels. Sein Vorgänger Romano Prodi hatte dafür die Inselgruppe La Maddalena zwischen Sardinien und Korsika ausgesucht. Aber Berlusconi wäre nicht Berlusconi, wenn er nicht viel bombastischere Pläne hätte. Er würde viel lieber mit seinen sechs Kollegen und Frau Merkel auf der MSC Fantasia im Mittelmeer herum schippern. Das ist ein 333,3 m langes Kreuzfahrtschiff, das einer neapolitanischen Reederei gehört und unter panamaischer Flagge fährt. Vielleicht möchte er ja seinen Gästen zeigen, wie sauber Neapel geworden ist?

Spaß beiseite – ich glaube, die G8 haben sich endgültig überlebt. Das hat sogar das Auswärtige Amt gemerkt. Auf dessen Webseite heißt es: „Die internationalen Gewichte haben sich verschoben, hin zu Asien und anderen Schwellenländern. Deshalb müssen internationale Formate angepasst werden, um die Probleme des 21. Jahrhunderts zu lösen. Bundesaußenminister Steinmeier hat mehrmals auf die Bedeutung hingewiesen, die bestehenden Formate globaler Abstimmung zu öffnen und zu erneuern. Die G8 müssten erweitert werden.“

Wohl wahr. Man kann es auch anders ausdrücken: Die G8 haben sich überlebt. Sie repräsentieren zwar zwei Drittel der Weltwirtschaftsleistung, aber nur 14 Prozent der Weltbevölkerung. In der Gruppe der Zwanzig sind dagegen fast 90 Prozent der Weltwirtschaftsleistung und zwei Drittel der Weltbevölkerung vertreten. Unter ihnen viele Schwellenländer, die von der Finanzkrise besonders hart betroffen sind. Ihre Exportmärkte brechen zusammen, die Überweisungen ihrer Gastarbeiter bleiben aus, ausländisches Kapital wird abgezogen und unter europäischen und amerikanischen Rettungsschirmen geparkt. Soziale Unruhen rund um den Globus könnten die Folge sein. Darauf haben die G8 bestimmt keine Antworten.

Prost Frank!

Mit Bedauern muss ich heute lesen, was morgen, wenn überhaupt, im Wirtschaftsteil der einen oder anderen Tageszeitung zu lesen sein wird: „Silicon Graphics (SGI), Hersteller von Grafik-Workstations, ist das zweite Mal in den letzten drei Jahren zahlungsunfähig. SGI will nun für 25 Millionen US-Dollar Unternehmenswerte an Rackable Systems verkaufen, gab das Unternehmen bekannt. In einer Auktion werde noch nach einem höheren Gebot gesucht.“

„SGI konnte 2008 sein 25-jähriges Bestehen feiern und wurde bekannt für die Spezialeffekte in Filmen wie „Jurassic Park“. Die Studios DreamWorks Animation und Walt Disney zählen zu den Kunden SGIs. Das Unternehmen hat Gläubigerschutz nach Chapter 11 (US-Insolvenzrecht) bei einem Gericht in Manhattan beantragt. Darin listet die Firma Unternehmenswerte von 390 Millionen US-Dollar gegen Verbindlichkeiten in Höhe von 526 Millionen US-Dollar auf. Im Mai 2006 war SGI bereits einmal zahlungsunfähig.“

Traurige Geschichte. Silicon Graphics hat tolle Maschinen gebaut. Für 50.000 Dollar bekam man Anfang der 90er Jahre High-End-Rechner, an denen zum Beispiel der Autohersteller BMW seine Modelle designen konnte – für vergleichsweise wenig Geld. Das Geheimnis von SGI waren wohl die so genannten RISC-Prozessoren (Reduced Instruction Set), die zwar einen eingeschränkten Befehlssatz hatten, dafür aber rasend schnell waren. Zu Blütezeiten hatte deshalb SGI seinen Prozessorhersteller „Mips“ einfach aufgekauft.

1994, als bei uns in Deutschland kaum einer das Wort Internet buchstabieren konnte, hatte mein Klassenkamerad Frank für SGI ein Intranet entwickelt – basierend auf 600 Servern, die alle 13.000 Mitarbeiter von SGI weltweit zeitgleich mit allen Informationen versorgten. Firmen wie Boeing oder Banc of America hätten damals eine Menge dafür bezahlt, sich von SGI ebenfalls ein Intranet entwickeln zu lassen.

Zudem hätte man schon damals abgespeckte SGI-Maschinen als Internet-Server verkaufen können. Ein Milliardenmarkt, den sich heute Hersteller wie Sun und IBM teilen, den aber SGI komplett verschlafen hat. Frank hat das sinkende Schiff rechtzeitig verlassen und thront nun oberhalb des Silicon Valleys in den Los Altos Hills, als Nachbar von Oracle-Gründer Lawrence Joseph „Larry“ Ellison, der im Nachbarort Woodside residiert.

Prost Frank! Deine Weine, die Du aus Europa für amerikanische Kehlen importierst, schmecken hervorragend. Und Danke an Deine fact finding division.