Umfragen-Unfug

Folgende Pressemitteilung des deutschen IT-Branchenverbandes BITKOM landete heute in meinem Briefkasten: „In Sachen Internet haben die Bundesbürger offenbar weiterhin massive Zweifel am Sachverstand der politischen Parteien. Jeder sechste Wahlberechtigte ist der Meinung, dass keine der größeren Parteien überhaupt etwas vom Internet oder der Netzpolitik versteht. Jeder zweite sieht sich nicht in der Lage, einer Partei besondere Sachkenntnis zuzuschreiben. Nur jeder Dritte kann bei einer politischen Partei Internetkompetenz erkennen. „Das Ergebnis des aktuellen BITKOM-Webmonitors muss die Politik aufrütteln“, sagt BITKOM-Präsident Prof. Dr. August-Wilhelm Scheer. „Netzpolitik ist eines der bestimmenden Themen, und es kann in Zukunft mit wahlentscheidend sein.“ Forsa befragte im Auftrag des BITKOM 953 deutschsprachige Personen ab 18 Jahren. Bei der offenen Befragung konnten spontan auch zwei oder mehr Parteien genannt werden. Die Umfrage ist repräsentativ.“

Na klar mag diese Umfrage repräsentativ sein. Sie beweist allerdings nur, dass sich mindestens jeder Zweite der Befragten noch nie in seinem Leben die Webseite einer politischen Partei oder eines Abgeordneten angesehen hat. Dann ist es auch klar, dass sich diese Befragten nicht in der Lage sehen, einer Partei besondere Sachkenntnis zuzuschreiben. BITKOM titelte: „Große Zweifel an der Internetkompetenz der Parteien“. Vielleicht hätte man fairerweise titeln müssen: „Nur die Hälfte der Bundesbürger interessiert sich für den Auftritt der Parteien im Internet“.

Ein bestelltes Päckchen

Trithemius, Betreiber des gleichnamigen Teppichhauses, hat sich mit den jüngsten Terrorwarnungen unseres Innenministers beschäftigt. Er hält sie, genau wie ich, für ein bestelltes Päckchen, damit scheinheilig besorgte Unionspolitiker wieder lautstark die Vorratsdatenspeicherung fordern können. Wenn ich die Einlassungen des innenpolitischen Sprechers der Unionsfraktion, Hans-Peter Uhl, höre, „wer sich jetzt noch gegen die Vorratsdatenspeicherung wehrt, hat die Bedrohungslage nicht verstanden“, dann wird mir übel vor lauter selbstzufriedener Scheinheiligkeit.

Die Dispo-Falle

Um 41,6 Milliarden Euro haben die Deutschen ihr Girokonto überzogen – und das nur in einem einzigen Monat, dem Mai 2010. Während die Banken für Guthaben nichts oder magere ein bis 1,5 Prozent bieten, langen sie bei den Überziehungszinsen und Dispokrediten im Schnitt mit elf, in der Spitze sogar mit über 14 Prozent hin. „Obszön“, bezeichnet Jenny Mansch in der Monatszeitung Publik der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di diese Zinsdifferenz. Besonders frech sind die ach so mittelstandsfreundlichen Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken: 21 ihrer Institute liegen über 14 Prozent. Continue reading „Die Dispo-Falle“

Die Kommunen und das Web 2.0

Die deutschen Verwaltungen haben ihr Web-2.0-Angebot ausgebaut: 74 Prozent der Behörden verfügen mittlerweile über ein Internet-Portal, das Bürgern und Unternehmen interaktiven Online-Kontakt anbietet. 53 Prozent der Einrichtungen stellen Foren zur Verfügung und 32 Prozent treten per Audio- oder Video-Podcast an die Öffentlichkeit. Bei der konkreten Betreuung solcher interaktiven Online-Dienste haben viele Behörden allerdings noch Nachholbedarf. Das hat die Studie „Social Media in der Landesverwaltung“ von Steria Mummert Consulting ergeben. Der ganze Pressetext steht hier.

Ein Chamäleon

Marion hat auf chillout.de einen interessanten Link gesetzt. Auf Ich schreibe wie kann man seinen Schreibstil analysieren lassen. Erfunden hat die Messmethode ein siebenundzwanzigjähriger Russe aus Montenegro namens Dmitry Chestnykh, ein Softwareentwickler, der vor ein paar Monaten die Internetseite „I write like“ ins Leben rief. Chestnykh hatte einen Algorithmus entwickelt, der so ähnlich wie ein Spam-Filter funktioniert: Man musste bloß ein paar englischsprachige Sätze in ein Textfeld kopieren, auf „Analysieren“ klicken. Innerhalb weniger Sekunden übermittelte das Programm einem dann das Ergebnis. Im besten Fall: „Sie schreiben wie William Shakespeare.“

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Windfall Profits

„29,1 Milliarden Handy-Kurznachrichten haben die Deutschen im Jahr 2008 verschickt. Das ist ein neuer Rekord. 2007 waren es 25,3 Milliarden SMS. Das teilte der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM) mit Verweis auf aktuelle Daten der Bundesnetzagentur mit. Für das Jahr 2009 rechnet der BITKOM mit einem Anstieg auf mehr als 30 Milliarden SMS. Damit hat sich in den vergangenen zehn Jahren die Zahl der Textnachrichten fast verzehnfacht. 1999 verschickten die Deutschen erst 3,6 Milliarden SMS pro Jahr. 2008 übermittelten die Mobilfunkbetreiber in Deutschland pro Tag knapp 80 Millionen SMS, 923 pro Sekunde.“

nutzung

Weshalb ich diese Pressemitteilung hier zitiere? Weil mir hier zum ersten Mal so richtig klar geworden ist, was mein Uni-Prof seinerzeit mit „Windfall-Profits“ meinte. Denn der so genannte Short Message Service (SMS) läuft über einen Datenkanal, der ohnehin bei jedem Handygespräch in Betrieb ist – ob darüber Daten laufen oder nicht. Eine nützliche Sache: So kann zum Beispiel die Rufnummer des Anrufers in der Liste der entgangenen Anrufe hinterlegt werden. Nur: Ob Daten übertragen werden oder nicht – den Mobilfunk-Betreibern entstehen durch die Nutzung des Datenkanals für SMS keine zusätzlichen Kosten. Deshalb haben sie auch 1994 zuerst mit kostenfreien SMS geworben. Bis jemand auf die Idee kam, dafür 38 Pfennig pro SMS zu verlangen. Selbst wenn sie heute im Schnitt nur 19 Cent kosten, entstehen den Providern nette Zusatzgewinne von rund 600 Millionen Euro – für Nichts! Das sind windfall profits.

Nette Einladung

Folgende Einladung hat uns heute die Uni Potsdam geschickt:

„Sehr geehrte Redaktion,
wie alt ist Guido Westerwelle laut Angabe der Medien wirklich? Die Antwort auf diese simple Frage hängt mit Informationsqualität zusammen. Denn Journalisten greifen in ihrer Berichterstattung auf elektronisch gespeicherte Angaben zurück. Kurz nach der Bundestagswahl fanden sich in Presseveröffentlichungen über den 48-jährigen FDP-Politiker (Geburtsdatum laut eigener Website: 27.12.1961) Altersangaben, die von 46 bis 49 Jahren streuten. Das ist nur ein Indiz dafür, dass die Qualität von elektronisch verarbeiteten Daten und Informationen oft verbessert werden muss.“
Wohl wahr. Das wollen IT-Experten auf einer Konferenz am Hasso-Plattner-Institut der Uni Potsdam erörtern. Schade, ich kann leider nicht hinfahren…

Sarrazin: Kalkulierter Krawall…

Meine Liebligsbloggerfreundin Marion hat sich in ihrem Chillout-Blog mit dem Äußerungen des Bundesbank-Vorstandsmitglieds Thilo Sarrazin beschäftigt und viele, größtenteils kluge Kommentare darauf bekommen. Der Mann ist auf Krawall gebürstet – und man kann nur hoffen, dass er sich niemals zur Geldpolitik der EZB äußert. Diplomatie war noch nie seine Stärke. Das würde vermutlich einige Verwerfungen auf den Märkten geben.

Ende einer Dienstreise

Ich bin zurück aus Istanbul und habe jetzt erst mal genug von IWF, Weltbank, Global Economic Outlook und den Ackermännern dieser Welt.

Nettes Hotel: Villa Zürich in Istanbul
Nettes Hotel: Villa Zürich in Istanbul

Wenn ich allerdings privat noch einmal nach Istanbul kommen sollte, weiß ich, wo ich wohnen werde: Im Hotel Villa Zürich. Knapp 40 bezahlbare, ordentliche Zimmer, sehr zentral, fünf Minuten vom Taksim Platz gelegen, Frühstücksterrasse auf dem 7. Stock mit Aussicht auf die Hagia Sophia, Topkapi und die Blaue Moschee, gratis WLAN und mit zwei Kneipen mit guter Musik direkt nebenan. Aus dem Frühstücksraum wird abends ein sehr gutes Fischrestaurant. Einziger Nachteil: Die Musik aus den Kneipen schallt bis vier Uhr morgens – und um sechs Uhr jault der Muezzin vom Band, um den sich aber in diesem Viertel kein Mensch zu kümmern scheint.