Audresselles

Zugegeben: Inhaltlich sollte dieser Blog auf Medien, Märkte und Moneten ausgerichtet sein. Doch ab und zu kann ich es nicht vermeiden, dass dieser Blog zum Reiseblog mutiert. Zum Beispiel, wenn man das Dorf Audresselles im Norden Frakreichs besucht.
strand
Dort findet seit 2003 jedes Jahr am letzten Wochenende im August die so genannte Fete Culturelle statt. Künstler aus ganz Europa sind eingeladen, sich am Strand mit Installationen einzubringen: Das Spektrum reicht von Malerei, Bildhauerei, Videoinstallation, Fotografie bis hin zur Musik und Literatur. Der Prozess der Arbeit ist öffentlich, jeder kann mit machen. Kunst entsteht durch das Zusammenspiel von Künstlern, Zuschauern, spontanen Mithelfern, sowie mit den vor Ort vorhandenen Materialien. stern

Und am nächsten Tag ist die Kunst verschwunden: Die Flut hat alles weg gerissen. Hier tanzen Zuschauer und Künstler mit den Wellen des Meeres. Eine Art Beschwörung, sich im nächsten Jahr unbedingt wiedersehen zu wollen. tanz

Doch immer dort, wo sich Erfolg einstellt, gibt es auch Neider und Misstöne. Früher wurde jede Fete Culturelle mit Live-Musik und Tanz auf dem Dorfplatz abgeschlossen. Heute gibt es die Musik-Fete ein Wochenende früher als die Fete Culturelle – und nichts passt mehr zusammen. Warum? Zwei deutsche Platzhirsche, die das Ganze angeschoben haben, sind sich nicht mehr grün…

Blick auf die Wirklichkeit

dump

Ende August haben die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di und die Gewerkschaft Nahrung- Genuss- Gaststätten (NGG) einen Dumpinglohn-Melder im Internet eingerichtet. Nach vier Tagen gab es dort knapp 500 Erlebnisberichte, Mitte September knapp 1.200. Rund 6,5 Millionen Menschen in Deutschland arbeiten laut ver.di in Jobs, die kaum zum Leben reichen. Ist es da ein Wunder, dass sich SPD und Gewerkschaften für einen Mindestlohn einsetzen? Angela Merkel und ihr ausgewählter Kinderprinz Guido Westerwelle sträuben sich, weil sie den Verlust von Arbeitsplätzen befürchten. Obwohl die Mehrheit der EU-Staaten einen Mindestlohn kennt – und dort keine Arbeitsplatzverluste beobachtet wurden. Hören Angela und Guido vielleicht zu sehr auf den Wurzelsepp des neoliberalen Turbokapitalismus, den Präsidenten des Münchener Ifo-Instituts Hans-Werner Sinn? Der hält die Löhne in Deutschland, tapfer, tapfer, immer noch für zu hoch. Und wundert sich, dass seit 20 Jahren jeder Aufschwung in Deutschland an der ausbleibenden privaten Nachfrage scheitert…

Wahl-o-mat zum Zweiten

Bin die einzelnen Thesen noch einmal genauer durchgegangen und habe mehr Thesen, die mir wichtig sind, doppelt gewichtet. Es bleibt dabei: Die Grünen liegen weit vorn. Spaßeshalber habe ich diesmal auch die Piratenpartei und die Linken zur Auswahl angeklickt. Und siehe da: Sie landen auf Platz zwei und drei. Womit in meinen Augen bewiesen ist: Zwischen populären Forderungen in Wahlmanifesten und der Realpolitik bestehen große Unterschiede. Man sollte also nicht unbedingt den längsten gelben Balken auf dem Wahl-o-mat zur Grundlage seiner Entscheidung machen…

CDU beobachtet Web 2.0

Die CDU will offenbar nichts dem Zufall überlassen. Am Mittwoch (16. 9.) hat sie die Business Intelligence Group GmbH (B.I.G.) beauftragt, tagesaktuell die politische Stimmung im Web abzubilden. Mit einer Software namens B.I.G. Screen Cockpit soll das Web rund um die Uhr beobachtet werden. Die Firma zitiert in einer Pressemitteilung Stefan Hennewig, Leiter Internes Management der CDU: „Die Menschen verkünden ihre politischen Ansichten heute häufiger in Blogs, Foren und Communities als an Kneipenstammtischen. Angesichts der weiten Verbreitung des Internets erhalten wir mit dem B.I.G. Screen-Cockpit ein sehr interessantes Bild der politischen Stimmungslage in Deutschland.“ Das Webmonitoring helfe, „neu aufkommende Themen zu identifizieren und Veränderungen in den Online-Diskussionen zu erkennen“.

Kirche im Web

Folgende Meldung habe ich bei der Katholischen Nachrichtenagentur KNA gefunden: „Die katholische Kirche in Deutschland will sich stärker im Internet und insbesondere in den Kommunikationszirkeln des Netzes engagieren. Diese Absicht wurde bei der Jahrestagung der Katholischen Rundfunkarbeit deutlich, die am Montag und Dienstag in Hamburg stattfand. Unter dem Motto „Generation digital – Die Internetoffensive der Kirche“ debattierten rund 80 Medienbeauftragte, Portalbetreiber, Journalisten, Experten, PR-Spezialisten und Seelsorger über Wege, das Engagement zu verstärken. Neben inhaltlichen standen vor allem Fragen nach der Organisationsstruktur im Vordergrund der Debatten. Da die katholische Kirche überwiegend regional – in Diözesen – organisiert ist, ging sie bisher nur wenige bundesweit getragene Medienengagements ein, darunter das Internet-Portal katholisch.de. Dies will die Deutsche Bischofskonferenz nun als „Dachmarke“ im Internet ausbauen. Gleichzeitig will sie sich stärker in die mittelgroßen Kommunikationsforen einbringen, die sich derzeit in Netzwerken wie StudiVZ oder facebook sowie im Umfeld virtueller Kirchen und in komplexen Spielwelten im Internet entwickeln.“

Die Steuer-Knute

Früher haben die Bauern gestöhnt, weil sie dem Kaiser oder König den Zehnten abliefern mussten. Mein Gott, was waren das für idyllische Zeiten! Heute währen wir froh, wenn mit zehn Prozent des Jahreseinkommens alle Steueren abgegolten wären. Ist Euch schon mal aufgefallen, dass Politiker und Bürger in Sachen Steuern eine absolut verschiedene Denke haben? Politiker denken nur in absoluten Zahelen. „Wir haben die XY-Abgabe um einen Prozentpunkt gesenkt- das entlastet die Büger um 16 Milliarden Euro.“ Nix da. Der Bürger merkt es vermutlich noch nicht einmal, wenn der Netto-Auszahlungsbetrag auf seinem Lohnzettel um 1,43 Euro gestiegen ist. Die Politiker aber glauben, „wir haben auf 16 Milliarden Euro Einnahmen verzichtet, nun muss aber der Konsumrausch ausbrechen“. Und wundern sich, wenn nix passiert…

Jeder kennt ihn…

Zustimmen, ablehnen oder überspringen?
Zustimmen, ablehnen oder überspringen?
Komisch, jeder kennt ihn, alle haben ihn schon benutzt, den Wahl-o-Mat. Und das Tollste ist: Alle, die ich kenne, sagen: „Bei mir sind die Grünen ganz oben“. Spricht das nun für die Qualität ihres Wahlprogramms oder schlicht nur für besonders wohlfeile und populistische Forderungen?

Neuer Wahl-Blog

September2009logoIch finde, manchmal kann man auch Werbung für seinen Arbeitgeber machen. Die Deutsche Welle hat einen Blog zur Bundestagswahl eingerichtet. Dort schildern Mitarbeiter aus den verschiedensten Redaktionen (von Amharisch bis Chinesisch) ihre Eindrücke vom Wahlkampf oder Nicht-Wahlkampf in Deutschland. Noch ist die Beteiligung und Kommentierung ähnlich zurückhaltend wie in meinem Blog. Aber das kann sich ja ändern…

Die Natur siegt

polo Das Gartenbau- und Grünflächenamt des Städtchens Boulogne sur Mer im Norden Frankreichs, im Département Pas-de-Calais, hat sich für den tristen Vorplatz des Rathauses „Godefroy de Bouillon“ etwas einfallen lassen, was eigentlich nicht auf dem Mist städtischer Beamter gewachsen sein kann.

ente-300x200 Auf ca. 1.100 Quadratmetern wächst dort auf einer ursprünglich schnöde gepflasterten Fläche ein kleiner Urwald. „Voiture contre Nature“ heißt dieses kleine Experiment, das zeigen soll, wie schnell sich die Natur die Überbleibsel der menschlichen Zivilisation einverleiben kann. Man betritt den Mini-Park durch Doppeltüren, wie sie in Lieferwagen üblich sind. Die Wege sind seltsam elastisch – kein Wunder, sie sind mit zerbröselten Autoreifen ausgelegt worden. Wer sich ausruhen will, kann dies auf Autositzen tun, die auf der Grünfläche herumstehen.

renault-300x200Hier und dort recken sich Auspuff-Anlagen empor, die langsam von der Natur überwuchert werden, ein Pavillon besteht ausschließlich aus zerborstenen Windschutzscheiben. Dazwischen einige Autowracks, aus denen mitunter ganze Bäume wachsen: Die Natur siegt, heißt es auf den deutschsprachigen Schildern zu der Ausstellung. Tatsächlich machen sich Gräser und Ranken über Lack und Lenksäulen, Rost und Reifen, Karossen und Kupplungen her. Sonne, Wind und Regen sollen hier ganze Arbeit leisten, um eines zu zeigen: Der Mensch und seine seltsamen Kreationen sind vergänglich. Wie sagte noch der eine Planet zum anderen? „Mir geht’s nicht gut, ich hab‘ die Menschen.“ Darauf der andere: „Mach Dir nichts draus, das geht von alleine weg.“